TV-Auftritt vom Schweizer Botschafter in Kenia - er hat es klar übertrieben - sagt Büchel zum flegelhaften Auftritt
6. August 2015
Erschienen in: St. Galler Tagblatt, Rheintaler, Thurgauer Zeitung, Appenzeller Zeitung, und div. Tagblatt-Kopfblätter

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Ein undiplomatischer Diplomat

Im Juli verabschiedete sich Botschafter Jacques Pitteloud nach fünf Jahren aus Kenia. Zum Abschluss gab er ein TV-Interview, in dem er die politische Elite Kenias harsch kritisiert. Aussenpolitiker Roland Rino Büchel (SVP) ist gar nicht amüsiert.

TOBIAS BÄR

BERN. Derart deutliche Worte in der Öffentlichkeit ist man sich nicht gewohnt von einem Angestellten des Aussendepartements (EDA). Kommt dazu, dass Jacques Pitteloud kein gewöhnlicher Angestellter ist. Er übernimmt Anfang September die Direktion für Ressourcen im EDA und damit die Verantwortung für das Personal der Schweizer Auslandvertretungen.

Während der vergangenen fünf Jahre war Pitteloud Schweizer Botschafter in Kenia. Vor seiner Rückkehr in die Schweiz gab der 52-Jährige dem privaten TV-Sender Kenya Television Network (KTN) ein Interview, das es in sich hat. Das Gespräch fand bereits im Juli statt, erreichte die Schweizer Öffentlichkeit aber erst am Dienstag via den Kurznachrichtendienst Twitter.

«Ich, ich, ich»

Zu Beginn des 45minütigen Interviews spricht Pitteloud darüber, wie Kenia der Bedrohung durch die somalische Terrormiliz Al Shabaab begegnen sollte. Mit der Dauer des launigen Gesprächs legt der Repräsentant der Schweiz dann seine diplomatische Zurückhaltung ab. «Was hier passiert, hat nichts mit Politik zu tun», sagt Pitteloud mit Blick auf die politische Kultur Kenias. «Ich, ich, ich», darum gehe es den Politikern im ostafrikanischen Land. Der Wohlstand, den die Mittelklasse und die Privatwirtschaft produzierten, werde von anderen weggegessen. «Eines Tages werden die Leute sagen: Jetzt ist es genug.»

Mit Ausnahme der Politiker lobt Pitteloud Land und Leute hingegen überschwenglich: «Das ist das aussergewöhnlichste Land, in dem ich je gedient habe. Ich hatte die fünf besten Jahre meines Lebens.»

Bis zu Pittelouds Arbeitgeber sind offenbar nur diese Passagen vorgedrungen: Der Botschafter habe für Kenia nur «lobende Worte» gefunden, heisst es in einer Stellungnahme des EDA.

Keine graue Maus

Ganz und gar nicht angetan vom Auftritt Pittelouds ist der Vizepräsident der Aussenpolitischen Kommission des Nationalrats, Roland Rino Büchel. «Er hat damit ein Anschauungsbeispiel geliefert, wie sich ein Diplomat nicht zu verhalten hat», sagt der St. Galler SVP-Nationalrat. Inhaltlich möge die Kritik zutreffen, es sei aber nicht an einem Repräsentanten der Schweiz, diese zu äussern. Büchel stört sich zudem an Pittelouds Körperhaltung: «So hängt ein Botschsfter nicht im Stuhl.»

Der APK-Vizepräsident will den Auftritt des Wallisers bei der Fragestunde des Bundesrats zu Beginn der Herbstsession thematisieren. «Diplomaten müssen keine grauen Mäuse sein – aber das geht zu weit.»

Eine graue Maus war Pitteloud wahrlich nie. Als Privatperson machte er sich auf die Suche nach den Völkermördern von Ruanda, nachdem er 1994 Zeuge des Massakers geworden war.

2010 wurde bekannt, dass das EDA während der Libyen-Affäre Befreiungsaktionen für die Schweizer Geiseln geplant hatte. Federführend war gemäss der Geschäftsprüfungskommission des Ständerats der damalige Chef des Politischen Sekretariats: Jacques Pitteloud.

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