Neujahrsbegrüssung der SVP Rheintal - Büchel motiviert die Mitglieder
18. Januar 2014
Erschienen in: Der Rheintaler, Rheintalische Volkszeitung

Der Rheintaler: SVP zu Gast beim Lieblingsfeind

 

Zu Gast beim Lieblingsfeind

BERNECK. An ihrer Neujahrsbegrüssung besuchte die SVP einen Berufsstand, mit dem sie nicht immer einig geht: die Zeitungsmacher. Zu einer Medienschelte kam es nicht – oder nur zu einer kleinen.

SAMUEL TANNER

Die zwei Gruppen, die sich gestern Abend in Berneck herzlich begrüssten, dürfen nicht immer freundlich sein zueinander; sonst liefe was schief. Hier die grösste und wohl auch lauteste Partei der Region, ihren eigenen Überzeugungen verpflichtet – da die Redaktion der Regionalzeitung, auf Ausgleich und Meinungsvielfalt bedacht.

Die Medien und die SVP, es ist ein vorbelastetes Verhältnis. Erst im September des letzten Jahres kritisierte Bundesrat Ueli Maurer die Presse heftig – und wurde von den Verlegern ausgepfiffen. Die SVP kritisiert aber nicht nur nationale Titel, sie reibt sich auch regelmässig an der Lokalzeitung, an jener Gruppierung, die sie bei der Neujahrsbegrüssung besuchte.

Die SVP zu Gast beim Lieblingsfeind.

«Frei von Ideologie»

Gert Bruderer, Chefredaktor von «Rheintaler» und «Volkszeitung», nahm die Rede von Ueli Maurer auf und sagte: «Sie können sich heute rächen – aber mir ist es auch recht, wenn Sie darauf verzichten.» Die Politiker pfiffen nicht, denn sie hörten, was Bruderer dazu sagte: «Ein kleines bisschen hat Maurer leider recht. Wenn Redaktionen Stellung beziehen zu Abstimmungsthemen, würde man sich manchmal ein Ausscheren dieses oder jenes Blattes schon wünschen.»

Auf die Arbeit der Lokalredaktion bezogen, sagte Gert Bruderer: «Es fällt uns leicht, unvoreingenommen sein. Unsere Devise ist frei von politischer Ideologie.»

Eine von vielen offensichtlichen Differenzen zur Politik. Verleger René Wuffli nannte ein weiteres Beispiel – bei ihm ging es ums rasante Tempo. Was die SVP in Parlamenten oft vermisst, davon hat die Medienbranche derzeit fast zu viel. Seit das Internet zum Leben gehört wie das Zähneputzen, sind Abozahlen gesunken und ist die Gratis-News-Nutzung gestiegen. Wuffli sagte: «Wir unternehmen als Verlag alles, um weiterhin eigenständig und unabhängig zu bleiben. In der Zukunft geht es für uns darum, im Internet Geld zu verdienen.»

«Sie verlieren Leser, wir verloren zuletzt Wähler», sagte Kreispräsident Harry Büchel nach Wufflis Rede. Es klang, als sei er froh über diese erste Gemeinsamkeit des Abends.

Dann gab Büchel an seinen Namensvetter weiter – an Roland Büchel. Der SVP-Nationalrat knüpfte insofern an Wufflis Worte an, als er seine Motivationsrede unter das Motto WWW stellte.

Nur meinte er damit nicht das Internet, sondern "Wirklich wärcha wella". Büchel sagte: «Ich bin fast erschrocken, als ich sah, wie viele gute Anlässe wir im letzten Jahr organisierten. Wir müssen unsere Arbeit besser verkaufen.» Er zählte sie auf, Standaktionen und Podien, Delegiertenversammlungen und Sessionsberichte.

Dann hielt er bei einem seiner Höhepunkte inne und sagte: «Wobei man den Bericht über jenen Anlass (mit Nathalie Rickli) sicher hätte besser schreiben können.» Sie musste noch kommen, die erste und zugegebenermassen kleine Medienschelte beim Besuch in der Lokalredaktion.

Dann sagte Nationalrat Büchel: «Wichtig ist nicht, was in der Zeitung steht. Wichtig ist, was wir tun.» Es war ein freundliches Ende. Bis zum nächsten Mal!

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