Geschlechterkampf in der Aussenpolitik - klare Worte von APK-Vizepräsident Büchel
17. Januar 2014
Erschienen in: Blick online

Die Grüne und die «Männerrechte»

Französisch sorgt für Geschlechter-Streit

Die grüne Nationalrätin Francine John-Calame fordert eine geschlechtergerechte Sprache im Französisch: Die Bundesverwaltung soll künftig nur noch den Begriff «Droits humains» anstelle des doppeldeutigen «Droits de l'homme» benutzen.

In der Aussenpolitik kommt es zum Geschlechterkampf um die «Menschenrechte». Zumindest um den Begriff – und das auch nur um den Französischen. Dort heissen die Menschenrechte «Droits de l’homme» – also eben auch «Männerrechte».

Das passt der grünen Nationalrätin Francine John-Calame (NE) gar nicht. In der Aussenpolitischen Kommission (APK) forderte sie, dass die Bundesverwaltung künftig von «Droits humains» – also menschlichen Rechten – spricht. Und dass der Bundesrat auch auf internationaler Ebene darauf hinwirkt, dass künftig dieser Begriff verwendet wird.

«Kohärente Gender-Politik»

«Eine geschlechtergerechte Sprache gehört zu einer kohärenten Gender-Politik», sagt John-Calame zu BLICK. «Mit der Änderung setzen wir ein klares Zeichen, dass die Menschenrechte für alle gelten.»

Besonders im Blick hat John-Calame dabei jene frankophonen Länder, in denen die Frauen noch immer unterdrückt und diskriminiert würden. «Insbesondere für die afrikanischen Frauen ist das wichtig.»

Support erhält die Grüne von Kommissionspräsident Carlo Sommaruga (SP, GE). Die frühere SP-Aussenministerin Micheline Calmy-Rey habe stets die geschlechtergerechte Terminologie benützt, erinnert er sich.

Man müsse auch für die Schweiz eine Lösung finden, so Sommaruga. «Kanada zum Beispiel nennt die Menschenrechte ‘Droits de la personne’, da ist auch eine interessante Idee.»

«In der Schule habe ich gelernt, dass ‘homme’ sowohl Mann als auch Mensch bedeutet», wundert sich derweil SVP-Nationalrat Maximilian Reimann (AG) über die Debatte.

Büchel: «Solchen Unsinn habe ich noch nie gehört»

«Ich bin gottenfroh, dass sich die Schweiz nun nicht auf internationalem Parkett der Lächerlichkeit preisgeben muss», freut er sich, dass der Antrag – mit 11 zu 7 Stimmen bei drei Enthaltungen – abgelehnt wurde.

SVP-Aussenpolitiker Roland Rino Büchel (SG) doppelt nach: «Ich habe im Waadtland, in Marseille, in Paris und in französischsprachigen afrikanischen Ländern gearbeitet. Einen solchen Unsinn habe ich selbst von den grössten Hardcore-Feministinnen noch nie gehört.»

Das sei auch logisch, heisse doch selbst der Europäische Menschenrechtsgerichtshof in Strassburg «Tribunal des droits de l’homme». Tausende Wörter hätten zwei und mehr Bedeutungen, meint Büchel. «Das ist halt so und stört Dutzende Millionen Frauen französischer Muttersprache nicht.» 

John-Calame bleibt dran

Für John-Calame ist das Thema aber nicht vom Tisch. Sie will nun in der ständerätlichen Schwesterkommission jemanden finden, der ihren Antrag dort einbringt.

Sagt auch die ständerätliche APK Nein, will John-Calame in der Frühlingssession im Nationalrat selber eine Motion einreichen. Sie macht klar: «Sprache entwickelt sich. Wenn es um ein wichtiges Prinzip geht, muss sich die Sprache anpassen.»

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