Analyse belegt: Korrupte Sportfunktionäre schaden der Schweiz
5. November 2012
Erschienen in: St. Galler Tagblatt, Appenzeller Zeitung, Der Rheintaler, Wiler Zeitung, Toggenburger Tagblatt, div. Regionalzeitungen

www.vimentis.ch/dialog/readarticle/korrupte-sportfunktionaere-bringen-die-schweiz-in-verruf/

Korruption und Spielmanipulation im Sport machen vor der Schweiz nicht halt. Kürzlich kündigte Sportminister Ueli Maurer am traditionellen „Magglingertag“ an, dass der Bundesrat vor Ende Jahr umfangreich zum Thema berichten würde.

Warum befasst sich die Schweizer Politik endlich seriös mit der Sache? Vor zwei Jahren reichte ich die Motion „Korruptionsvorwürfe und Wettkampfmanipulation im Sport“ ein. Sie verlangt einen Bericht über diese Machenschaften. National- und Ständerat folgten dem Geist des Vorstosses einstimmig. Dies im Wissen, dass Doping und Fangewalt bei weitem nicht die einzigen grossen Probleme im Sport sind.

Spielmanipulationen in der Schweiz

Nehmen wir als Beispiel die Spielbetrügereien: Auch der junge Rheintaler Fussballer Mario Bigoni war in einen Wettskandal involviert. Vor einem Jahr wurde die Wasserleiche des einst hoffnungsvollen jungen Mannes aus dem Alten Rhein geborgen. Die Kantonspolizei teilte anfangs November 2011 mit, dass sich die Todesursache trotz intensivster Abklärungen nicht mehr feststellen liesse.

Bigoni war 2009 als Spieler des FC Gossau suspendiert und vom Fussballverband gesperrt worden. Die kroatische Wettmafia hatte, neben vielen anderen, mehrere Spiele des FC Gossau manipuliert. Verschiedene Spieler hatten mitgemacht. Bigoni war nur ein kleiner Fisch in den Fängen grosser Verbrecher. Die weltweit operierenden Wettmafias sind ein Problem, gekaufte Verbandsfunktionäre ein anderes.

Die Korruption in den Verbänden

Schon im Jahr 2010 war ersichtlich, dass das korrupte Verhalten von Fifa-Funktionären dem Ruf unseres Landes schaden würde. Dafür gibt es immer mehr Belege. So hat auch das Aussenministerium die weltweite Medienberichterstattung über die Schweiz untersucht. Die Fakten sind verheerend. Werfen wir dazu einen Blick auf die Analyse über die Monate Juli bis September 2012. Dort steht::

Im Bereich des Sports sorgen vor allem internationale Sportorganisationen für Aufmerksamkeit. Der Korruptionsskandal bei der Fifa stösst auf ein weltweit grosses Medieninteresse.

Der Umstand, dass die Fifa offensichtlich über die Korruptionsaffäre informiert gewesen war und sich gegen die Herausgabe der Gerichtsakten gewehrt habe, führt zu kritischen Kommentaren gegenüber der Fifa und dessen Präsident Joseph Blatter (FAZ: „Fifa über Jahre Selbstbedienungsladen“, Financial Times: „Fifa wusste von Schmiergeldzahlungen an ihren Boss”, Spiegel: „Der Schweizer ist von Vorwürfen umzingelt“, Independent: „Sepp Blatter wird zum Rücktritt als Fifa-Präsident aufgefordert“.)

In der Kritik steht auch die Schweiz selbst, nämlich als Sitz der Fifa. Dabei werden jeweils „günstige“ Steuerbedingungen für Sportorganisationen und die „Sonderregelungen“ genannt (bei Al-Arabiya, auf BBC, in der New York Times, etc.).

Die Analyse zeigt, dass diese Themen x-Mal mehr interessierten als zum Beispiel die Wissenschaft und Technologie, wo sich die Schweiz weltweit in der Spitzengruppe befindet. Neben dem Volumen wurde auch die „Tonalität“ der Berichterstattung ausgewertet. Sie war im Zusammenhang mit den Sportverbänden weit negativer als bei allen anderen Themen.

Schweiz in der Kritik

Die Schweiz steht als Sitz von korrupten Sportverbänden nicht nur in den Medien weltweit in der Kritik. Auch nach Auffassung des Europarats können korrupte Funktionäre in der Schweiz allzu frei schalten und walten. Wegen der Probleme von Fifa & Co. verlangte dieses Parlament in Strassburg vehement ein Einschreiten unserer Regierung: „Autonomie ist für die Interessen des Sports da, nicht für die Interessen von skrupellosen Individuen“, lautete das Fazit nach intensiven Beratungen.

Zwei Tage nach den Verhandlungen über die Fifa droschen die europäischen Parlamentarier massiv auf die „Steueroase Schweiz“ ein. Vor allem in Deutschland wird unser Land seither mit dem Begriff „Blatter-und-Banken-Schweiz“ schlecht gemacht.

Auch wenn die Kritik teils politisch motiviert ist - unrichtig ist sie nicht. Die korrupten Funktionäre schaden dem Ruf unseres Landes. Das kann niemand wegzudiskutieren.

Nun ist der offizielle „Korruptionsbericht“ fertig gestellt. Er ist rund 70 Seiten dick und wird noch im November im Bundesrat behandelt. Danach wird das Papier veröffentlicht. Spätestens dann muss und wird allen klar sein: Korrupte Sportfunktionäre haben in diesem Land den letzten Zwick an der Geissel.

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