Schwielen und Blattern oder Schmieren und Blatter - was prägt das Image des Schweizer Sports?
25. Juli 2012
Erschienen in: Der Rheintaler, Rheintalische Volkszeitung

Was prägt das Image des Schweizer Sports? Sind es korrupte und überbezahlte Sportfunktionäre in den internationalen Grossverbänden? Oder ist es das weltweit einmalige Vereinswesen mit der unbezahlbaren Freiwilligenarbeit, die bie uns eine einmalige Traditon hat?

 Schwielen und Blattern im Sport

In diesen Tagen hat der Sport aus Rheintaler Sicht für positive Schlagzeilen gesorgt. Nehmen wir, als Beispiele, die Mountainbike-Schweizermeisterschaften in Balgach und das 49. Rebsteiner Pokalturnier. Beide Anlässe sind mit grossem Einsatz auf die Beine gestellt worden.

Beim Planen, beim Aufbau, bei der Durchführung und auch beim Abbau der Infrastruktur werden die ehrenamtlichen Helfer an solchen Veranstaltungen vielfach zu verschworenen Teams. Natürlich kommt es an den Händen des einen oder andern zu Schwielen und Blattern.

Leider sind „Schmieren und Blatter“ anstatt „Schwielen und Blattern“ die Schlagzeilen, welche der Sport aktuell aus der Schweiz heraus macht. Die Zeitungen berichten seitenweise. „Die Fifa versinkt im Korruptions- und Skandalstrudel – und droht nun auch die Schweiz mitzureissen“, heisst es gar in der Sonntagszeitung.

Gibt es eine Banken-und-Blatter-Schweiz?

Deutsche Politiker vermischen die „Affäre um den Schweizer Fifa-Präsidenten Blatter“ gezielt mit dem Steuerstreit und kursierenden Bankkunden-CDs. Zusammen mit den Medien prägen sie den Begriff von der „Banken-und-Blatter-Schweiz“.

Worum geht es in der neu aufgerollten Korruptionsgeschichte eigentlich? Entscheidungsträger des internationalen Sports sackten mindestens 142 Millionen Franken Schmiergeld ein. Neben Fifa-Oberen befinden sich auch Funktionäre des Internationalen Olympischen Komitees IOK auf der Empfängerliste.

Das IOK ist ein Konzern, der jährlich mehr als eine Milliarde Franken einnimmt. Der Weltfussballverband Fifa ebenfalls, genauso wie der Europäische Fussballverband Uefa. Sie haben alle ihren Sitz in der Schweiz und den gleichen rechtlichen Status wie ein Fünftliga-Fussballclub oder ein Chüngelizüchter-Verein. Mit dem Unterschied, dass sie ein paar hundert Millionen Franken mehr Bares in der Vereinskasse haben. Bei der Fifa sind es rund 1.3 Milliarden Franken.

Deutsche Politiker geisseln das „Fifa-Land Schweiz“

Eine Delegation vom Sportausschuss des Deutschen Bundestages kommt bald hochoffiziell zu uns, um „das Fifa-Land Schweiz zu geisseln“. Die Mitglieder kritisieren die Schweiz als „Dreh- und Angelpunkt der Sportpolitik“. Auch unseriöse Politpopulisten und Lautsprecher sehen die Zeit gekommen, der Schweiz in amtlicher und förmlicher Mission „ins Gewissen zu reden“.

In einem Punkt haben die Deutschen durchaus Recht: mit „Schmieren und Blatter“ darf es so nicht weitergehen. Nur, das Problem ist bei uns seit zwei Jahren erkannt – und es wird gehandelt.

Trotzdem ist es grundsätzlich notwendig, dem einen oder andern Politiker klar zu machen, dass unser Sport von Vereinen und Veranstaltern getragen wird – und nicht von ein paar abgehobenen Funktionären.

Bei den „Schwielen und Blattern“, also der weltweit einmaligen Bereitschaft zur Freiwilligenarbeit in den mehr als 100‘000 Schweizer Vereinen, benötigen wir keine Lektionen. Es braucht schlicht keinen deutschen Eingriff in unser gut funktionierendes Vereinswesen.

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