Nationalrat Büchel: Harte Kritik an Olympia-Deal von Sportrechte-Agentur und Swiss Olympic
12. Februar 2012
Erschienen in: SonntagsZeitung

Medienhaus an der Vermarktung der Bündner Kandidatur beteiligt

Von Pascal Tischhauser

BERN Swiss Olympic hat sich mit Infront Ringier als Vermarkterin der Olympia-Bewerbung Graubündens für 2022 Probleme ins Haus geholt. Die Agentur gehört, wie ihr Name verrät, zur Hälfte dem Schweizer Medienkonzern Ringier. Für Kritiker wie SVP-Nationalrat Felix Müri ist es heikel, wenn mit öffentlichen Geldern ein grosses Medienunternehmen engagiert wird und so womöglich die journalistische Unabhängigkeit auf der Strecke bleibt.

Selbst Swiss Olympic war es bei den Vertragsverhandlungen wegen dieser Frage nicht ganz wohl: Laut Sprecher Christof Kaufmann hat Swiss Olymic seine Bedenken vor Vertragsabschluss thematisiert, sich aber mit dem Verweis auf den Code of Conduct von Ringier zufrieden gegeben. Dieser stelle die Unabhängigkeit der Redaktionen sicher, erklärt Ringier-Sprecher Edi Estermann gegenüber der SonntagsZeitung.

Infront-Mitarbeiter ist auch Projektleiter der Kandidatur

Die Infront Ringier amtet bei der Olympia-Kandidatur nicht nur als Vermarkterin von Sponsorenpaketen, die Agentur tritt gleichzeitig auch als Beraterin von Swiss Olymic auf: Der Infront-Ringier-Mitarbeiter Sven C. Zehnder, der einst bei der Sportrechtevermarkterin ISL gearbeitet hat, war
bis zur Gründung des Vereins «Olympische Winterspiele Graubünden» Ende 2011 Projektleiter für die Olympia-Kandidatur, seither ist er Generalsekretär des Vereins. Zehnder war auf Vermittlung von Infront zu Swiss Olympic gestossen, weil der vorherige Projektleiter sein Amt aufgegeben hatte. Swiss-Olympic-CEO Sutter war noch in der Probezeit gegangen.

Infront-Sprecher Jörg Polzer beruft sich nicht auf die ausserordentliche Situation, die zum Doppelmandat geführt habe, sondern meint, solch parallele Beratungs- und Vermarktungsprojekte führe Infront seit Jahren.

Der Vermarktungsvertrag mit Infront Ringier läuft laut Swiss Olympic «bis zum Ende des Kandidaturprozesses». Auf Nachfrage räumt Sprecher Kaufmann ein, dass Infront «im Rahmen des Vermarktungsvertrags ein Erstverhandlungs-Recht» besitze. Sollte die Schweiz also vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) den Zuschlag für die Winterspiele erhalten, hätte Infront Ringier gute Chancen auf die Vermarktung der Spiele und damit auf das grosse Geld. Allein die Olympia-Kandidatur kostet laut Swiss Olympic 36 Millionen Franken. Diese Summe soll zu zwei Dritteln vom Bund und von Graubünden sowie von St. Moritz und Davos getragen werden. Für die restlichen 12 Millionen sucht Infront Ringier derzeit Sponsoren.

SVP-Politiker Büchel hält die Zusammenarbeit für «riskant»

Welche finanzielle Gegenleistung die Agentur hierfür und für die Beratung erhält, darüber schweigen die Vertragspartner. Wie sich die Gesamtkosten zusammensetzen, verrät Swiss Olympic auch nicht. Das detaillierte Budget werde derzeit zuhanden des ausserordentlichen Sportparlamentes vom 24. Mai 2012 ausgearbeitet.

Als Swiss-Olympic-Exekutivrat hält SVP-Nationalrat Jürg Stahl die Verpflichtung von Infront Ringier für «problemlos»; für Parteikollege Roland Büchel hingegen ist das Engagement «riskant»: Er frage sich, ob man mit einer Agentur zusammenspannen solle, die auch Rechte innehabe, die einst der zusammengebrochenen Sportmarketingfirma ISL gehörten. Dies vor dem Hintergrund, dass Volk und Parlament bald über Millionenkredite abstimmen.

Schliesslich operiere «Infront Ringier aus denselben Zuger Büros heraus wie die ISL, die mindestens zwei aktuelle IOC-Mitglieder bestochen hat».

Publiziert am 12.02.2012

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