Büchel-Kolumne im LEADER: Die offene Schweiz
26. April 2011
Erschienen in: Unternehmermagazin LEADER, Ausgabe April 2011

LEADER: Die offene Schweiz

Zurückgezogen, eingeigelt, verschlossen? Wer den Internationalisten zuhört, könnte meinen, wir Schweizer seien die schlimmsten Hinterwäldler überhaupt. Doch solcherlei Behauptungen haben weder Hand noch Fuss.

Wo sonst ist die Wirtschaft international so verflochten? Wo sonst ist fast jeder vierte Bewohner ein Ausländer? Wo sonst werden Einwanderer in derart grosser Zahl eingebürgert? Wo sonst haben talentierte und fleissige Immigranten fast unbegrenzte Möglichkeiten, in der Gesellschaft innert kürzester Zeit aufzusteigen? Wo sonst können Zuwanderer, kaum einmal im Land, von einem derart dichten sozialen Netz profitieren?   

Und doch hält sich hartnäckig die seltsame Idee, dass die Eidgenossenschaft eine verschlossene Gemeinschaft sei. Der Grund ist eine einseitig europäische Perspektive: Unser Land hat sich nicht formell in die künstliche Konstruktion EU integriert.

Erfolgsformel Eigenständigkeit

Ist das ein Unglück? Nein. Eigenständigkeit ist die Erfolgsformel für selbstbewusste mittelgrosse Staaten wie Norwegen, Australien, Südkorea, Taiwan. Machen wir uns nichts vor: Auch die Erfolgreichen haben ihre Probleme. Zum Beispiel mit der Überalterung der Gesellschaft. Trotzdem gelingt es diesen Ländern, ihre Budgets im Lot zu halten.

Gerade bei den Finanzen macht der Moloch EU die unsinnigsten Fehler. Grenzenlose Umverteilung lautet offenbar seine Devise. Mit unfassbaren Staatsdefiziten als Folge. Selbstverantwortung ist nicht das europäische Modell. Die Gleichmacherei kennt keine Limiten: Wer für sich selber schaut, macht sich faktisch zum Idioten.

Der Euro hat eine unmögliche Ausgangslage. Denn er ist eine Währung ohne Staat; die Mitglieder sind Staaten ohne Währung. Die Krise mit den gigantischen Umschuldungsübungen ist eine Folge dieser Heimatlosigkeit. Wer früher vor den heutigen Problemen warnte, galt als Pessimist, gar als Ewiggestriger. Noch heute schielen etliche Träumer wehmütig Richtung Brüssel. Haufenweise Apparatchiks tun es mit Gier und aus Eigeninteresse.

Föderalismus als Trumpf

Was haben wir im Gegensatz zum Gros der EU-Staaten zu bieten? Erstens eine solide eigene Währung. Zweitens den Föderalismus mit einem funktionierenden Steuerwettbewerb. Drittens gut gebildete, motivierte Einwohner, die keine überflüssigen Titel spazieren führen. Sondern in der Schule ausgebildet und zu Hause erzogen wurden, um der Gesellschaft von Nutzen zu sein. Viertens – und last but not least – Volksabstimmungen, die abgehobene Politiker auf den Boden zurückholen.

Ich bin erstaunt, wie locker Funktionäre und Politiker diese Vorteile aufs Spiel setzen. Nur um persönlich gut dazustehen und in europhilen Kreisen nicht als „Hillbilly“, „Provinciano“ oder „Hinterwäldler“ zu gelten.

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 © Roland Rino Büchel Realisiert durch RightSight.ch