Büchel-Kolumne im LEADER: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt
23. Oktober 2009
Erschienen in: Unternehmermagazin LEADER

Büchel-Kolumne im LEADER: Erstens kommt es anders und zweites als man denkt...

Eigentlich war es ein ganz normaler Freitag im Oktober. Trotzdem ging er in die Geschichte ein. Denn der amerikanische Ankündigungspräsident Barack Obama hatte überraschenderweise (wirklich?) den Friedensnobelpreis erhalten. Offenbar genügen dafür neun Monate guten Redens und guter Reden. Auch in unserem bescheidenen Alltag kamen an jenem Freitag die Dinge anders als gedacht. Um solche Überraschungen geht es heute. 

Über Mittag drehte ich eine Runde mit dem Velo. Eineinhalb Stunden frische Luft; meine Gedanken schweiften um den Nobelpreis, jedoch nicht den von Obama. „Das Leben ist ein Furz in der Laterne“. Dafür und für ähnlich Poesievolles hatte eine Deutsche am Vortag zehn Millionen schwedische Kronen abgeräumt.

Ruhm, Ehre und anderthalb Millionen Franken. Wofür? Herta Müller hatte es gemäss Originalton der Preisverleiher geschafft „mittels Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit zu zeichnen“. Für den Literaturnobelpreis mussten Hemingway & Co. weiland etwas bieten. Heute genügt es offensichtlich, mittels literarischer Lüftchen ein bisschen Wind zu machen.

Was „ein Furz in der Laterne“ ist, interessierte mich auf dem Rheindamm nicht. Ich gab tretend Gas. Bis mich auf der Höhe von Sevelen eine Touristin stoppte. Ich dachte, dass sie sich für den Weg nach Vaduz interessieren würde. Dem war zwar so. Doch nicht nur. Denn erstens kommt es anders und zweitens...

Der überwachte Bürger 

Die Frau polterte drauflos: „Wir stehen hier an der Schengen-Aussengrenze. Die EU verlangt, dass jeder einzelne Grenzübertritt festgehalten wird. Schweizer Polizisten und Grenzwächter spielen die Erfüllungsgehilfen für den Kontrollapparat der Union!“ Übrigens sei sie Professorin für Geschichte und stamme aus dem Osten Deutschlands, der ehemaligen DDR. Sie wisse also sehr wohl, was sie sage. 

„Hier findet ein obrigkeitliches Ausspionieren der Bürger statt“, donnerte sie weiter. Es sei unglaublich, dass die EU (vor allem die Deutschen) ihre Schnüffeleien jetzt sogar auf Nichtmitgliedsstaaten ausgedehnt habe. 

Leider liegt die Professorin nicht daneben. Jeder einzelne Grenzübertritt zwischen der Schweiz und dem Fürstentum wird mit High-Tech-Kameras gefilmt. Anstatt Wichtigeres zu tun, sehen unsere Grenzwächter und Polizisten auf Geheiss der EU fern, jeden Tag und jede Nacht. Ende letzten Jahres kam der ultimativen EU-Befehl auf lückenlose Überwachung. Bis dahin war die schweizerisch-liechtensteinische Grenze während 84 Jahren nicht kontrolliert worden. Probleme gab es keine. 

Schweizer Politiker halten Deutsche in Schach 

Am Abend machte ich mich auf sportliche Prügel gefasst. Die Affiche in Magglingen lautete: FC Nationalrat - FC Deutscher Bundestag. Es war absehbar, dass die alemannische Kavallerie unseren Indianertrupp auf dem Sportplatz End der Welt überrennen würde. Doch erstens kommt es anders... 

Die Geschichte des Spiels? Überlegene Schweizer, zwei gute Torhüter, null zu null am Schluss. Es gibt sie also noch, die eidgenössischen Politiker, welche sich einer nominellen Übermacht stellen und erfolgreich dagegen halten. Zumindest auf dem grünen (Kunst-)Rasen. 

Spannend war die „dritte Halbzeit“. Ging es am Mittag noch um bewachte Betonbrücken, so war am Abend ein allzu wohlbehüteter Steinbrück das Thema. „Kanzlerin Merkel wird den cholerischen Peer bald schon in die EU wegbefördern. Der Mann hat die Schweiz auf dem Kieker. Von Brüssel aus wird er Euch so grob und rücksichtslos schikanieren, wie er es als Bundesfinanzminister nie tun konnte“, orakelte ein prominenter Bundestagsabgeordneter. 

Da bleibt uns nur eine Hoffnung. Welche? Erstens, dass es anders kommt und zweitens als er denkt. 

 

Der 44-jährige Roland Rino Büchel schreibt regelmässig für den LEADER. Er ist seit fünfeinhalb Jahren Kantonsrat für die SVP St. Gallen. Nach Jasmin Hutters Rücktritt wird er für die werdende Mutter in den Nationalrat nachrücken. (www.rolandbuechel.ch)

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