Aprilscherz vom FC St. Gallen?
4. April 2009
Erschienen in: Rheintalische Volkszeitung, Der Rheintaler

Aprilscherz vom FC St. Gallen?Der 1. April ist der Tag der Scherze. Manchmal sind sie lustig, manchmal weniger. Wie uns die Zeitungen am Mittwoch in den April schickten, war ziemlich gut. Der FC St. Gallen brachte seinen vermeintlichen Witz mit einem Tag Verspätung. Der Gag nennt sich „Reduzierte Saisonabos“ für die restlichen fünf Heimspiele in der „Dosenbach Challenge League“. Für Nichtfussballfans: Das ist die Liga für jene Klubs, welche in der obersten Schweizer Fussballiga sportlich den Schuh bekommen haben.

400 Franken für fünf Nationalliga-B-Spiele

Die (zu) vielen Chefs des FC St. Gallen scherzen nicht. Sie meinen es ernst mit ihrer Offerte vom 2. April 2009. Beurteilen Sie das Angebot selbst: Bis Ende Mai kommen noch die Mittelfeld- und Schwanzklubs Thun, Gossau, Lausanne-Sport, Winterthur und Schaffhausen. Was kosten die Tickets für ganz normale Plätze auf der Piatti-Tribüne mit dem Rücken zur Autobahn? Sündhaft teure 400 Franken pro Person, wenn Sie halbwegs in der Mitte sitzen wollen oder 333 Franken für einen Platz auf der Seite.

Das ist schlicht unanständig. Zum Preis des „günstigeren“ der beiden Fünf-Spiele-Abos gibt es eine ganze Saison lang Bundesliga-Spitzenfussball. Von einem Top-Platz in der Münchner AllianzArena aus. Auf dem Rasen zaubern, neben vielen anderen, die Weltklassekicker Ribéry, Klose und Luca Toni vom FC Bayern.

200 Franken für eine Saison AC Milan

Haben Sie im Moment keine Lust auf deutsche Teams? Für 200 Franken schaut man im Mailänder Stadio Giuseppe Meazza sämtliche 19 Heimspiele von Milan AC. Das ist der 17-fache italienische Meister und siebenfache Gewinner der UEFA Champions League. Zusammen mit weiteren 82'994 Personen können Sie die einmalige Stimmung rund um die Topstars Beckham, Kaka, Ronaldinho & Co. geniessen. Von gedeckten Sitzplätzen aus, selbstverständlich.

Um es klar zu sagen: Mein Herz schlägt für die Grünweissen. Schon vor vierzig Jahren durfte ich als kleiner Bub mit meinem Vater ins Espenmoos. Doch was sich die St. Galler Bosse jetzt erlauben, treibt auch treueste Fans aus dem neuen Stadion.

Das hat auch eine positive Seite. Dadurch werde ich mir in diesem Frühling vermehrt Spiele in der Region anschauen. Zu FC Widnau – FC Au-Berneck 05, FC Rüthi – FC Altstätten und FC Rebstein – FC Montlingen kann ich mit dem Velo fahren.

Wer wirklichen Profi-Fussball sehen will, ist mit dem Auto nach zwei Stunden in München oder in gut drei Stunden in Mailand. Beckenbauer und Berlusconi, die mächtigen Präsidenten der dortigen Topklubs, mögen ihre Fehler haben. Anders als die St. Galler Oberindianer verlangen sie jedoch keine Wucherpreise für die Tickets und verscherzen es nicht mit den zahlenden Fans.

Roland Rino Büchel, Kantonsrat SVP, Oberriet

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