Interview mit Roland Rino Büchel zu geschmierten Millionen im Sport
23. Februar 2009
Erschienen in: ostnews.ch





Das komplette Interview:

FIFA: Korruptionsfall wird untersucht

Gemäss Transparency International Schweiz handelt es sich um den grössten Schmiergeldskandal aller Zeiten. Involviert sind der Internationale Fussballverband FIFA unter Präsident Sepp Blatter und Sportfunktionäre auf der ganzen Welt.

Darum steigt die Nervosität im FIFA-Palast. Ein sichtbares Beispiel: Ab sofort ist der angesehene britische Lord und Präsident der Olympischen Spiele von 2012, Sebastian Coe, nicht mehr Chef des FIFA-Ethik-Komitees.

Die Mühlen der Schweizer Justiz mahlen jedoch weiter. Und der Strafprozess im Zusammenhang mit dem zweitgrössten Schweizer Konkursfall aller Zeiten wird in eine zweite Runde gehen. Im Zusammenhang mit dem „Schmiergeld-Imperium“ ISL/ISMM spielte neben der FIFA ein erster Konkursverwalter eine obskure Rolle. Seinen Stuhl musste er per Gerichtsentscheid räumen. Alt-Bundesrichter Prof. Dr. Karl Spühler setzt auch ein öffentliches Fragezeichen hinter die fachliche Kompetenz seines Nachfolgers.

Roland Rino Büchel, St. Galler Kantonsrat und erster Ersatz für den Nationalrat, arbeitete anfangs dieses Jahrzehnts als Account Director bei der weltgrössten Sportmarketingagentur ISL/ISMM. Ihm steht aus dem Konkurs immer noch Geld zu. Daneben gibt es Hunderte weiterer Gläubiger, die seit bald acht Jahren auf ihr Geld warten. Auch die angeschlagene UBS steckt in dieser explosiven Story drin: Sie hatte das „Schmiergeld-Imperium“ mit Krediten in dreistelliger Millionenhöhe finanziert.

Der Politiker und Sportexperte spricht im grossen Interview exklusiv für ostnews.ch Klartext.


Herr Büchel, Sie äussern Ihre Kritik am Konkursverfahren in der linken Wochenzeitung WOZ. Ist das nicht ungewöhnlich für einen SVP-Politiker?

Warum auch? Wenn ich angefragt werde, gebe ich Auskunft. Berührungsängste habe ich nicht. Noch weniger, wenn jemand sauber recherchiert und klare Fragen stellt. Weshalb hätte ich Carlos Hanimann von der WOZ keine Auskunft über die ungenügende Buchprüfung und Konkursabwicklung bei der ISL/ISMM geben sollen?

Sie arbeiteten für die ISL-Gruppe und waren für das Marketing von sportlichen Grossanlässen auf der ganzen Welt zuständig.

Ja. Ein Beispiel: In der letzten Phase vor dem Ende war ich geschäftlich während Wochen in Argentinien, Trinidad & Tobago und Guatemala unterwegs. Ich war in jenen Ländern für die Fussball-Junioren-WM der FIFA und die Hallenfussball-WM (Futsal) verantwortlich.

Merkten Sie damals nicht, was gleichzeitig in den Zuger Büros abging?

Mit meinem Team arbeitete ich beinahe Tag und Nacht. Der Druck war enorm. Es ging darum, die Sponsoren bei der Stange zu halten und wenigstens „meine“ Turniere zu retten. Tausende von Menschen hatten dafür gearbeitet. Hunderttausende freuten sich auf den Besuch in einem der Stadien.

Die Events hatten also eine enorme Bedeutung für die durchführenden Länder?

Nicht nur. Dutzende Millionen Menschen warteten überall auf der Welt auf die TV-Übertragungen. In jener Zeit konnte ich mich nicht auch noch um die Geschäftsleitungsmitglieder der ISL kümmern. Deren Tun war mir egal.

War diese Einstellung nicht unvernünftig und blauäugig?

Aus der damaligen Perspektive betrachtet – nein. Die Geschäftsleitung war in den letzten Monaten faktisch „kastriert“. Das Sagen hatte ein Sachwalter von der eigentlich angesehenen Ernst & Young. Es gab zu jener Zeit keinen Grund, Thomas Bauer und seinen Mitarbeitern nicht über den Weg zu trauen.

Hat das geändert?

Seit dem Konkurs sind bald acht Jahre vergangen. Wie Hunderte Personen und Firmen warte ich noch immer auf mein Geld. Die endgültige Konkursdividende wird für die normalen Gläubiger ein paar mickrige Prozente von dem betragen, was sie zu gut haben.

Wie viel Geld steht denn den Gläubigern insgesamt zu?

Kurz vor Weihnachten hatte ich an der Zürcher Goldküste Einsicht in die Akten. Wenn ich richtig gezählt habe, bin ich einer von 436 Gläubigern der ISL. Diese haben zusammen Hunderte Millionen Franken zu gut. Bei mir sind es noch ein paar Zehntausend.

Warum liegen die Akten einer Zuger Firmengruppe an der Züricher Goldküste?

Dieser Fall wird nicht von den ordentlichen Zuger Konkursbeamten behandelt. Der zuständige Rechtsanwalt Karl Wüthrich (Wenger Plattner Anwälte) hat seine Büros in Küsnacht ZH. Die ISL/ISMM-Akten lagen vorher jahrelang in Basel und sonst irgendwo bei der Firma Ernst & Young und Thomas Bauer.

Ist es sinnvoll, wenn sich die gleiche Person in den Monaten vor dem Konkurs als Sachwalter um die Geschäfte der ISL/ISMM kümmert und nach der Pleite den Konkursfall abwickelt?

Nein, denn es kommt zwangsläufig zu Interessenkonflikten. Doch das Amt eines „ausseramtlichen Konkursverwalters“ ist ein lukrativer Job für Buchhalter und Juristen. So war das Honorar von Herrn Bauer (Ernst & Young) pro Stunde etwa doppelt so hoch wie das von einem St. Galler Kantonsrat an einem ganzen Tag!

Karl Wüthrich, sein Nachfolger, habe als Konkursverwalter der Swissair für seine Anwaltskanzlei ein Honorar von mehr als 50 Millionen Franken eingestrichen, berichten Tagesanzeiger und NZZ.

Das mit dem Honorar wird wohl stimmen, hat aber mit diesem Fall nichts zu tun.

Sie selbst haben aus der ISL-Pleite Geld zu gut. Wie äussern sich die neutralen Kenner der Materie zum Konkursverwalter?

Viele gehen noch weiter als ich. Im Saal des Zuger Strafgerichts gab ein Anwalt wörtlich zu Protokoll: „Ein Wunder, dass der Konkursverwalter nicht der Gehilfenschaft zu betrügerischem Konkurs angeklagt wird!“ Der Anwalt meinte damit den abgesetzten Thomas Bauer, nicht den aktuell amtierenden Karl Wüthrich.

Das sind happige Vorwürfe. Was sagen Sie dazu?

Fakt ist, dass Bauer in die Wüste geschickt wurde. Heute ist er bei seiner Firma Ansprechpartner zum Thema – lachen Sie jetzt bitte nicht – „Schulung im Bereich Geldwäschereiregulierung“. Ich weiss nicht, wem der Mann welche Lektionen erteilen darf.

Die öffentlich geäusserte Kritik richtet sich in erster Linie gegen sein Verhalten im Fall ISL.

Das ist so. Ich kenne die Details natürlich nicht so gut wie die Untersuchungsbehörden, Richter und Anwälte, die sich seit Jahren mit dem ISL/ISMM-Skandal beschäftigen. Aber ich kenne das Geschäft. Und ich weiss, wie Sportfunktionäre „funktionieren“. Darum ist klar: Der Konkursverwalter hätte für die Gläubiger viel mehr herausholen müssen.

Die Berliner Zeitung schrieb schon am 3. Dezember 2005, dass Bauer von etwa 20 wichtigen internationalen Sportfunktionären Bestechungsgelder zurückgefordert hatte. Es kam zu einem Vergleich. Dieser bestand darin, dass Peter Nobel, einer von Sepp Blatters persönlichen Anwälten, 2,5 Millionen Franken an die Konkursmasse überwies. Das ist doch eine schöne Stange Geld?

Nein. Das war ein finanziell himmeltrauriger Deal für die Gläubiger. Daneben zog Bauer auch die Klagen gegen jene Personen zurück, welche „direkt oder indirekt“ mit dem Fussballgeschäft verbunden sind. Die Untersuchungen zu diesem „Korruptionsverdunkelungsvertrag“ sind am Laufen. Der Prozess steht an.

Heute ist definitiv erwiesen, dass Funktionäre über ein gutes Jahrzehnt mit mindestens 138 Millionen Franken geschmiert worden waren. Dies besagt ein 179-seitiges Zuger Gerichtsurteil vom 6. November 2008.

Das ist noch nicht alles. Die ISL/ISMM zog diese Summe als so genannte „Rechte-Erwerbskosten“ sogar von den Steuern ab. Der Gipfel: Die Revisionsgesellschaft KPMG und die eidgenössische Steuerverwaltung gaben ihren Segen dazu.

Macht man eine einfache „Milchbüechli-Rechnung“, so fehlen 135.5 Millionen Franken in der Konkursmasse.

Ja. 18 Millionen davon waren noch kurz vor Torschluss geschmiert und verpulvert worden.

Wäre die ISL/ISMM auch Konkurs gegangen, wenn all die erwähnten Millionen im Mai 2001 noch in den Kassen des Sportvermarkters gelegen wären?

Ganz sicher nicht.

Bei all Ihrer Kritik. Niemand kann einen Konkurs rückgängig machen.

Einverstanden. Doch der Liquidator hat alles dafür zu tun, dass die Gläubiger möglichst wenig Geld verlieren.

Internationale Journalisten haben vor dem Zuger Gerichtsgebäude gesagt, dass sich nirgendwo auf der Welt ein nicht amtlicher „Feld-Wald-und-Wiesen-Liquidator“ um einen derart grossen Fall kümmern würde.

Solche Begriffe können in der Hitze des Gefechts fallen. Es liegt in der Natur der Sache, dass ein hiesiger Administrator Mühe hat, wenn er in Südamerika, Afrika, Asien oder der Karibik Geld eintreiben muss.

Was ist dort anders?

Ganz sicher die Sitten und Gebräuche. Dann natürlich auch die Sprache. Zudem hat man es mit gar manchem Gauner in Funktionärsuniform zu tun.

Liegt bei derart komplexen Fällen für die Gläubiger wirklich etwas drin?

Wer ernsthaft etwas holen will, muss einen knallharten Tarif anwenden, gewaltig Gas geben und eine geschickte Öffentlichkeitsarbeit betreiben. Dazu fehlt den Administratoren jedoch der Anreiz.

Warum?

Je länger ein Konkursverwalter an Unwichtigem herumdoktert, desto mehr streicht er für sich persönlich ein. Er kann jede Minute Arbeit aufschreiben. Die siebenstelligen Rechnungen bezahlen die ohnehin schon gebeutelten Gläubiger.

Die Welt schlittert in eine Rezession – mit vermehrten Konkursen als Folge. Es könnte auch grosse Schweizer Firmen treffen.

Im Januar 2009 gab es in der Schweiz 375 Firmenpleiten. Ein Dutzend jeden Tag. So viele wie noch nie. Bis Ende Jahr werden es 5'000 sein, sagen die Experten. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es zum nächsten Milliardenkonkurs kommt. Auch deshalb gibt es für mich drei wichtige Lehren aus dem Fall ISL/ISMM.

Erstens?

Die Kontrollstellen sind in die Pflicht zu nehmen. Es darf nicht mehr vorkommen, dass eine Firma mit dem Segen der externen Kontrolleure heute als gesund dargestellt wird und ein paar Monate später mit Milliarden in der Kreide stehen soll.

Zweitens?

Es darf künftig nie mehr acht Jahre dauern, bis die Gläubiger ihr Geld sehen, wenn es ein Unternehmen „gelupft" hat.

Und drittens?

Nur die besten Leute dürfen für die Abwicklung komplexer Grosskonkurse in Frage kommen. In der Sportlersprache würde ich es so sagen: Die Zeit der überbezahlten Amateure ist vorbei. Das sage ich als Bürger und als Politiker.

Warum sind Sie dermassen bestimmt?

Weil es gerade in diesen schwierigen Zeiten um das lebensnotwendige Vertrauen in die Wirtschaft geht.

Mehr, als wenn der Konjunkturmotor rund läuft?

Wenn es während einem wirtschaftlichen Abschwung zu Grosskonkursen kommt, kann das schnell zu einem Kaskadeneffekt führen. Am Anfang der Misere mögen manchmal Gauner und schlechte Manager stehen. Oder unfähige Buchprüfer.

Und in der Folge?

Wenn der Bankrott einmal Tatsache ist, darf es künftig für überforderte Konkursverwalter keinen Platz mehr geben. Sonst verbleiben am Schluss zu viele normale und unschuldige Menschen, welche die angerichtete Suppe direkt oder indirekt auslöffeln müssen.

Sie sagen, dass Unbeteiligte auch dann zu Schaden kommen, wenn sie nicht Gläubiger sind und deswegen nicht direkt Geld verlieren?

Genau. Wenn Arbeitgeber in solchen Fällen erst nach Jahren oder gar nicht zu ihrem Geld kommen, können sie die Löhne ihrer Arbeitnehmer nicht mehr bezahlen. Diese verlieren dann ihren Job. So einfach ist das. Wegen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise ist jedem bewusst, dass solche Dinge zusammenhängen. Da bin ich mit den Leuten aus dem linken politischen Spektrum einverstanden.

Auch Bankenkonkurse sind nicht mehr auszuschliessen.

Wenn der allfällige Konkurs einer Grossbank oder einer grossen Versicherung ähnlich verwaltet wird wie derjenige der ISL/ISMM, treibt dies unzählige Menschen in den Ruin. Zudem könnten wir den Staatsbankrott gleich mit anmelden. Nochmals: Was bei der ISL/ISMM seit dem Konkurs abläuft, darf in diesem Land nie mehr passieren.

Was in der Innerschweiz vor dem Bankrott ablief, war offenbar auch nicht koscher.

So ist es. Das Geschäftsgebaren der ISL/ISMM war kein Ruhmesblatt in der schweizerischen Unternehmensgeschichte.

Denken Sie, dass sich die Zeitungen wegen der Rezession nochmals intensiv mit der ISL/ISMM befassen? Oder doch eher, weil der kommende Prozess, eingeleitet durch eine überfallartige Hausdurchsuchung bei der FIFA und in Sepp Blatters Büro, einfach „sexy“ ist?

Es ist logisch, dass sich auch Journalisten um den Konkursfall ISL/ISMM kümmern, die sich sonst nicht mit dem Sport befassen. Schliesslich handelt es sich um einen Wirtschafts-Skandal sondergleichen. Dass die Geschichte auch noch mit prominenten Namen und einer filmreifen polizeilichen Attacke auf den FIFA-Hauptsitz gewürzt ist, macht das Ganze einfach ein bisschen interessanter.

Wegen der Weltwirtschaftskrise befassen sich die Medien neu auch mit den Kontrollorganen, welche über die Unternehmen wachen sollten.

Das ist gut so. Jahrelang kam ich mir zu dieser Thematik vor wie ein einsamer Rufer in der Wüste. Heute spricht die ganze Schweiz über die katastrophale Rolle der Finanzmarktaufsicht Finma im Zusammenhang mit den USA-Problemen der UBS. Am letzten Freitag musste sogar das Bundesverwaltungsgericht mittels „superprovisorischer Verfügung“ zum Rechten schauen. Seither gibt es in dieser Sache ein Dutzend solcher Verfügungen. All das, weil die offiziellen Kontrollorgane jämmerlich versagt haben!

Zurück zum Sport: Jetzt ist es auch beim Internationalen Handballverband IHF zum Eklat gekommen. Ist das ein Fall wie bei Präsident Blatter, der FIFA und der ISL?

Der Geschäftsführer des Welthandballverbandes ist in die Offensive gegangen. Der Frontalangriff des Schweizers richtet sich gegen den ägyptischen Präsidenten und den spanischen Finanzchef der IHF. Es laufen staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wegen „ungetreuer Geschäftsbesorgung“.

Was ist anders als bei der Fifa-Geschichte?

Der Hauptunterschied: Wer kennt schon die Handballfunktionäre Peter Mühlematter, Hassan Moustafa oder Miguel Roca? Der Handball-Generalsekretär will seine kompletten Vorwürfe gegen seinen Präsidenten erst im kommenden Juni in Ägypten präsentieren.

Generalsekretär vs. Präsident. Auch das kennt man bei der FIFA?

Als das bei der FIFA ablief, musste der angreifende Generalsekretär Zen-Ruffinen den Hut nehmen, nicht der attackierte Präsident Blatter. Gut möglich, dass es beim Handballverband gleich herauskommt.

Es geht wohl auch um weniger Geld als im Fussball. Hatte das „Schmiergeldimperium ISL/ISMM“ auch im Handball mitgewirkt?

Nein, die  ISL/ISMM war nie direkt ins Handballgeschäft involviert. Dort werden zu kleine Brötchen gebacken. Die Pleiteagentur ISL/ISMM tummelte sich auf den ganz grossen Spielfeldern des internationalen Sports: FIFA, UEFA, IOC, Leichtathletik und Männertennis. Dort geht es um Macht und Milliarden, nicht in den Randsportarten.

Trotzdem ist offenbar auch im Handball einiges nicht sauber.

Falls es stimmt, dass IHF-Präsident Hassan Moustafa Geld abgezweigt hat, so gibt es einen grundsätzlichen Unterschied zum jetzigen FIFA-Präsidenten: Sepp Blatter selbst lässt sich nicht schmieren. Davon bin ich weiterhin überzeugt. Das habe ich schon mehrmals öffentlich gesagt.

Ist das bewiesen? Die Liste mit den gekauften Fussballfunktionären ist bis heute weder von der eidgenössischen Steuerverwaltung noch vom Zuger Strafgericht öffentlich gemacht worden.

Und auch von der Konkursverwaltung nicht. Weder von Thomas Bauer noch von seinem Nachfolger Karl Wüthrich. Die allermeisten Funktionäre sind „sauber“. Sie müssten das grösste Interesse daran haben, dass die Schmiergeldempfänger bekannt werden. Damit wären sie den Verdacht los, auch zum Kreis der Betrüger zu zählen. Nur das wäre logisch. Doch an dieser Geschichte ist seit Langem nichts mehr rational.

5'873'224.— Franken gingen in Cash aus einer Liechtensteiner ISL-Stiftung an einen windigen innerschweizer Anwalt zur Weiterverteilung. Diese Summe ist in der Folge wohl kaum an einen Provinzgauner in Lateinamerika gegangen. Wer wurde aus dem schwarzen Koffer bedient? Einer aus der Topkategorie? Vielleicht doch Sepp Blatter?

Dieser Betrag ist ein Teil der 138 geschmierten Millionen. Das ist auf Seite 165 der Anklageschrift festgehalten und belegt. Wenn dieses Geld für einen einzigen Funktionär eingesetzt worden ist, dann sicher nicht für einen kleinen Fisch. Noch einmal: Ich hätte mich extrem getäuscht, wenn der FIFA-Präsident die Scheine und das Münz eingesteckt hätte.

Die FIFA hatte aufgrund der verschiedenen Skandale vor gut zwei Jahren eine neue Ethik-Kommission gegründet. Den Vorsitz hatte der hoch angesehene Leichtathletik-Doppelolympiasieger Lord Sebastian Coe. Er ist am 18. Februar 2009 zurückgetreten. Schon die Sitzung zwei Tage später fand ohne Chef statt.

Coe ist ein ganz Grosser der Sportpolitik. Er ist Präsident der Olympischen Spiele 2012. Diese werden in London durchgeführt. Zudem ist er neu im britischen Bewerbungskomitee für die Fussball-WM 2018. Vielleicht fehlt Baron Coe die Zeit für die Ethik-Kommission, vielleicht ist ihm die Geschichte zu heiss geworden. Oder ethisches Handeln ist für ihn weniger wichtig als auch schon. Man müsste ihn selbst fragen. Spekulationen bringen nichts.

Themawechsel zum Schluss: Verschiedene politische Kreise sind daran, den Druck auf SVP-Sportminister Ueli Maurer zu erhöhen. Dies auch in Bezug auf den Status der internationalen Sportverbände in der Schweiz. Geht es dabei um die Steuerbefreiung und die Kontrolle der als „gemeinnützige Vereine“ registrierten Grossunternehmen?

Oder geht es gar nicht um die Sache an sich? Fakt ist: Maurers Vorgänger Samuel Schmid von der Kleinstpartei BDP hat die Steuerprivilegien der Verbände nochmals zementiert, und zwar kurz bevor er als Bundesrat das Handtuch warf. Der Pensionär wird deshalb weiterhin dicke Einladungen an sportliche Grossanlässe erhalten. Obwohl er politisch nichts mehr zu sagen hat...

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