Lotteriefondsgelder für die
3. Juni 2008
Erschienen in: diversen Zeitungen - hier mein Originalvotum im Rat:

Die St. Galler Regierung wollte tatsächlich 650'000 Franken ausgeben, um das neue Stadion im Westen der Stadt St. Gallen durch einen Künstler "beleuchten" zu lassen. Dieses Geld hätte dem Lotteriefonds entnommen werden sollen. Zum Glück hat der Kantonsrat dem einen Riegel geschoben und es nicht so weit kommen lassen. Das Abstimmungsresultat war sehr klar, nämlich 84 Ja zu 20 Nein.

Mein Votum dazu:

"Etwa zwei Millionen soll das Ganze kosten. Ein Drittel aller Ausgaben soll zu Lasten des Lotteriefonds gehen. Und 900'000 Franken Honorar soll der Künstler erhalten.

Zuerst zum Lohn:

Nehmen wir das Einkommen eines Regierungsrates als Referenz und als Ansatz – der New Yorker Keith Sonnier hätte fast vier Jahre lang vollzeitlich nichts anderes zu tun, als an der Beleuchtung für das Stadion herumzukünstlern. Ein durchschnittlicher Kantonsrat müsste beim aktuellen Tagesansatz für eine derartige Honorarsumme etwa 400 Jahre im Amt sein oder um die hundert Mal wiedergewählt werden.

Nun zur Kunst:

Keith Sonnier hat im Münchner Flughafen schon einen kilometerlangen „Neonröhrenweg“ installieren dürfen. Bei der Allianz-Arena hingegen liess ihn in der gleichen Stadt niemand ran. Trotzdem leuchtet das prächtige Stadion – übrigens ein Werk der Schweizer Architekten Herzog und de Meuron – in verschiedenen Farben.

Entweder in Rot; das ist die Farbe von Bayern München. Oder in Blau, das ist die Farbe vom Club 1860 München. Oder in Variationen wie Blau-Weiss; dann hat die Münchner Bevölkerung eine Freude. Oder in Weiss; das freut den Sponsor am meisten, weil man dann seine Logos am besten sieht. Auf jeden Fall sind die Farben Teil des Betriebskonzeptes. Und die Farbgestaltung schwemmt Millionen in die Kassen. Jedes Jahr wieder.

In St. Gallen gäbe das farbige Leuchten des Stadions kein Geld. Im Gegenteil: Wir müssten tief in die öffentlichen Töpfe greifen. Das ist weltweit einmalig – und das kann es wirklich nicht sein.

Ich bitte Sie, geschätzte Damen und Herren: Schaffen Sie mit dieser Unterstützung eines privaten Objekts keinen Präzedenzfall, der dem Lotteriefonds enorm viel Geld entzieht – genau jene Mittel, welche für seinen eigentlichen Zweck nicht mehr zur Verfügung stehen.

Zum Schluss noch eine Anmerkung zu den Regeln, welche für den Lotteriefonds gelten:

Eine der Hauptvoraussetzungen für ein Gesuch ist, dass das Vorhaben „nicht hauptsächlich gewinnorientiert“ ist. Sollte das Stadion diese Voraussetzung tatsächlich erfüllen, so wäre ein baldiges Lichterlöschen angesagt. Und das ist wohl kaum im Sinne des Kantons. Sonst hätte dieser Rat all die bisherigen Millionen an Steuergeld für den Gratisboden und die Infrastruktur in den Sand gesetzt.

Obwohl ich damals noch nicht in diesem Saal sass – es ist für mich nicht vorstellbar, dass solches im Sinne des Parlamentes gewesen sein könnte.

Ich bin überzeugt davon, dass dies auch heute nicht anders ist und bitte Sie, diesen Beitrag abzulehnen und die 650'000 Franken für sinnvollere Projekte zurückzustellen."

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