Im Minibus zur EM nach Lille
21. Juni 2016
Erschienen in: Limmattaler Zeitung Online

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Schweizer Parlamentarier im Minibus auf EM-Spritztour

Gegner auf dem politischen Parkett, Freunde am Spielfeldrand – nur ein FDP-Bundesrat mochte nicht mitmachen.

«Fussball kennt keine Grenzen.» Mantramässig hatte alt Fifa-Präsident Sepp Blatter seinen Lieblingssatz bei jeder Gelegenheit aufgesagt. Und der Mann hat Recht. Ganz offensichtlich.

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Denn eigentlich sind sie hartnäckige Gegner: Auf dem linken Flügel die SP-Politiker Claude Janiak, Eric Nussbaumer und Andy Tschümperlin, auf der anderen Plätzhälfte die SVPler Roland Büchel, Christian Imark und Toni Bortoluzzi. Im Bundeshaus gingen und gehen sie keinem Zweikampf aus dem Weg, stellen sich gegenseitig ins politische Offside und schrecken dabei auch vor der verbalen Blutgrätsche nicht zurück.

Geht es aber ums runde Leder, ist alles anders. Mit Begeisterung hat sich die bunte Truppe am Sonntag gemeinsam in einen Minibus gequetscht. Auf, an die Fussball-Europameisterschaft. Wir stellen uns vor: Eingepfercht über Stunden, fachsimpeln der Zürcher alt Nationalrat Bortoluzzi mit seinem St. Galler Parteikollegen Büchel und dem Baselbieter Ständerat Janiak über die richtige Aufstellung der Schweizer Nati.

Der ehemalige SP-Fraktionschef Tschümperlin beweist, dass Schwyzer nicht nur Ahnung vom Fünfliber-Rollen haben. Der Baselbieter Nationalrat Eric Nussbaumer warnt vor den Stärken der französischen Offensive, während sein Solothurner Ratskollege Imark allmählich die Ankunft herbeisehnt. Gut 700 Kilometer weit ist die Spritztour in den Norden Frankreichs.

Fachkundig angeführt wurde die Gruppe von Roger Hegi, ehemaliger Profifussballer und heute Direktor der Sport-Toto-Gesellschaft sowie Spielertrainer des FC Nationalrat in Personalunion. Ziel: das Vorrundenspiel Frankreich-Schweiz in Lille, wo die politischen Gegensätze zusammen mit 45'608 weiteren Fans die heroische Schweizer Nati bestaunen durften. 0:0 – ein gutes, wenn auch nicht brillantes Ergebnis gegen den EM-Mitfavoriten.

Die Reisegruppe jedenfalls war zufrieden. Der Einzug ins Achtelfinale ist geschafft. Die Spritztour hat sich gelohnt. Am späten Sonntagabend hat die Gruppe denn auch noch die Innenstadt von Lille unsicher gemacht – aber nur ein bisschen. Die Heimfahrt aber fand erst am nächsten Morgen statt.

Negativ in Erinnerung bleibt: Bundesrat Johann Schneider-Ammann mochte nicht im Minibus mit in die Schweiz zurückreisen. Unbestätigten Berichten zufolge wollte sich der FDP-Wirtschaftsminister nicht am Benzingeld beteiligen. Positiv zu vermerken ist: Auch wenn es etwas spannt, zumindest Andy Tschümperlins Nati-Shirt hat den Reisstest bestanden.

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