Was ist die Euro 2008 für ein Anlass? Wer trägt die Kosten? Wer macht den Gewinn? Was hat der Staat zu tun? Mit diesen Fragen wird sich die Politik in den nächsten Monaten beschäftigen müssen. Mehr noch, weil in den letzten Jahren im Zusammenhang mit der Veranstaltung grobe Fehler gemacht worden sind.

1. St. Gallen:

In St. Gallen finden keine Spiele statt. Das Stadion ist zu klein und zu spät fertig. Trotzdem soll für ein so genanntes «Public Viewing» eine sechsstellige Summe an Steuergeldern eingesetzt werden. «Nach der erfolgreichen Bewerbung von St. Gallen freuen wir uns auf spannende Spiele und eine gute Stimmung in der UBS Arena.» Das sagten die privaten Organisatoren der «UBS Arena» und die Stadt St. Gallen am 7. Juni 2007. Dazu gab es eine gemeinsame Medienmitteilung. Seither soll offenbar intensiv geplant werden. Es ist für mich schleierhaft, weshalb der Steuerzahler einer klar gewinnorientierten privaten Organisation eine Videowand und das Drumherum finanzieren sollte.

2. Bern (als Beispiel):
«Stadt Bern: Ja zum Euro-08-Kredit - damit findet die EM auch in Bern statt.» So titelten die Zeitungen. Die Schlagzeilen sind irreführend. Denn: Selbstverständlich würden die (sowieso nur drei) Vorrundenspiele auch stattfinden, wenn die Stadtberner keine zusätzlichen 5.6 Millionen Franken Steuergelder zum Fenster hinausgeworfen hätten.

Niemand beim europäischen Fussballverband hat je ernsthaft in Erwägung gezogen, unsere Bundeshauptstadt als Austragungsort zu kippen. Im Gegenteil: Die UEFA-Bosse waren selbst überrascht, als gewisse Schweizer Politiker auf halb ausgesprochene Drohungen reagierten wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen. Sie wissen sehr wohl, dass noch nie annähernd so viel öffentliches Geld in die Durchführung einer ihrer Anlässe geflossen ist.

3. öffentliche Kosten:
Offiziell kommt uns die EURO 2008 auf über 180 Steuermillionen zu stehen. Bezahlt von Bund, Kantonen und Gemeinden. Das sind mehr als 12 Millionen für jedes einzelne Spiel! Mit diesen Mitteln sollen Sicherheit und Organisation gewährleistet werden. Daneben verbleiben Unsummen für beamtete Werbeassistenten, um der Bevölkerung «Begeisterung» zu befehlen. Doch Freude kann nicht mittels staatlicher Propagandakampagnen diktiert werden. (Das war nicht einmal in Karibikstaaten, in Japan, in Afrika und in Argentinien der Fall. Dort war ich selbst für die Umsetzung des Marketings weltweiter Fussballanlässe zuständig.)

4. Sicherheitskosten:
Zu den Sicherheitskosten bei der EURO 2008: Diese können vor dem 2. Dezember 2007 schlicht nicht berechnet werden. Erst dann steht fest, welche Mannschaften wann und wo spielen. Und vor allem gegen wen. Der so genannte «Final Draw» ist der Startschuss zur EURO 2008. Mit diesem kommt die Begeisterung automatisch. Nicht einmal dümmliche Kampagnen wie «Wir leben Zürich» (das ist tatsächlich der offizielle Euro 2008-Spruch; Kosten 2.9 Steuermillionen) werden dann dem interessierten Volk den Appetit noch verderben können.

5. Gewinn für die Organisatoren:
Weil die EURO 2008 ein sehr guter Anlass ist, werden Dutzende Promotionsmillionen der offiziellen Sponsoren fliessen. Die Organisation selbst ist Sache der steuerbefreiten (!) UEFA. Diese wird mit dem Milliardenevent EURO 2008 viele hundert Millionen Franken Profit machen. Rein netto.

6. Aufgabe des Staates:
Es ist daneben, wenn sich die hiesigen Steuerzahler derart massiv an den Organisations- und Marketingkosten beteiligen müssen. Der Staat hat bei einer solchen Veranstaltung für die Sicherheit im öffentlichen Raum zu sorgen. Diesen Job muss er hundertprozentig erfüllen. Und sonst gar nichts.

7. Genf, Basel und Zürich:
Hier haben die Stimmbürger zu den Ausgaben in zweistelliger Millionenhöhe - gemäss heutigem Stand - rein gar nichts zu sagen. Obwohl sie alles aus ihrem eigenen Sack bezahlen müssen. So machen es auch Diktaturen, die sportliche Grossanlässe organisieren.