Das Rütli hat Geschichte: Die meisten Schweizer kennen den «Rütlischwur» von 1291.

«Wir wollen frei sein, wie die Väter waren.» Das schworen Walter Fürst (Uri), Werner Stauffacher (Schwyz) und Arnold von Melchtal (Unterwalden). Sie und das Volk hatten vor 716 Jahren genug von den diktatorischen Habsburgern und deren Vogt Gessler. - Schiller hat es im «Wilhelm Tell» wunderbar beschrieben. Das Stück wurde 1804 uraufgeführt.

Das Rütli macht Geschichten: Das diesjährige Theater ist sattsam bekannt. Die SP-Bundesrätin Micheline Calmy-Rey spielt die Hauptrolle. Für einen Blick auf die Frauenbühne hat «alliance F» 1'700 von den insgesamt 2000 Tickets verteilt. Diese massiv subventionierte Lobbyisten-Truppe bezeichnet sich selbst als die «führende politische Stimme der Frauen in der Zivilgesellschaft».

Der «Blick» macht seit Wochen Radau um das Rütli und hofft, damit ein paar zusätzliche Leserinnen zu gewinnen.

Der normale Schweizer hat am 1. August auf dem Rütli nichts zu suchen. Er ist nicht genehm. Er wird ausgesperrt.

Milliardär Nicolas Hayek und ein schwerreicher FDP-Nationalrat haben angekündigt, dass sie einen Teil der Sicherheits- und Organisationskosten übernehmen werden. Es geht um etwa 100'000 bis 200'000 Franken. Beide finanzieren dieses Sponsoring aus dem «Portokässeli». Und ziehen die Aufwendungen dann von den Steuern ab. Sollen sie. Das ist ihr gutes Recht.

Rechtsextreme Glatzköpfe werden den Anlass deswegen weniger stören können als in den Jahren 2000 (Rede von Bundesrat Villiger) und 2005 (Rede von Bundesrat Schmid). Auch linksextreme Vermummte werden den Zutritt aufs Rütli kaum schaffen. Beides ist gut.

Privatmann Dr. Markus Rauh (Zeitungen nennen ihn den «Swisscom-Schummler vom Bodensee») versuchte am 1. August vom letzten Jahr, das Rütli für seine Abstimmungs- und Eigenpropaganda zu benutzen. (Der bekannte Abzocker-Verwaltungsrat ist jemand, der vom Volk nie in ein öffentliches Amt gewählt worden ist.) Vor einem Jahr liessen sich ein paar hundert Leute den nationalen Feiertag nicht vergraulen und besuchten das Rütli am 1. August 2006 trotz Rauhs Rede.

Zwei Millionen Franken - das war der Preis für Organisation und Sicherheit dieser privaten Veranstaltung. Judith Stamm versucht in Interviews, die Auslagen auf «nur» eineinhalb Millionen schönzureden. Sie ist die Präsidentin der «Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft» und damit zuständig für die Feierlichkeiten auf dem Rütli.

Wer bezahlt die Rechnung? - «Für das Jahr 2006 ist das doch klar: Herr Rauh natürlich», denkt wohl jeder. Weit gefehlt. Er bezahlt die Zeche nicht.

Wir Steuerzahler müssen blechen. Weil Herr Rauh offensichtlich überzeugt ist, dass die Schweizer sich seine Rütli-Rechnungen teilen müssen. Er selbst ist seit Monaten aus dem öffentlichen Leben verschwunden. Auch bei der St. Galler Kantonalbank (als ehemals überbezahlter Verwaltungsrat) und der Economiesuisse (ehemals Vorstand) ist er weg vom Fenster.

China statt Karibik? Gemäss Medienberichten soll Dr. Rauh sich seit Wochen zwischen China und Europa aufhalten und an irgendwelchen Luxusabenteuern seine Freude haben. Normalerweise verlustiert er sich lieber in der Karibik oder treibt seine fragwürdigen Geschäfte aus anderen "off-shore" Steuerparadiesen wie den Channel-Islands vorwärts.

Viel Geld gespart. Wenn Herr Rauh hier und dort auf eine 1.-August-Rede verzichtet, bleibt den Chinesen, den Europäern und uns Schweizern ganz real mehr Geld im Sack. Warum? Weil dann kein Steuerzahler dieser Welt für Rauhs offenbar überhöhtes persönliches Sicherheitsbedürfnis bei seinen Auftritten aufkommen muss.

Ohne Pomp und grossartiges Getue. So feiert die überwiegende Mehrheit der Schweizer den 1. August. Ich freue mich auf den morgigen Nationalfeiertag. Diesen werde ich in zuerst in Oberriet, dann in Sennwald und Eichberg beim traditionellen «Buurebrunch», später in St. Gallen und am Abend in Bronschhofen bei Wil geniessen.