SVP und Grüne am Berglischwinget: Interesse für die Politik wecken
5. März 2008
Erschienen in: Der Rheintaler

Grüne und SVP diskutierten und fanden bei all den unterschiedlichen Meinungen auch Gemeinsamkeiten

Montlingen. Kantonsratskandidatinnen und -kandidaten der Grünen und der SVP trafen sich gestern zu einem Streitgespräch. Fair sollte es verlaufen, hatte man sich vorgenommen. Darum stieg man zunächst einmal in Schwingerhosen.

Max Tinner

Die SVP und die Grünen spannen zusammen: «Das gab es noch nie», meinte der Grüne Meinrad Gschwend eingangs der gestrigen Veranstaltung. In manchen Fragen seien die beiden Parteien allerdings gar nicht so unterschiedlicher Meinung. Gehe es um die Pflege gutschweizerischer Demokratie und die Liebe zur Heimat finde man sich, ist er überzeugt. Und offenbar auch im Schwingsport als Inbegriff einer fairen, sportlichen Auseinandersetzung. Zu Beginn stiegen darum Exponenten beider Parteien in die Hosen (siehe Seite 41).

Mehr Geld für Breitensport

Sport war auch eines der vier Themen, über die diskutiert wurde. Zudem eines, bei dem sich die Vertreter der beiden Parteien einig waren: Anstatt Geld in Grossveranstaltungen zu buttern, würde man besser den Breitensport fördern. Das sei wichtiger denn je, meinte Ulrike Böse (Grüne). Denn ein Grossteil der Bevölkerung treibe zu wenig oder gar keinen Sport. Zum Sport sollten bereits die Kleinsten angehalten werden, meinte Peter Eggenberger (SVP). Seien die Kinder erst einmal 15, könne man sie kaum mehr dafür gewinnen.

Roland Rino Büchel ist der selben Meinung. «Sport verlängert das Leben», meinte er. Und fügte an, dass die vier Stunden seines bisher einzigen Marathonlaufes die längsten seines Lebens gewesen seien. Zum Sport gehört auch die richtige Ernährung. Karin Hüppi (Grüne) wünschte sich, dass der Staat der Werbung für Süsswaren Kampagnen für gesunde Ernährung entgegen setzte.

Auch beim Thema Bildung herrschte ein Stück weit Einigkeit. Angesprochen waren die anstehenden Neuerungen an der Volksschule. Der Mittagstisch beispielsweise könne durchaus für manche Familien Sinn machen, meinte Marcel Dietsche (SVP). Die Kinder dürften aber nicht zwangsweise vom Familientisch weg gezerrt werden. Esther Nufer (Grüne) pflichtet bei: «Mir war wichtig, dass meine Kinder über Mittag jeweils nach Hause kommen konnten.»

Paul Wüst (Grüne) als Lehrer an der Rudolf-Steiner-Schule in St. Gallen hingegen erachtet den Mittagstisch als eine die Kinder bereichernde Erfahrung. Karin Sieber (SVP) fordert ein Zurückbuchstabieren bei den Bildungsreformen. «Letztlich ist es Aufgabe der Schule, den Kindern etwas fürs Leben mitzugeben», sagte sie.

Bei sich selber anfangen

Heftiger wurde die Diskussion, als man auf die Sicherheit zu sprechen kam. Meinrad Gschwend (Grüne) ist der Meinung, dass die Schweiz und das Rheintal sicherer sei, als manche glaubten. Hansruedi Köppel (SVP) widersprach: «In Heerbrugg fühlt man sich nicht mehr sicher.» Philipp Sinz (SVP) fordert mehr Polizisten auf der Strasse. Ismael Albertin (Grüne) hingegen ist der Meinung, dass es viel besser um die Sicherheit stünde, würden die Leute nur mehr Zivilcourage an den Tag legen.

Meinungsverschiedenheiten gab es auch beim Thema Energie. Ramon Hüppi (Grüne) fordert einen schnellen Umstieg auf alternative Energieformen. Rolf Burchia (Grüne) sieht zudem viel Potenzial bei der Sanierung von Altbauten. Dieter Spinner (SVP) mahnte, nicht in Panikmache zu verfallen. Im Kanton St. Gallen sei man auf gutem Weg. Gescheiter, als auf den Staat zu warten, wäre ohnehin, bei sich selber anzufangen und sein Verhalten ändern. Der Meinung ist auch Herbert Huser (SVP): «Energie sparen sollte eine Grundeinstellung jedermanns sein.»

Gegen Ende des Abends erhitzten sich einige Gemüter. Ein bisschen Streit darf allerdings an einer solchen Veranstaltung ruhig sein. Sonst verlören wohl auch die wenigen noch an der Politik Interessierten die Lust, politische Veranstaltungen zu besuchen. Und weiter zunehmendes Desinteresse betonte Meinrad Gschwend, wäre "fatal für die Demokratie".

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