MIgration: Präzision und Ehrlichkeit sind nötig
13. Oktober 2015
Erschienen in: Der Rheintaler, Rheintalische Volkszeitung

 

 

Migration: Präzision und Ehrlichkeit sind gefragt

 

 

Die Migrationswelle Richtung Europa entwickelt sich zu einem gewichtigen Problem, auch für die Schweiz. Dabei sind die Grenzregionen ganz besonders betroffen. Um richtige Massnahmen treffen zu können, ist es wichtig, in der Lageanalyse präzise und ehrlich zu sein.

Michael Jäger aus Diepoldsau nimmt es nicht so genau. Er will mich erstens in die Wüste schicken und tut in seinem Leserbrief „Büchel nach Damaskus“ vom letzten Samstag zweitens so, als hätte ich behauptet, „dass Hunderttausende“ von Wirtschaftsflüchtlingen in die Schweiz unterwegs seien. Dieser Unsinn schreit nach einer Antwort.

Was hatte ich am Vortag in dieser Zeitung wirklich geschrieben? Ich zitiere: „Hunderte Personen sind in kürzester Zeit allein in Buchs angekommen und ins Empfangs- und Verfahrenszentrum Altstätten gebracht worden.“ – „Hunderte“ und „Hunderttausende“ sind jedoch nicht das Gleiche.

Weiter schrieb ich: „Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel tat vor wenigen Wochen so, als ob in ihrem Land jedermann willkommen wäre. Darum hat Europa innert dreier Wochen eine Massenzuwanderung von 230‘000 Personen erlebt.“ – „Europa“ und die „Schweiz“ sind nicht ganz deckungsgleich.

In seinem unreflektierten Wutbrief verdreht Jäger die Fakten derart, dass es mühsam wird. In seiner geballten Ladung Jägerlatein ist ihm dennoch ein korrekter Satz entglitten. Nämlich: „Wer aus einem Kriegsgebiet flüchtet, ist kein Wirtschaftsflüchtling.“ Einverstanden. Jedoch: Viele Migranten, die einmal aus Bürgerkriegsgegenden geflüchtet waren, leben schon seit längerer Zeit ausserhalb der Gefahrengebiete, nicht selten in EU-Ländern wie Griechenland oder Italien. Sie machen sich jetzt von dort aus auf den Weg. Andere Menschen stammen aus armen Ländern. „Arm“ und „Kriegsgebiet“ sind ebenfalls zwei verschiedene Paar Schuhe. Zum Glück, ganz nebenbei bemerkt.

Die Thematik ist zu wichtig, als dass man sie als Sujet für einen Frustleserbrief verwenden sollte. Dort will Herr Jäger mir gar eine „Bildungsreise“ nach Syrien spendieren. Das ist auf den ersten Blick ein durchaus interessantes Angebot; ich werde es dennoch nicht annehmen. Warum? Einerseits zahle ich meine Reisen selber. Anderseits habe ich meine Syrienerfahrung bereits gemacht. Auch sonst kenne ich mich im nördlichen Teil Afrikas recht gut aus. So arbeitete ich für grössere Projekte in weiteren „Problemländern“ wie Mali, Ägypten oder Tunesien.

Seriosität, Bodenständigkeit und Lebenserfahrung sind wichtige Grundlagen, um komplexe Aufgaben erledigen zu können. Darum können die Schweizer Bürger beruhigt sein. Der Präsident der Aussenpolitischen Kommission des Nationalrats für die nächsten zwei Jahre ist erstens nicht Michael Jäger, zweitens wird er aller Voraussicht nach dennoch aus dem Rheintal kommen, und drittens Roland Rino Büchel heissen.

Roland Rino Büchel, Nationalrat SVP, Oberriet




Als Reaktion auf Roland Rino Büchels "Podium" vom 9. Oktober 2015:


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