Robin Hood gegen Sepp Blatter - was sagt Büchel zu
24. März 2015
Erschienen in: St. Galler Tagblatt, Rheintaler, Thurgauer Zeitung, Appenzeller Zeitung, und div. Tagblatt-Kopfblätter; Luzerner Zeitung

www.tagblatt.ch/aktuell/schweiz/tb-in/Robin-Hood-gegen-Sepp-Blatter;art120101,4169431

Ein australischer Unternehmer, der bei Zug eine Sportbekleidungsfirma leitet, will Fifa-Präsident Sepp Blatter vom Thron stürzen. Dabei setzt er auf unkonventionelle Methoden und hofft auf die Unterstützung der Schweizer Politik.

Jürg Ackermann

Jaimie Fuller ist ein Mann mit Idealen. Und einer, der nicht aufgibt, auch wenn der Kampf für das Gute vielleicht aussichtslos erscheinen mag. Der Sport, so Fullers Devise, muss sauber sein: Frei von Doping, frei von Korruption und frei von anderen finsteren Machenschaften.

Vor zwei Jahren brachte Fuller mit einer hartnäckigen Kampagne den umstrittenen irischen Radfunktionär Pat McQuaid zu Fall. Der Präsident des internationalen Radsportverbandes war in den Dopingskandal um Lance Armstrong verwickelt. Fuller, der bei Zug die Sportbekleidungsfirma Skins leitet und sich als Sponsor im Sport engagiert, sabotierte mit einem Gerichtsverfahren die Kandidatur von Pat McQuaid, bis dieser nicht mehr wählbar war.

Inserat gegen die Fifa im Wallis

Nun kämpft der 46jährige Australier gegen Sepp Blatter, der im Mai eine fünfte Amtszeit als Fifa-Präsident anstrebt. Der wohl mächtigste Sportfunktionär der Welt ist zwar eine Schuhnummer grösser als McQuaid. Ungewöhnlich bleibt das Vorgehen des Australiers aber auch jetzt. Im «Walliser Boten», der «Hauszeitung» von Blatter, schaltete Fuller vor ein paar Wochen ein ganzseitiges Inserat.

Darin erläuterte er, warum er stolz sei, nicht Sponsor der Fifa zu sein. Denn diese habe ein grosses Glaubwürdigkeitsproblem. Die Fifa sei ausser Kontrolle und das System vergiftet, erklärt Fuller im Gespräch. «Blatter ist ein Teil des Problems, weil er schon so lange die Fäden zieht. Für einen wirklichen Wandel braucht es mehr denn je einen Wechsel an der Spitze.»

Das negative Image färbt ab

Auch wenn eine Reaktion der Fifa ausblieb – das Echo in den sozialen Medien auf die Aktion war enorm. Das gibt dem «Robin Hood» aus Steinhausen bei Zug Mut. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit hoch sei, dass er im Kampf gegen Blatter scheitere, aufgeben wolle er nicht. Im Gegenteil. «Bei der Kampagne gegen McQuaid glaubte anfänglich auch niemand, dass sie erfolgreich sein könnte. Blatter ist verwundbarer, als viele denken.»

Fuller agiert seit Wochen auf verschiedenen Ebenen: Er organisierte Treffen von Fifa-Kritikern im Europarat oder im EU-Parlament. Und er verschickte allen Fifa-Sponsoren einen Brief, um auf die massiven Imageprobleme des Weltfussballverbandes hinzuweisen. Nun versucht er, auch Schweizer Politiker für eine «neue Fifa» einzuspannen. Denn die Schweiz müsse als Gastgeberland so vieler Sportorganisationen ein Interesse an einem sauberen Sport haben. Berichte – vor allem in englischsprachigen Medien – würden zur Genüge beweisen, wie das negative Image der Fifa abfärbe.

Fifa zahlt über 30 Millionen

Vorerst ist das Echo aus Bundesbern zwar gering. Aber der Australier ist sich sicher, dass sich dies eines Tages ändern wird. So hat der Nationalrat zwar am Freitag eine Anti-Fifa-Motion der Juso abgelehnt. Diese hatte gefordert, dass der als Verein organisierte Milliardenkonzern wie ein Unternehmen besteuert wird.

Beobachter sind sich aber einig, dass die Forderung Chancen gehabt hätte, wenn sie nicht nur auf die Fifa gezielt hätte und weniger radikal formuliert gewesen wäre. «Nach all den Korruptionsskandalen ist die Skepsis gegenüber der Fifa bis weit ins bürgerliche Lager hinein gestiegen», sagt Roland Büchel. Dass die Fifa nun bereits «freiwillig» über 30 Millionen Franken Steuern zahle, zeige, dass der politische Druck wirke.

Whistleblowerin packt aus

Der St. Galler SVP-Nationalrat wird am kommenden Samstag im aktuellen Sportstudio des ZDF zu Gast sein – zusammen mit Bonita Mersiades, die von den Fifa-Kritikern als «eine der mutigsten Frauen im Weltfussball» bezeichnet wird. Mersiades hatte als Kommunikationschefin der australischen WM-Bewerbung 2022 Einblick in die Mechanismen der WM-Vergabe. Nun will sie weiter auspacken und Blatter unter Druck setzen.

Jaimie Fuller freut's, denn er arbeitet eng mit der Whistleblowerin zusammen. Dass Mersiades' Aussagen Brisanz haben, daran zweifelt niemand. Umso mehr, als die Fifa je länger je weniger Interesse an einer wirklichen Aufklärung der Vorgänge um die WM-Vergabe an Qatar zeigt.

Gemäss Mersiades zahlte Australien über 10 Millionen Dollar allein für Berater, um im mächtigen Fifa-Exekutivkomitee Goodwill für die eigene Kandidatur zu schaffen. Es nützte nichts. Australien erhielt nur gerade eine von 22 Stimmen. «Jetzt rechnen Sie hoch, wie viel Geld Qatar mit dem klar schlechtesten Bewerbungsdossier aufgewendet haben muss, um die WM zu erhalten!», sagt Fuller und fügt an: «Solche Machenschaften müssen auch die Schweiz als Fifa-Gastgeberland interessieren.»

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