Fleischesser wie Büchel sind bei der SVP, Vegis bei der SP
18. März 2015
Erschienen in: 20Minuten, 20Minuten online, div. Zeitungen

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Fleischesser sind bei der SVP, Vegis bei der SP

von Florian Meier - Fleischesser beklagen sich, sie kämen immer mehr unter Druck. Auch im Parlament sind die Essgewohnheiten äusserst verschieden.

«Ist ein staatliches Diktat beim Fleischkonsum gerechtfertigt?» Das fragte SVP-Ständerat Peter Föhn den Bundesrat. Grund: Ein Bericht der eidgenössischen Ernährungskommission. Dieser kommt zum Schluss, dass sich der Konsum von viel Fleisch negativ auf die Gesundheit auswirkt. Die Kommission fordert deshalb, dass die heute vom Bund empfohlenen 120 Gramm Fleisch pro Tag nach unten korrigiert werden.

«Es kann doch nicht sein, dass uns der Staat sogar vorschreibt, was wir zu essen haben», sagt Föhn. Wenn das so weitergehe, könnte Fleisch eines Tages sogar als gefährlich gelten. «Wird es dann Pflicht, dass auf jedem Stück Fleisch stehen muss ‹Fleisch essen ist gefährlich›, so wie heute bei den Zigaretten?» Die Bürger sollen selber entscheiden können, wie viel Fleisch sie essen. «Diese zunehmende Bevormundung muss aufhören.»

«Fleischesser sind per Zufall in der SVP»

Aber: Wie viel Fleisch kommt eigentlich bei unseren Parlamentariern auf den Teller? Wer ist ein Fleischtiger, wer ein Vegi? 20 Minuten wollte es genau wissen und hat eine Umfrage gestartet. Von den insgesamt 79 Parlamentariern, die daran teilgenommen haben, gaben 13 an, mindestens zweimal pro Tag Fleischprodukte zu essen.

Den grössten Appetit auf Fleisch haben nach eigenen Angaben Jean-François Rime (SVP) und Isidor Baumann (CVP). Beide geben an, mehr als dreimal am Tag Fleisch zu essen. Allgemein sind die Fleischtiger in den Reihen der Bürgerlichen übervertreten.

«Fleischesser in der SVP sind reiner Zufall»

Auch Roland Büchel (SVP, SG) sagt,, bei ihm stünden regelmässig mehr als einmal pro Tag Fleischprodukte auf der Speisekarte. «Natürlich kommt es vor, dass es zum Frühstück ein Fisch-Sandwich gibt, zum Zmittag Hörnli mit Gehacktem und zum Znacht ein gutes Stück Fleisch.» Sorgen um seine Gesundheit macht er sich deshalb nicht: «Ich werde jetzt dann 50 und es geht mir bestens.» Er denke auch nicht, dass es ihm besser ginge, wenn er weniger Fleisch essen würde. Im Gegenteil, er glaube, dass er nicht so fit wäre, wenn er "vom Morgen bis am Abend nur Körnli picken" würde.

Ein weiteres Mitglied der Fleisch-Fraktion ist der SVP-Nationalrat. Maximilian Reimann. Er wird vor allem bei einem guten Lachs oder einem Entrecôte medium-rare schwach. Dass sich die Fleischesser aber gerade in der SVP ansammeln, hält er für «reinen Zufall». Von den sechs Vegetariern, die an der Umfrage teilgenommen haben, stellt die SVP allerdings keinen einzigen.

Föhn droht mit weiteren Massnahmen

Auf der anderen Seite des Spektrums, bei der SP, zeigt sich das genau gegenteilige Bild: Die Sozialdemokraten stellen 50 Prozent aller Vegetarier – und niemanden, der mehr als einmal pro Tag Fleisch isst. Einer der Vegi-Vertreter im Parlament ist Philipp Hadorn (SP, SO). «Ich war als Teenager einmal an einem Vortrag über Nährwertverluste, seitdem esse ich kein Fleisch mehr.» Er weiss auch nicht mehr genau, wann er das letzte Mal ein Stück Fleisch probiert hat. «Das muss vor mehr als 20 Jahren gewesen sein.»

Auch mit den Fleisch-Richtlinien der Ernährungskommission hat Hadorn kein Problem: «Das sind ja nur Empfehlungen.» Dass der Bund seine Bevölkerung über solche Dinge informiert, sei wichtig für die individuelle Meinungsbildung. Das sieht auch der Bundesrat so. In seiner Antwort an Föhn schreibt er: «Das zuständige BLV wird prüfen, ob und wie die heute gültigen Ernährungsempfehlungen anzupassen sind.» Ob die Richtlinien verschärft werden, ist also noch nicht klar. Sollte dies aber geschehen, wird Föhn Massnahmen einleiten: «Wenn der Bundesrat die Fleisch-Empfehlungen tatsächlich verschärfen will, werde ich das mit allen Mitteln bekämpfen.»

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