Büchel-Kolumne im LEADER: Liberale Weltoffene mit viel Linksdrall
22. Februar 2015
Erschienen in: Unternehmermagazin LEADER

Liberale „Weltoffene“ mit viel Linksdrall

Heute nehmen wir die NZZ und den offensichtlich dehnbaren Begriff „liberal“ unter die Lupe. Die 235-jährige „Alte Tante“ hat ihren liberalen Kompass verloren. Gleich wie das ultralinke Kampfblatt WOZ bezeichnen deren Journalisten die Mehrheit der Schweizer als „isolationistisch“ und „nationalkonservativ“.

Führungslose NZZ-Schöngeister etikettieren die Schweizer als bedauernswerte Menschen. Halbintellektuelle Phrasendrescher lästern über bodenständige Leute. Viele im Lande hätten nicht mitbekommen, dass Helvetien in der modernen Welt angekommen sei. In der Realität sind es weiss Gott nicht nur „Abschotter“, die denken, dass eine übertriebene Annäherung oder ein Beitritt zur krisengeschüttelten EU keine gute Option für die Schweiz sei.

Die Gifteleien der pseudoliberalen Journalisten sind nicht weiter schlimm. Fast unerträglich ist hingegen, was derzeit in der eidgenössischen Politik abgeht: Tagtäglich baut der Bundesrat den Staat aus. Bei seiner verfehlten Energiestrategie und seiner exzessiven Regulierung des Finanzplatzes ist kaum noch viel Bürgerlichkeit zu erkennen. Beim Rekrutieren des Personals ist es nicht anders. Richtet wenigstens das Parlament den verdrehten Kompass der Regierung? Schön wäre es.

Zu viele Parlamentarier tun das Gegenteil von dem, was sie in ihren liberalen Sonntagsreden erzählen; sie drücken oft und gerne auf den linken Knopf. Das war im Jahr 2014 ausgeprägt der Fall. Und es wird so weitergehen. Warum das?

Ganz einfach: Es gibt kein bürgerliches Bollwerk mehr! Weil die FDP, die CVP und die SVP unsinnigerweise auf eine richtige Zusammenarbeit verzichten, können die Bundesräte Berset, Sommaruga und Widmer-Schlumpf immer wieder über die linke Flanke angreifen.

Das Dilemma der Liberalen

Linke EU-Turbos nutzen die Situation gnadenlos aus. Sie spielen dabei die Karte „Weltoffenheit“. Welcher Liberale möchte nicht auch weltoffen sein, anstatt als Isolationist zu gelten? Doch, Achtung Denkfehler! Sich der EU in die Arme zu werfen, hat mit Offenheit nichts zu tun.

Betrachten wir die Fakten zum Thema: Die Schweiz ist erstens viel stärker in die Weltwirtschaft integriert als jedes EU-Land. Wir nehmen zweitens mehr Zuwanderer auf als alle, die uns entweder bösartig oder ohne besseres Wissen kritisieren. Und wir schliessen mit der Welt mehr Freihandelsabkommen ab als unsere europäischen Mitstreiter.

Die Schweiz ist wesentlich demokratischer aufgebaut als die Europäische Union. Zudem ist unser Land liberaler organisiert als jeder einzelne EU-Staat. Ein Beitritt oder eine enge Anbindung würde für uns bedeuten, dass wir uns gegenüber der aussereuropäischen Welt verschliessen müssten.

Das wäre für die Wirtschaft, gerade in der aufgeschlossenen Ostschweiz, ein Desaster. Unsere Unternehmen und wir Bürger wären weniger frei. Und weniger weltoffen.

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 © Roland Rino Büchel Realisiert durch RightSight.ch