Banken machen Auslandschweizern das Leben schwer - Büchel handelt
7. Januar 2015
Erschienen in: TagesAnzeiger und TagesAnzeiger online, Basler Zeitung online, Bund online, 24heures, andere

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Banken machen Schweizern im Ausland das Leben schwer

Von Bruno Schletti.

Für ihr Konto in der Heimat zahlen Schweizer, die im Ausland leben, je nach Bank einen hohen Preis.

Norbert Diener* ist nicht gut auf die Schweizer Finanzinstitute zu sprechen. Er sagt: «Wir Auslandsschweizer sind auf Gedeih und Verderb den Banken ausgeliefert.» Diener lebt in Thailand. Sein Arbeitgeber, eine alteingesessene Schweizer Firma, zahlt ihm Gehalt und Spesen auf sein Konto bei der Luzerner Kantonalbank (LUKB). Für den Lebensunterhalt lässt er sich regelmässig Geld nach Thailand überweisen. Auch hat er laufende Kosten in der Schweiz. Sein Sohn macht in der Innerschweiz eine Berufslehre. Er ist also auf eine Bankverbindung in der Schweiz angewiesen.

Zum Jahresende hat Diener von der LUKB die Spesenabrechnung erhalten. Darauf findet sich eine «Gebühr für Kunden mit Domizil Ausland» im Betrag von 300 Franken. In den Augen Dieners ist diese Belastung ungerecht. Er verweist darauf, dass ihm die LUKB weitere Spesen verrechne: eine Administrationspauschale von 50 Franken im Jahr und 19 Franken für jede einzelne Geldüberweisung nach Thailand. «Ich frage mich», sagt Diener, «wo nun die zusätzlichen Aufwendungen von 300 Franken entstehen, da alle Bewegungen elektronisch abgewickelt werden, auch die Korrespondenz.»

Vage Begründung der Banken

Tatsächlich kriegt man von den Banken – nicht nur von der LUKB – auf diese Frage nur generelle Antworten. Sprecher Roger Müller sagt: «Zur Deckung des im grenzüberschreitenden Geschäfts zusätzlichen Abklärungs- und Überwachungsaufwands stellt die LUKB all ihren Kunden mit Domizil Ausland eine Gebühr in Rechnung.» Von auf­wendiger Dokumentation ist bei der ­Berner Kantonalbank die Rede, von ­höherem Aufwand und beachtlichen operationellen Risiken bei Raiffeisen, vom sich laufend verändernden regu­latorischen Umfeld bei der Zürcher Kantonalbank.

In einer vor zweieinhalb Jahren veröffentlichten Untersuchung billigte der Preisüberwacher Stefan Meierhans den Banken einen gestiegenen Aufwand mit Kunden im Ausland zu: «Tatsächlich steigt der juristisch-reglementarische Support und der Verwaltungsaufwand mit der Komplexität der Bankbeziehung.»

Er kritisierte aber, dass die Banken den Auslandsschweizern in der Regel pauschale Gebühren belasten würden: «In den meisten Fällen zeigen die von den Banken angewandten Tarife keinen klaren Kausalzusammenhang mit den durch die Konten von Kunden mit ausländischem Wohnsitz verbundenen Kosten.» Diese Kritik wurde von den Banken nicht aufgenommen. Sie belasten diese Kunden nach wie vor mit pauschalen Spesen, ohne dem Verursacherprinzip Rechnung zu tragen.

Es sticht ins Auge, dass die Gebührenpauschalen der verschiedenen Banken grosse Unterschiede aufweisen. So ist die Jahresbelastung bei der Credit Suisse viermal so hoch wie bei der Migrosbank oder bei Postfinance. Das war schon im Jahr 2012 der Fall, was den Preisüberwacher den Schluss ziehen liess: «Der Wettbewerb scheint zu spielen.» Meierhans forderte unzufriedene Auslandsschweizer zum Wechsel der Bank auf.

Die Gebühren seien ein Problem, aber nicht das grösste, sagt Sarah Mastantuoni, Co-Direktorin der Auslandsschweizer-Organisation (ASO). Das Hauptproblem sei, dass immer mehr Banken keine Beziehung mit Auslandsschweizern eingehen wollten. Das gelte nicht nur für Kunden mit Wohnsitz USA. Der ASO seien auch entsprechende Fälle von Schweizern mit Domizil Singapur und Südamerika bekannt. Die Organisation vertritt über 730'000 Landsleute mit Wohnsitz im Ausland.

Lob für Postfinance

Positiv äussert sich Mastantuoni über ein Institut: «Postfinance nimmt die Leute auf.» Johannes Möri, Sprecher des vom Bund beherrschten Instituts, bestätigt dies: «Postfinance bietet allen Auslandsschweizerinnen und -schweizern die Möglichkeit, ein Konto zu führen, sofern sie bereit sind, sich in der Schweiz identifizieren zu lassen und vor Ort die Vertragsunterlagen zu unterschreiben.» Zusätzlich müssen sie ein Formular unterschreiben, mit dem sie bestätigen, dass ihre Gelder korrekt versteuert sind.

Der für Postfinance gesetzlich festgelegte Grundversorgungsauftrag gilt für Schweizerinnen und Schweizer mit Wohnsitz im Ausland nicht. Das Institut ist deshalb nicht verpflichtet, diesen eine Bankbeziehung anzubieten. Möri sagt aber: «Nichtsdestotrotz will Post­finance eine Bank für alle Schweizerinnen und Schweizer sein.» Allerdings mit Einschränkungen: Aus regulatorischen Gründen ist das Produktangebot für Kunden im Ausland stark eingeschränkt.

Hinter der wohlwollenden Haltung von Postfinance gegenüber Auslandsschweizern steht allerdings auch politischer Druck. Im Dezember hat der Ständerat ein Postulat von Konrad Graber angenommen. Dieser verlangt, dass Postfinance zur Führung von Zahlungskonten für Auslandsschweizer verpflichtet werden soll.

Nationalrat Roland Büchel will gar alle grossen Schweizer Banken zur Kontoführung verpflichten. Postfinance vertritt die Meinung, dass eine gesetzliche Regelung, wie gefordert, die Ausgangslage für Auslandsschweizerinnen und -schweizer nicht verbessern würde.

* Name geändert

(Tages-Anzeiger)

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