Büchels Standpunkt gegen eine staatliche Einheitskrankenkasse
16. September 2014
Erschienen in: Der Rheintaler, Rheintalische Volkszeitung

Abstimmung: Wollen wir wirklich eine Staatsmedizin?

Unser Gesundheitswesen funktioniert. Die Menschen im Land haben Zugang zu einer guten Versorgung. Wichtig dabei: Wer nicht zufrieden ist, kann sowohl die Krankenkasse als auch den Arzt wechseln. Mit einer einzigen staatlichen Kasse wäre diese Wahlmöglichkeit vom Tisch.

Das Hauptproblem im Gesundheitswesen sind die stark steigenden Kosten. Diese hängen vor allem damit zusammen, dass die Menschen bei uns (zum Glück) immer länger leben. Zudem werden die Ansprüche immer höher. Diese „Das-steht-mir-zu-Mentalität“ ist definitiv nicht gesund. Doch dagegen bietet eine verstaatlichte Krankenkasse keine Lösung.

Die Initianten haben dafür die Verwaltungskosten der Versicherer im Visier. Diese machen genau fünf Prozent der Aufwände aus. Bei den matchentscheidenden 95 Prozent der Kosten für die Leistungen setzen die Initianten hingegen nicht an. Deshalb sagt sogar SP-Bundesrat Alain Berset ganz klar, dass eine staatliche Einheitskasse keine Kosten spart.

Im Gegenteil: Mit der Einheitskasse würden die Prämien künftig noch stärker steigen. Zudem käme uns nur schon der Systemwechsel extrem teuer zu stehen. Auch die Befürworter der Einheitskasse müssen bestätigen, dass es mit weniger als 1‘700 Millionen an Zusatzkosten nicht ginge. Das ganze Umstellungsprozedere würde sich, dies nur nebenbei, über rund zehn Jahre erstrecken.

In Diskussionen höre ich immer wieder, dass die Schweizerische Unfallversicherung Suva ein funktionierendes Beispiel für eine Einheitskasse sei. Das ist Unsinn. Warum? Die Suva versichert nur jeden fünften Betrieb und rund die Hälfte der Arbeitnehmer. Zudem steht sie in Konkurrenz zu den Privatversicherern. Es ist genau diese Wettbewerbssituation, welche die Suva quasi zum guten Geschäften „zwingt“. Abgesehen davon funktioniert sie komplett anders als die Krankenversicherung.

Einheitskasse führt ins Desaster

Wir haben in unserem Land schon eine Einheitskasse. Es ist die Invalidenversicherung. Die IV ist ein monumentaler Sanierungsfall. Sie hält momentan bei 13‘800 Millionen Franken Schulden. Wollen wir derartig desaströse Zustände auch bei der Krankenversicherung?

Zum Schluss noch ein massgebender Punkt für die Entscheidungsfindung. In vielen Gesprächen mit Rheintaler Bürgern habe ich festgestellt, dass ein wichtiger Fakt fast nicht bekannt ist: Die staatliche Einheitskasse könnte nur die Grundversicherung anbieten. Das heisst, dass jede und jeder Zusatzversicherte künftig mindestens zwei Ansprechpartner hätte. Das wird kompliziert, bläht die Bürokratie unnötig auf – und kostet schlussendlich mehr.

Weil ich das nicht will, bin stimme ich am 28. September mit Überzeugung gegen die „öffentliche Krankenkasse“. Sie ist definitiv die falsche Therapieansatz für die Probleme in unserem Gesundheitswesen.

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