Schneesportzentrum im Toggenburg, Träumereien sagt Büchel
21. April 2014
Erschienen in: Ostschweiz am Sonntag

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Herr Büchel, der Bund setzte die St. Galler Kandidatur lediglich auf den drittletzten Platz, weil das Toggenburg zu wenig schneesicher sei. Diese Woche warf der Kanton das Handtuch. Was sagen Sie zum Aus des Schneesportzentrums Wildhaus?

Roland Rino Büchel: Das war zu erwarten. Immerhin waren die Mitbewerber unter anderem Davos, Andermatt, Lenzerheide, Engelberg Crans Montana und Grindelwald.

Sind die Projekt-Verantwortlichen die Bewerbung für ein nationales Schneesportzentrum richtig angegangen?

Büchel: Das kann ich nicht sagen. Ich bin von den Promotoren nie kontaktiert worden. Es hätte sich lohnen können, denn ich war in den Neunzigerjahren Sponsoring-Leiter von Swiss Ski und setzte das Projekt mit den Käse-Rennanzügen der Skirennfahrer um. Dabei arbeitete ich eng mit Matthias Remund zusammen. Der Jurist ist heute Direktor des Bundesamtes für Sport.

Was bemängeln Sie an der St. Galler Kandidatur?

Büchel: Wer in einem Wettkampf im hinteren Teil des Feldes landet, kann nicht alles richtig gemacht haben. Oder er ist am falschen Rennen an den Start gegangen.

Was hätten Sie anderes gemacht?

Büchel: Es hätte Sinn gemacht, früh genug, mit den richtigen Leuten zu reden und die Chancen realistisch auszuloten. Eine kluge Strategie muss sowohl das Umfeld als auch die Gegner einbeziehen.

Was müssen jetzt die Lehren sein?

Büchel: Offenbar wollten ein paar Leute in einer zu hohen Liga spielen Das Toggenburg ist eine sagenhaft schöne Region mit intakten Entwicklungsmöglichkeiten und richtig <guten> Bewohnern. Darauf muss man setzen und nicht auf realitätsferne Träumereien.

Der Kanton ist die Sache relativ selbstbewusst angegangen. Bereits nach dem ersten Bericht des Bundes gaben die Verantwortlichen dann aber auf. Wie kommt das?

Büchel: Taktisch ist es natürlich richtig, mit gesundem Selbstvertrauen in den Ring zu steigen. Man darf nicht mit einem hängenden Kopf und wie ein Hund mit einem eingeklemmten Schwanz in den Kampf gehen und meinen, so könne man grosse Gegner schlagen. Dass man jetzt das Handtuch wirft, ist richtig. Wer in einem Neunerfeld nur den drittletzten Rang belegt, muss nicht mehr lange <stürmen>. Zur Ehrenrettung der Promotoren möchte ich aber sagen, dass es die St. Galler mit sechs Konkurrenten aufnehmen mussten, die zu den ganz grossen Schweizer Skigebieten gehören.

Kann man nun einfach zur Tagesordnung übergehen?

Büchel: Was soll man schon gross ausrufen? Niederlagen muss man zur Kenntnis nehmen, derart klare besonders.

Wie soll es nun weitergehen?

Büchel: Nicht jammern und die Kandidatur Lenzerheide unterstützen.

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