FIFA zahlt jetzt Steuern in zweistelliger Millionenhöhe
5. Januar 2014
Erschienen in: SonntagsZeitung

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Die Fifa stellt sich zu Unrecht als freiwilligen Steuerzahler dar

Sportverbände wie der Weltfussballverband oder das Internationale Olympische Komitee sollen eine Pauschalsteuer entrichten

von Pascal Tischhauser

Bern Über 17 Millionen Dollar Steuern hat der Weltfussballverband Fifa fürs Jahr 2012 bezahlt. «Freiwillig», wie Vertreter des Verbands in der vergangenen Wintersession mehrfach betonten, als sie bei verschiedenen Parlamentariern im Bundeshaus lobbyierten. Während früher fälschlicherweise behauptet wurde, die Fifa zahle keine Steuern, war in den letzten Jahren bekannt geworden, dass der Sportverband rund eine Million Dollar jährlich an die Staatskasse zahlt.

Nun aber gar 17,052 Millionen Dollar, wie dem Fifa-Finanzbericht zu entnehmen ist. Doch von Freiwilligkeit kann keine Rede sein: Der Weltfussballverband ist nicht steuerbefreit, also muss er Steuern zahlen wie andere Vereine auch. Interessant ist jedoch, dass der in Zürich beheimatete Verband zwar von 2003 bis und mit 2010 immer rund eine Million Dollar Steuern zu berappen hatte, 2011 stiegen die Abgaben an den Staat dann aber plötzlich auf 4,866 Millionen Dollar an, und 2013 erhöhte sich diese Zahl auf über 17 Millionen. Mit Verweis auf ihre Finanzberichte bestätigt die Fifa zwar die Steuerzahlungen, aber wie es zu weit höheren Zahlungen in den letzten Jahren kam, dazu schweigt sie sich aus.

Verlustevents, um Gewinne zu drücken

Im Finanzbericht 2011 erklärt die Fifa dazu lediglich, in den Vorjahren seien nicht alle relevanten Steuern und Abgaben im entsprechenden Kapitel ausgewiesen worden. «Seit 2011 entspricht die ausgewiesene Höhe der Fifa-Steuerlast in etwa der herkömmlichen Vereinssteuer», erläutert die Luzerner Steuerrechtsassistenzprofessorin Andrea Opel. Im Finanzbericht 2011 weise die Fifa explizit darauf hin, gemäss den Bestimmungen für Vereine veranlagt zu werden.

Opel erklärt sich den Sprung wie folgt: Es sei «nicht ausgeschlossen, dass die Steuerbehörden seit 2011 eine andere rechtliche Betrachtung vornehmen als in den Vorjahren». Mit anderen Worten: Die Fifa dürfte sich mit dem Kanton Zürich vor Jahren in einem sogenannten Steuerruling auf gewisse Abgabemodalitäten geeinigt haben, welche von 2010 auf 2011 verändert oder gar abgeschafft wurden.

Opel: «Just in dieser Zeit stand die Fifa wegen ihrer geringen Steuerlast in der öffentlichen Kritik.» Mehrere Insider stützen die Vermutung, dass in dieser Zeit das Übereinkommen verändert wurde. Sie widersprechen der Darstellung der Fifa vehement, dass der Verband «freiwillig» über 17 Millionen in die Staatskasse eingezahlt hat.

Der Fifa-Kritiker und SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel versteht nicht, weshalb sich die Fifa als freiwilliger Steuerspender darstellt: «Ich begrüsse es, dass die Fifa Steuern zahlt.» Es gehe aber nicht an, dass der Verband über Verlustveranstaltungen irgendwo auf der Welt den Gewinn drücke. «Darum werde ich wohl im Parlament einen Vorstoss zur Schaffung einer Pauschalsteuer für internationale Sportorganisationen einreichen.»

So hätten die Fifa und andere internationale Sportverbände wie das Internationale Olympische Komitee jährlich einen fixen Betrag zu entrichten. «Das wäre nicht nur gut für die Staatskasse, sondern auch die Sportverbände stünden weniger in Verdacht, mit ihren Einnahmen korrupte Funktionäre zu unterhalten und dies als ideelles Wirken abzubuchen.»

Publiziert am 05.01.2014

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