Mandela ist tot - zu viele wollen sich in seinem Glanz sonnen, kritisiert Büchel
9. Dezember 2013
Erschienen in: Blick

http://www.blick.ch/news/politik/eine-geschmacklosigkeit-id2566693.html

Die Welt trauert um Nelson Mandela († 95). Weltweit wird der Freiheitskämpfer und erste schwarze Präsident Südafrikas gewürdigt. Nur SVP-Nationalrat  und alt BundesratChristoph Blocher mag da nicht gross mittun – im Gegenteil: «Mandela wird vielerorts etwas überschätzt. Wie das so ist: Wenn einer mal etwas gut gemacht hat, gilt alles, was er so macht, als gut», sagte er auf Teleblocher. Und: «Die Weissen hielten das Land damals sehr in Ordnung», erklärte er zum Thema Südafrika. Die Rassentrennung habe ohnehin auf Gegenseitigkeit beruht (BLICK berichtete).

Blochers Aussagen sorgen für Entrüstung und Unverständnis: «Herr Blocher irrt sich!», sagt der Tessiner FDP-Nationalrat Fulvio Pelli. Pelli ist Co-Präsident der parlamentarischen Gruppe Schweiz-Südafrika. «Mandela war für die Entwicklung Südafrikas sehr wichtig», sagt er.

Was Blocher auf seinem Sender von sich gebe, sei «eine Geschmacklosigkeit». Und das im Moment des Todes ­eines wichtigen Mannes. «Aber Blocher ist unfähig anzuerkennen, dass es in der Welt wichtige Figuren gibt, die nicht denken wie er.»

Kein Blatt vor den Mund nimmt Historiker Georg Kreis: «Natürlich wird nicht der grosse Mandela, sondern der kleine Blocher überschätzt.»

Für Kreis, den früheren Präsidenten der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus, ist klar: «Hier redet jemand, der noch immer das Apartheid-System rechtfertigt. Darin kommt die bekannte Arroganz zum Ausdruck.» Die Behauptung, die rassistische Diskriminierung habe auf Gegenseitigkeit beruht, «ist eine historische Lüge, die Rassismus verharmlost», so Kreis. Das solle man aber auf keinen Fall rechtlich angehen, sondern politisch durch Nichtunterstützung bestrafen.

Grünen-Vizepräsident Jo Lang reagiert verärgert: «Was Mandela hatte, geht Blocher ab: menschliche Grösse! Im Innersten weiss das Blocher. Deshalb versucht er Mandela kleinzumachen.» Als Präsident der Arbeitsgruppe Südliches Afrika habe Blocher zu den «heftigsten Verteidigern des Apartheid-Regimes» gehört. «Immerhin ist Blocher kein Heuchler», sagt Lang. Denn so wie Blocher habe in den 80er-Jahren die Mehrheit der Bürgerlichen gedacht.

Diese Verteidigungslinie nimmt auch SVP-Aussenpolitiker Roland Rino Büchel auf: «Unerträglich sind jene, die sich nach Mandelas Tod in dessen Glanz sonnen wollen», sagt der St. Galler Na­tionalrat und betont: «Blocher hat Mandela auch positiv gewürdigt!» Insgesamt seien seine Aussagen «eine differenzierte und objektive Betrachtung». «Aber», so Büchel, «damit will ich das damalige Regime nicht rechtfertigen.»

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