Arena in Oberriet 1 : 12 mit Minder, Wermuth, Büchel, Hess
19. November 2013
Erschienen in: Der Rheintaler, Rheintalische Volkszeitung und in den div. Online-Ausgaben des St. Galler Tagblatts

www.thurgauerzeitung.ch/ostschweiz/stgallen/rheintal/rt-au/Gegen-Gier-kommt-man-so-nicht-an;art168,3609409

Der Rheintaler: Namen und Notizen

«Gegen Gier kommt man so nicht an»

OBERRIET. Die Schweiz muss ein Zeichen setzen und Gerechtigkeit schaffen, meinten gestern die Befürworter der 1:12-Initiative bei der Podiumsdiskussion in der Schlossgarage Büchel. Die Initiative löst das Problem nicht, wurde entgegnet, besser sei, es mit Statuten statt staatlich zu lösen.

MAX TINNER

Soll die Schweiz in der Verfassung festhalten, dass der höchste in einem Unternehmen ausbezahlte Lohn maximal zwölfmal grösser als der geringste ist? Nächstes Wochenende wird darüber abgestimmt. Darüber gestritten wird seit geraumer Zeit, zuletzt gestern im Schauraum der Schlossgarage Büchel in Oberriet.

Roland Rino Büchel hat mit Cédric Wermuth, Thomas Minder und Claudia Friedl charismatische Bundespolitiker für eine letzte Diskussion ins Rheintal geholt. Ausserdem standen mit Swissmem-Präsident Hans Hess und dem Oberländer Informatikunternehmer Markus Wirrer Wirtschaftsvertreter mit einer pointierten Meinung auf dem Podium.

«Die Idee wäre nicht schlecht»

«Gegen Gier kommt man so nicht an.» Dies sagen sowohl Gegner als Befürworter der Initiative, wobei erstere die Initiative als am Ziel vorbei schiessend meinen, letztere hingegen die heutige Situation ohne eine gesetzliche Lohnvorschrift.

Die der Initiative zugrunde liegende Idee wäre nicht schlecht, meinte Thomas Minder, der Vater der Abzocker-Initiative, die er im Alleingang zum Erfolg geführt hat. Die 1:12-Initiative könne aber leicht umgangen werden, indem Mitarbeiter mit hohen und solche mit niedrigen Löhnen in verschiedene Gesellschaften ausgelagert würden.

«Es geht um Verteilungsgerechtigkeit», sagte Claudia Friedl, «den Leuten brennt das unter den Nägeln.» Ein Verhältnis von 1:12 biete immer noch eine grosse Spanne, betonte sie. Bei einem Geringstlohn von 50 000 Franken in einem Unternehmen erlaube dies immer noch einen Kaderhöchstlohn von 600 000 Franken.

Schon fast freisinnig

«Unser Vorschlag ist da fast schon freisinnig», witzelte Cédric Wermuth. Dass der Schweiz bei Annahme der Initiative gute Führungskräfte verloren gingen, glaubt er nicht: «Manche der besten Leute kommen in den Bundesrat – denen genügen 400 000 Franken im Jahr schliesslich auch, die wollen keine zwei Millionen.»

Bonusoptimierer brauchts keine

Markus Wirrer, der als Unternehmer die Initiative unterstützt, sieht es ebenso: «Die Spitzenverdiener in den Grossunternehmen sind nicht so viel mehr wert als meine Ingenieure.» Und selbst wenn es nach der Annahme der Initiative zu Abgängen in einigen Firmenspitzen käme: «Ich glaube nicht, dass Leute, die nur aufs Portemonnaie schauen, die Schweiz weiter bringen», meinte Wirrer.

Statuten statt staatliche Lösung

«Das gibt's auf der ganzen Welt nicht, dass der Staat ein Lohnverhältnis vorschreibt», meinte Roland Rino Büchel. «Mit der liberalen Wirtschaftsordnung unseres Landes ist es erst recht nicht zu vereinbaren.»

Die vom Volk angenommene Minder-Initiative werde Exzessen durch die Stärkung der Aktionärsrechte einen Riegel schieben, betonte Hans Hess. Dies ist auch für Minder der bessere Weg: «Wir müssen das Problem über Statuten lösen, nicht über den Staat.»

Wenige Tage vor der Abstimmung sind die Meinungen längst gemacht. Dies zeigte sich auch daran, dass aus dem Publikum weniger Fragen denn Meinungsbekundungen kamen. Esther Beyeler Mattle aus Rebstein sei stellvertretend als Befürworterin der Initiative zitiert: «Unmoralisch hohe Löhne gehören weg. Die sind etwas aus Amerika, und dort haben sie auch nicht gut getan. Die Schweiz würde der Welt mit Annahme der Initiative ein Zeichen setzen.»

Für die Gegner der Initiative sei das Votum Patrick Siebers wiedergegeben: «Es ist eine Utopie zu glauben, dass es nach Annahme der Initiative keine Abzocker mehr geben wird. Die wird es immer geben. Die Initiative wird uns aber hindern, uns selbst zu verwirklichen.»

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