Büchel-Kolumne im LEADER: Die Energiewende der Phantasten kostet Milliarden
31. Oktober 2013
Erschienen in: Unternehmermagazin LEADER

Die Energiewende der Phantasten

Wir brauchen heute sechs Mal mehr Strom als 1950. In den nächsten 20 Jahren soll der Verbrauch um 13 Prozent sinken. Ist das möglich? Ja, wenn die Wirtschaft in unserem Land komplett zusammenbricht.

Vor zwei Jahren hat der Bundesrat die „Energiewende“ verkündet. Fangen wir mit dem Positiven an: Aus der Photovoltaik gewinnen wir heute vier Mal mehr Strom als vor wenigen Jahren; die Windräder liefern das Doppelte von damals. Jetzt zur Ernüchterung: Zwei Mal Null gibt Null. Vier Mal Null gibt auch Null. Die beiden hochsubventionierten „Stars“ der Erneuerbaren liefern heute einen Hundertsechzigstel des erzeugten Stroms. Und sie tun es vielfach dann, wenn wir die Energie nicht brauchen.

Bis ins Jahr 2035 soll der Anteil der unzuverlässigen Energie zehn Prozent betragen. Das kostet die Steuerzahler und die Stromverbraucher enorm viel Geld. Bisher haben wir 50 Milliarden in die Förderung der erneuerbaren Energieproduktion gebuttert. Künftig soll noch das Doppelte dazukommen.

Das ist ein Verhältnisblödsinn. Werfen wir einen Blick auf die Effizienz. Nicht auf die theoretische, sondern auf die wirkliche. Dazu dient uns das Beispiel des Atomausstiegs-Musterknaben Deutschland. Dort wurde der Ausbau von Windkraft und Photovoltaik mit unglaublichen Summen gepusht. Darum entstand eine erstaunliche Kapazität.

Heute könnte man mit Wind und Sonne theoretisch weit mehr als ein Drittel der benötigten Strommenge produzieren. Wie viel liefern sie tatsächlich? Einen Zehntel. Weil die Kapazität der Kernenergie auf dem Weg zu ihrer Beerdigung drastisch zurückgefahren wird, müssen die Mütter aller Dreckschleudern einspringen: Kohlekraftwerke liefern aktuell fast die Hälfte der Stromproduktion Deutschlands.

Strom von Velotouren?

Langsam dämmert es auch den Beamten in Bern, dass die Produktionsseite für die „Energiewende“ zu wenig hergibt. Deshalb stellen sie zusammen mit den Bundesrätinnen neu den Verbrauch in den Vordergrund. Der soll radikal runter. Das Dumme dabei ist, dass dies nur auf Kosten des Wohlstands und des Wirtschaftsstandorts Schweiz möglich ist.

Ob solcherlei lästiger Details lassen sich die Stadtgrünen unter den Politikern nicht beirren. Sie amüsieren sich mit amerikanischen Supersportwagen und Luxuslimousinen, die von Batterien angetrieben werden. Dabei lassen sie sich von den Medien als gute Menschen in Szene setzen. So, also ob jener Strom nicht in Kraftwerken, sondern auf ihren Fahrradtouren produziert würde.

Wenn es nur so wäre. Ich bin bisher sieben Mal mit dem Velo vom Rheintal nach Bern an die Session oder zurück gefahren. Dabei bin ich keinem einzigen radelnden Politiker der Grünen begegnet. „Liefere und Lafere“ sind in der Politik zwei verschiedene Paar Schuhe. Für die persönliche Wende bräuchte es halt schon etwas Energie. Manchmal in den Beinen. Und immer im Kopf.

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