Olympia-Nein wegen des schlechten Rufs des IOC? Eher wegen der hohen Kosten und Subventionen, sagt Büchel
6. März 2013
Erschienen in: St. Galler Tagblatt, Appenzeller Zeitung, Der Rheintaler, Wiler Zeitung, Toggenburger Tagblatt, div. Regionalzeitungen

«Gauner und Banditen»

Zwei Tage nach der Olympia-Abstimmung zeigt sich immer deutlicher: Das schlechte Image des Olympischen Komitees gab wohl den Ausschlag für das knappe Nein. Die Promotoren sprechen von einer verpassten «Riesen-Chance».

Jürg Ackermann

bern. So schlimm wie bei der Fifa ist es nicht. Doch mit einem Image-Problem kämpft auch das IOC. Wer will, hat leichtes Spiel, um aus dem zum Teil schwer durchschaubaren Dunstkreis des Olympischen Komitees knackige Schlagzeilen zu produzieren: Brutale Knebelverträge; Funktionäre, die nur an das eigene Wohl und möglichst extravagante Luxus-Herbergen denken; das IOC als Klub von Grossraubtieren, die den Gewinn absahnen und dem Veranstalter das finanzielle Risiko überlassen. «Wir haben die Fremdbestimmung durch das IOC abgewendet», jubelte Silvia Semadeni, Bündner SP-Nationalrätin und prominenteste Olympia-Gegnerin am Sonntag.

Grüne wollen Lehrmeister sein

Für die Promotoren von «Graubünden 2022» ist klar: Die Gegner siegten auch darum, weil sie «auf diesen Vorurteilen endlos herum ritten», wie es Christian Gartmann vom Pro-Komitee formuliert. Ihm seien die Haare zu Berge gestanden, mit welchen Ausdrücken («Gauner und Banditen») IOC–Mitglieder im hitzigen Abstimmungskampf bezeichnet worden seien. «Mit dem Nein vom Sonntag haben wir eine riesige Chance vergeben.» Das IOC habe grosses Interesse an einer Kandidatur Graubündens gehabt.

Tatsächlich: Insbesondere die Reaktionen in Oslo und München deuten darauf hin, wie gut die Chancen für Olympische Spiele in der Schweiz gewesen wären. Die potenziellen Austragungsorte für Olympia 2022 wollten erst die Abstimmung in Graubünden abwarten, um über eine Kandidatur zu entscheiden. Zu aussichtsreich schienen die Chancen von Davos und St. Moritz.

Von «Chancen» sprechen jedoch auch die Sieger des Wochenendes. Das IOC solle aus dem Nein Graubündens lernen und künftig kleinere Brötchen backen, fordert die Grüne Partei. Nationalrat Bastien Girod (ZH) will gar einen Vorstoss einreichen, indem er dem Bundesrat auffordert, mit dem IOC alternative Olympia-Konzepte mit Austragungsorten in mehreren Ländern zu diskutieren.

«Naiv» und  «ahnungslos» sei dies, sagen nicht nur Olympia-Befürworter. «Nach dem Nein von Graubünden den Lehrmeister spielen zu wollen, ist peinlich», meint etwa FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen (BE). «Wir hätten die einmalige Chance gehabt, mit einer Schweizer Kandidatur dem IOC zu zeigen, dass nachhaltige Spiele möglich sind. Doch die linken und grünen Olympia-Gegner wollten diese Verantwortung nicht übernehmen. Stattdessen schieben sie den Schwarzen Peter dem IOC zu.» 

Das schlechte Image des IOC gründet zum Teil in Skandalen der Vergangenheit. So ist seit langem bekannt, dass Salt Lake City die Spiele 2002 nur erhielt, weil es mit Bestechungsgeldern nachhalf.

Das viel grössere Problem sei jedoch gewesen, dass man jetzt schon von einer Milliardensubvention und einer unbeschränkten Defizit-Garantie gesprochen und sich damit den Bedingungen des IOC in voreilendem Gehorsam ergeben habe, sagt SVP-Nationalrat Roland Büchel.  «Weil das IOC offenbar Mühe hat, geeignete Kandidaten zu finden, hätte die Schweiz später aus einer Position der Stärke agieren können.»  

Ruf als Abzocker-Konzern

Das IOC habe nach wie vor ein schlechtes Image «als intransparente und Geld scheffelnde» Organisation», meint auch IOC-Kenner Jens Weinreich. Es sei daher nicht erstaunlich, dass das IOC als «Abzocker-Konzern» wahrgenommen werde und die Leute deshalb gegen Olympische Spiele gestimmt hätten.  

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