Der Schweizerische Fussballverband torpediert die Fifa-Reformen - so scheitert die Selbstregulierung sagt Büchel
10. Februar 2013
Erschienen in: SonntagsZeitung

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Blutgrätsche gegen Fifa

Der Schweizerische Fussballverband torpediert die Fifa-Reformen

von Benno Tuchschmid

Bern Der Schweizerische Fussballverband (SFV) torpediert die Fifa-Reformpläne des Basler Strafrechtsprofessors Mark Pieth. SFV-Präsident Peter Gilliéron hatte Ende Januar eine Erklärung des Europäischen Fussballverbandes (Uefa) mitunterschrieben, in dem die europäischen Verbände die Kernpunkten des nächsten Re- formschrittes abschwächen wollen.

SFV-Sprecher Marco von Ah bestätigt die Unterschrift von Gilliéron gegenüber der SonntagsZeitung. Die Anpassungen würden die Reform massiv aufweichen. In der Erklärung fordern die Uefa-Verbände unter anderem, dass eine Amtszeitbeschränkung nur für den Fifa-Präsidenten, nicht aber für die Mitglieder des Exekutivkomitees gilt. Die Kontinentalverbände sollen zudem die Integritätsprüfung von Fifa-Funktionären selbst vornehmen.

Pieth hält Anpassungen für «einen grossen Rückschritt»

Für Pieth sind diese Vorschläge «undiskutierbar». «Kandidaten für Fifa-Exekutivämter müssen von einer unabhängigen Instanz überprüft werden. Das dürfen die Kontinentalverbände nicht selber tun. Das wäre ein grosser Rückschritt», sagt Pieth. Zwar hatten sämtliche Uefa-Verbände die Erklärung unterschrieben, doch laut Pieth gibt es verschiedene Hinweise, dass die Verbände nicht so einheitlich dastehen, wie es die Uefa vorgebe.

Der Schweizer Fussballverband steht jedoch explizit hinter den umstrittenen Punkten. Pieth wollte sich nicht zum Schweizer Verband äussern, er hält jedoch fest: «Es enttäuscht mich sehr zu sehen, woher die Widerstände gegen die Reformen kommen.»

Die Blutgrätsche des Fussballverbandes hat auch eine innenpolitische Dimension. Das Bundesamt für Sport betrachtet die Fifa-Reform als Modellfall für die Selbstregulierung der Sportverbände. Nun hilft ausgerechnet der Schweizer Verband, diese abzuschwächen. Beim Bundesamt für Sport nimmt man die Unterschrift des SFV zur Kenntnis.

SVP-Nationalrat und Fifa-Kenner Roland Rino Büchel kann über die Unterschrift des SFV nur den Kopf schütteln. «Das zeigt, dass nicht einmal beim Schweizer Verband die Notwendigkeit einer wirklichen Reform gesehen wird. So scheitert die Selbstregulierung.»

In der Fifa tobt der Entscheidungskampf um die Reform. Am Freitag hatte Mark Pieth einen Bericht veröffentlicht, in dem er vor einem totalen Scheitern warnt. Der März wird für die Reform entscheidend: Dann legen die Fifa-Gremien fest, worüber der Verbandskongress am 31. Mai abstimmt. Nebst einer Amtszeitbeschränkung und einer Integritätsprüfung fordert Pieth auch Transparenz bei den Salären und Entschädigungen.

Doch er hat es mit seinen Vorschlägen oft schwer. So wollte er, dass künftig zwei unabhängige Mitglieder im Exekutivkomitee, dem Fifa-Kabinett, einsitzen. Die Fifa sagte Njet. Jetzt soll als Kompromiss Domenico Scala, Vorsteher des Audit- und Compliance-Komitees, bei Finanzfragen als Beobachter teilnehmen.

Publiziert am 10.02.2013

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