Büchel: Fifa-Reformen sollten eine Selbstverständlichkeit sein
9. Februar 2013
Erschienen in: St. Galler Tagblatt, Appenzeller Zeitung, Der Rheintaler, Wiler Zeitung, Toggenburger Tagblatt, div. Regionalzeitungen

Fifa-Chef Blatter soll Gehalt und Boni offen legen

Die Fifa liefert weiter politischen Zündstoff, denn die Reformen kommen nicht voran. Strafrechtsprofessor Mark Pieth fordert nun einschneidende Massnahmen wie Amtszeitbeschränkungen und transparente Löhne.

Jürg Ackermann

Joseph Blatters Auftritt ist noch in bester Erinnerung. Vor versammelter Weltpresse verkündete er im vergangenen Juli, bei der Fifa werde es künftig keine Korruption mehr geben. Die Skeptiker warnten schon damals: Die Reformen seien erst etwas wert, wenn auf die Worte auch Taten folgten.

Sieben Monate später scheinen sie Recht zu bekommen. Vieles deutet daraufhin, dass der von der Fifa eingesetzte Chefermittler Michael Garcia die Aufarbeitung der Vergangenheit nur halbherzig angeht. Mit einer lückenlosen Aufklärung des 140-Millionen ISL-Schmiergeldskandals, bei dem Fifa-Funktionäre involviert waren, rechnet kaum mehr jemand. Auch die von Korruptionsgerüchten begleitete WM-Vergabe an Qatar dürfte kaum aufgearbeitet werden.

Steuerprivilegien fraglich

Das langsame Reform-Tempo hat nun auch Mark Pieth auf den Plan gerufen. Der Anti-Korruptions-Experte hat von der Fifa den Auftrag erhalten, Strukturvorschläge zu erarbeiten. Gestern veröffentlichte er einen Katalog mit brisanten Forderungen.

So sollen Fifa-Präsident und Exekutivmitglieder nicht länger als zwölf Jahre im Amt bleiben dürfen, gleichzeitig sollen sie sich vor Amtsantritt einer Ethikprüfung unterziehen. Zudem soll die Fifa die gemäss Experten sehr hohen Gehälter und Boni für die Exekutiv-Mitglieder offen legen.

Während sich der Weltfussballverband zu den Vorschlägen nicht äussern wollte, stiess Pieth bei Politikern auf offene Ohren. «Diese Reformen sollten für einen Milliardenkonzern wie die Fifa eine Selbstverständlichkeit sein», sagt Roland Büchel (SVP/SG). Letztlich gehe es hier um das Image der Schweiz als Standort vieler internationaler Sportverbände.

Gelinge es Blatter nicht endlich, die angekündigten Reformen voranzutreiben, müssten auch die Steuerprivilegien der Fifa und deren Status als Verein hinterfragt werden.

Blutige Diktatur

Gut möglich, dass diese Haltung angesichts neuer Ungereimtheiten bei der Aufgleisung des Reformprozesses Auftrieb erhält. So hatte Pieth eigentlich den Argentinier Luis Moreno Ocampo als Chefermittler vorgeschlagen, die Fifa wählte dann aber den Amerikaner Michael Garcia.

Die Ernennung von Ocampo, der sich als Strafermittler bei der Aufarbeitung der argentinischen Militär-Diktatur einen Namen gemacht hatte, stiess besonders Julio Grondona, der Nummer 2 der Fifa, sauer auf. Grondona unterhielt als Präsident des argentinischen Verbandes während der blutigen Diktatur gute Beziehungen zu den Generälen. Mit Hilfe von Staatspräsidentin Cristina Kirchner gelang es ihm, Ocampo zu verhindern.

Blatters Charmeoffensive

Derweil versucht Joseph Blatter die politischen Wogen in der Schweiz zu glätten. Noch vor Weihnachten lud er verschiedene Schweizer Europarats-Abgeordnete zum Mittagessen ein, um ihnen zu erklären, dass er keine Zeit habe, um an einem Hearing einer Europarats-Kommission die Korruptionsvorwürfe zu widerlegen.

Andreas Gross (SP/ZH) und Maximilian Reimann (SVP/AG) erklärten daraufhin in eigenen Zeitungsartikeln, es gehe voran mit der Demokratisierung der Fifa. Blatter sei nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung. Beobachter gehen davon aus, dass der Fifa-Chef mit solchen Charme-Offensiven auch den Weg für eine fünfte Amtszeit ebnen will. Bisher hatte der 77-jährige Walliser stets erklärt, er werde 2015 zurücktreten.  

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