Abzockerinitiative - der Gegenvorschlag ist besser
30. Januar 2013
Erschienen in: Der Rheintaler, Rheintalische Volkszeitung

Der Rheintaler: Abzockerinitiative - der Gegenvorschlag ist besser

Ich habe mich im Parlament wie viele Kollegen stark dafür eingesetzt, dass die Abzockerei durch Manager eingedämmt werden kann. Heute liegt mit dem Gegenvorschlag eine sinnvolle Variante auf dem Tisch. Sie ist besser als die so genannte „Abzocker-Initiative“.

Leute überschätzen sich

Machen wir uns nichts vor. Es gibt immer noch Leute, die davon überzeugt sind, dass sie allein durch ihre Arbeitskraft jährlich eine zweistellige Millionensumme „wert“ seien. So musste ich kürzlich einen überheblichen Wirtschafts-Studenten in den Senkel stellen. Der junge Mann schwafelte anlässlich einer Diskussionsrunde an der HSG von einem weltweiten „Krieg um Talente“. Er ist zwar noch grün hinter den Ohren und hat noch keinen Tag in seinem Leben gearbeitet. Trotzdem ist er fest davon überzeugt, dass gerade er ein derart Umschwärmter sei und dass sich die Weltkonzerne bald schon mit hohen Millionensalären um ihn reissen würden.

Die Selbstbedienermentalität einiger Manager schadet

Unternehmen dürfen kein Selbstbedienungsladen für sich masslos überschätzende Typen sein. Entschädigungen müssen immer einen direkten Bezug zum wirtschaftlichen Erfolg einer Firma haben. Die Selbstbedienermentalität einiger Manager schadet sowohl den betroffenen Betrieben als auch der gesamten Wirtschaft.

Es ist deshalb mehr als nur verständlich, dass die „Abzocker-Initiative“ vielen Menschen auf den ersten Blick sympathisch ist. Müsste nicht auch ich für die Initiative sein? Nein, denn sie schiesst am Ziel vorbei. Sie führt zu starren Regeln und zu teuer Bürokratie. Und sie schwächt unseren Standort Schweiz – auch eine gesunde Region, die von derartigen Übertreibungen nicht direkt betroffen ist, nämlich unser Rheintal.

Keine Scheinlösungen

Ich will keine Scheinlösungen. Ich will durchdachte Handlungen gegen die Abzocker. Um diese möglich zu machen, müssen wir nicht den Staat stärken, sondern die Eigner der Betriebe. Genau das bewirkt der Gegenvorschlag. Er führt zu mehr Transparenz und zu griffigen Massnahmen. Es ist mit der Lösung des Parlaments zum Beispiel einfacher möglich, Boni zurückzufordern. Doch diese sinnvolle Teilrevision des Aktienrechts wird nur in Kraft treten, wenn die Initiative abgelehnt wird.

Damit wir uns richtig verstehen; es ist ein grosses Verdienst des Initianten Thomas Minder, dass das leidige Thema politisch behandelt wurde und wird. Der Schaffhauser ist Teil unserer SVP-Bundeshausfraktion. Als Mitglied des Vorstands kann ich klar sagen: Er ist ein fleissiger Ständerat und ein Kämpfer, der seine Arbeit seriös erledigt. Ich komme sehr gut mit ihm aus.

Warum sage ich nein?

Seine Initiative jedoch hat drei Hauptprobleme: Erstens schiesst sie mit ihren 24 starren Verfassungsartikeln in einigen Punkten über das Ziel hinaus. Zweitens verursacht sie viel unnötige Bürokratie in den Unternehmungen. Drittens würde es bis zur Umsetzung Jahre dauern – der Gegenvorschlag hingegen würde sofort zum Gesetz.

Aus all diesen Gründen bin ich überzeugt, dass am 3. März 2013 ein Nein zu einer besseren Lösung des Abzockerproblems führt.

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