Olympia 2022? Die Euphorie im Rheintal ist klein
9. November 2012
Erschienen in: Der Rheintaler, Rheintalische Volkszeitung

Olympia und wir? - Euphorie ist klein

Der Bundesrat unterstützt eine Olympia-Kandidatur Graubündens für das Jahr 2022. Der Anlass hätte Auswirkungen auf das Rheintal, sagte die St. Galler Regierung neulich. Nur: Welche? Ansichten und Hypothesen zweier Politiker, eines Touristikers und eines Flughafenchefs.

SAMUEL TANNER

Noch existiert «Graubünden 2022» erst in den Köpfen und auf Werbeflyern, der Anlass ist noch weit weg – weit weg vom Rheintal sowieso.

Und doch hat die St. Galler Regierung an ihrer Landsitzung neulich in Oberriet darüber diskutiert. Vor den Medien sagte Regierungsratspräsident Martin Gehrer: «Gerade das Rheintal könnte von diesem Grossanlass betroffen sein, etwa bezüglich Verkehr.» Ein weiterer Aspekt ist der Tourismus, aber den erwähnte Gehrer nicht.

Ein Rheintaler, der sich bereits dieser Tage um die Idee von Olympia im Bündnerland kümmert, ist Roland Büchel. Der SVP-Nationalrat ist in verschiedenen Zeitungen als Kritiker aufgetreten. Vor allem, was das Vorgehen des Bundesrats angeht. Dieser lässt sich zur Milliardenvorlage nur im Eiltempo vernehmen. Büchel sagt: «Es geht einfach nicht an, dass der Bundesrat so viel Geld ausgibt und sich das Volk nicht via Referendum dazu äussern kann.»


Das Parlament ist kein Fanclub

Roland Büchel gilt als äusserst sportbegeistert, dennoch kritisiert er scharf. Warum? «Das Parlament ist kein Fanclub», sagt er.

Wenn er mögliche Auswirkungen dieser Winterspiele auf unsere Region abschätzen soll, ist Büchel genau so kritisch. Er sagt: «Ich denke nicht, dass uns der Anlass mehr betrifft als andere Regionen in der Schweiz. Der Verkehr würde wohl via die Achse Zürich–Sargans–Chur fliessen.» Büchel glaubt, dass Anlässe dieser Art generell verherrlicht werden. So sagt er auch: «Die Chance, dass viele Olympia-Besucher im Rheintal absteigen, erachte ich als klein.» Zumal bei solchen Anlässen oft viele Hotels zwar blockiert, aber nicht belegt seien. Der Sportmanager spricht aus Erfahrung – er hat Spiele wie die in Lillehammer intensiv begleitet.

Impuls wäre wohl klein

Ein Mann mit Erfahrung in Sport und Tourismus ist Urs Steiger. Er leitet den Reisetreff Steiger in Altstätten, der gleichzeitig auch das Tourismusbüro für die Region Altstätten ist. Zudem ist er im Regionalfussball engagiert. Steiger ist in vielen Punkten mit Büchel einig.

Er sagt: «Ich bin skeptisch. Unsere Region ist touristisch nicht sehr attraktiv – vor allem wenn es regnet.» Wenn Leute in Rheintaler Hotels absteigen, sind dies zu einem grossen Teil Geschäftsleute, sagt Steiger. «Der Impuls solcher Spiele wäre sicher sehr überschaubar.»

Noch sind sie zwar weit weg, die Olympischen Spiele. Vielleicht hilft es aber, andere Grossanlässe als Vergleich heranzuziehen.

Etwa das World Economic Forum WEF in Davos. Da gibt es jeweils Schlagzeilen, wenn superreiche Russen in Altenrhein landen. «Aber von dem Anlass spüren wir bezüglich Übernachtungen überhaupt nichts», sagt Urs Steiger. Er nennt noch ein weiteres Beispiel. Die Gymnaestrada 2011 in Dornbirn. Die Vorarlberger Gemeinden profitierten damals stark; auch das St. Galler Rheintal wollte ein Stück vom Kuchen. Aus dem Grund kreierte Steiger im Auftrag der Stadt Altstätten ein Angebot. – Sie nannten es Päckli: Tagesausflüge inklusive Führungen in der Region.

Ausbau des Flughafens?


«Raten Sie mal, wie viele sich da angemeldet haben?», fragt Steiger und erwartet keine Antwort. Null! Null Anmeldungen.

Müssten Büchel und Steiger zwischen ihre nüchternen Aussagen einen Hauch Begeisterung streuen, er würde den Flughafen Altenrhein betreffen. «Für ihn könnte sich so sein Anlass am ehesten lohnen», sagt etwa Roland Büchel, der Nationalrat.

Thomas Ammann sieht es ähnlich. Er ist Präsident des Vereins St. Galler Rheintal und sagt: «Um in der Sparte Tourismus zu profitieren, sind wir wohl zu weit weg. Was den Verkehr angeht, könnte uns Olympia 2022 aber betreffen.» Zumindest den Flughafen.

Wäre das vielleicht die optimale Chance für einen Ausbau? – Angetrieben von der Euphorie der begeisterten Massen? Finanziert von den zusätzlich im Rheintal landenden Personen? Armin Unternährer, Geschäftsführer am Flughafen in Altenrhein, winkt ab. «Aufgrund eines einmaligen Ereignisses würden wir keinen Ausbau machen.»

So passt an dieser Stelle ein abgeändertes Zitat von Roland Büchel: Das Rheintal ist kein Fanclub.

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