Kritische Stimmen zur Olympia-Milliarde
6. September 2012
Erschienen in: Schweizer Radio DRS 1, diverse Regionalradios

Heute Morgen brache DRS 1 einen gut recherchierten Beirag zu den Olympischen Spielen 2022 und die Kandidatur von St. Moritz/Davos. Verschiedene Regionalradios platzierten das Thema "Olympische Winterspiele"" ebenfalls prominent im Programm:

Der Bundesrat beschloss gestern, für die Kandidatur 30 Millionen zu sprechen (von insgesamt 60) und für die allfällige Durchführung einerseits 250 Millionen "Sicherheitskosten" zu übernehmen und zusätzlich eine Milliarde Franken als "Defizitgarantie" zur Verfügung zu stellen.

Der Entscheid wird vom Parlament im nächsten Jahr getroffen. Im März 2013 werden der Kanton Graubünden und die beiden Gemeinden St. Moritz (5 Millionen Kostenbeteiligung an der Kandidatur) und Davos entscheiden, ob sie die Spiele wollen oder nicht:

Ich stehe Olympischen Winterspielen grundsätzlich positiv gegenüber. Zu den Finanzfragen (Gesamtbudget Stand heute: 4.5 Milliarden Franken) braucht es noch überzeugende Antworten. Sonst werde ich im Parlament nicht zustimmen können. 

SR DRS: Kritische Stimmen zur Olympia-Kandidatur

Kritische Stimmen zur Olympia-Milliarde

Die Schweiz träumt von Olympischen Winterspielen 2022 in Graubünden. Eine Milliarde Defizitgarantie hat der Bundesrat zugesagt. Politisch ist diese Staatsgarantie aber noch nicht im Trockenen.

Von Bundeshausredaktor Dominik Meier

Klein aber fein sollen die Winterspiele 2022 im Bündnerland sein, das erklärte Sportminister Ueli Maurer am Mittwoch vor den Medien. Er selbst ist einer der grössten Fans der Kandidatur von St. Moritz und Davos. Es reize ihn persönlich erklärte er. «Es wäre wirklich eine Chance so etwas zu machen.».

Wenn es klappt mit der Kandidatur, möchte der Bundesrat eine Milliarde garantieren. Hinzu käme aber noch Geld für die Sicherheit sowie für Strassen- und Schienenprojekte. Das tatsächliche Total für den Bund und somit für alle Schweizer Steuerzahler, kann Maurer noch nicht beziffern. Es mache keinen Sinn, heute im einzelnen Zahlen zu servieren. Das seien Kostenschätzungen, die man weiter verdeutlichen müsse, so Maurer.

Kritische Stimmen aus der SVP
Das Parlament wird über die Gelder für Olympia entscheiden. Sowohl über die 30 Millionen für die Kandidatur als auch über die Defizitgarantie für die Spiele selbst. Unumstritten ist die Sache im Bundeshaus nicht. Die Linke ist generell skeptisch gegenüber Olympia. Und selbst in der Partei von Bundesrat Maurer gibt es Kritiker:

Er sei «sehr kritisch», sagte SVP-Nationalrat Roland Büchel gegenüber Schweizer Radio DRS. Eine Milliarde sei schon sehr viel, da werde man gut erklären müssen, wie sich die zusammensetzt.

Büchel ist Sportmanager und er ist ein Kenner und Kritiker des Internationalen Olympischen Komitees IOC. «Das IOC macht den grossen Gewinn und die Veranstalter tragen die Kosten», gibt Büchel zu bedenken. Hier müsse sich etwas bewegen.

Wer ja sagt muss auch zahlen
Keine Illusionen diesbezüglich macht sich FDP-Nationalrat und Sportpolitiker Christian Wasserfallen. Er unterstützt die Geldversprechen des Bundesrats. Diese Milliarde sei eben das grosse Bekenntnis des Bundes zu Olympia 2022. «Es ist vermessen zu behaupten, man könne Grossanlässe durchführen, ohne dass die Steuerzahler etwas beitragen müssen.»

Die Meinungen sind auch im bürgerlichen Lager noch geteilt. Es ist auch noch früh: Anfang März nächsten Jahres entscheiden zunächst die Bündner an der Urne, ob sie eine Kandidatur überhaupt wollen. Erst nach einem Bündner Ja müssen die Politiker im Bundeshaus Farbe bekennen. (luek)

 

Hier ein weiterer Bericht auf DRS 1, Zahlen und Fakten sind darin gut zusammengefasst:

Bundesrat unterstützt Bündner Olympia-Kandidatur

Der Bundesrat ist bereit, die Kandidatur von Davos und St. Moritz für die Olympischen Winterspiele 2022 mit 30 Millionen Franken zu unterstützen. Das entspricht der Hälfte der Kosten für die Kandidatur.

Der Bundesrat hat das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) beauftragt, eine Botschaft für eine Schweizer Kandidatur auszuarbeiten. Nach allen Abklärungen zum Projekt "Olympische Winterspiele 2022 Davos/St. Moritz" bejahe der Bundesrat die Machbarkeit.

Keine gigantischen Spiele
Der Bundesrat ist laut Sportminister Ueli Maurer überzeugt, dass olympische Winterspiele für die Schweiz eine grosse Chance wären. "Gigantische Spiele" möchte der Bundesrat aber nicht.

"Wir können nur eine Alternative zum Gigantismus bieten", sagte Maurer vor den Medien in Bern. Es würde sich um eine Abkehr von den bisherigen Konzepten handeln. Die Spiele müssten in jeder Beziehung nachhaltig sein. Es gelte, neue Ideen zu entwickeln, "weg von diesem Gigantismus".

Bund mit Defizitgarantie
Sollten die Spiele tatsächlich im Bündnerland stattfinden, würden Kosten von rund 4,5 Milliarden Franken auf die Schweiz zukommen. Davon entfallen rund 2,8 Milliarden Franken auf die Spiele selbst und rund 1,7 Milliarden Franken auf Investitionen in die Infrastruktur wie Stadien.

Die Einnahmen würden jedoch lediglich 1,5 Milliarden Franken betragen. Der Bundesrat wäre bereit, das Defizit mit einer Milliarde Franken decken zu helfen. Wie viel der Bund zu den Investitionsausgaben beitragen würde, lässt das VBS offen. (inap, sda)

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