Europarat rügt die Fifa und übt Kritik an den Millionen-Boni von Blatter & Co.
25. April 2012
Erschienen in: 20 Minuten, Aargauer Zeitung, diverse Zeitungen

Dem internationalen Fussballverband Fifa droht Ärger: Wie verschiedene Medien berichten, will der Europarat untersuchen, ob Sepp Blatter bei seiner letzten Wahl zum Fifa-Chef seine Befugnisse «genutzt habe, um unfaire Vorteile für sich selbst oder potenzielle Wähler zu erhalten».

«Die Führung der Fifa und ihr Präsident haben nicht viel getan, um die Schuldigen zu identifizieren und zur Rechenschaft zu ziehen», sagte der Berichterstatter der Versammlung, der konservative Franzose Francois Rochebloine. Er habe im Gegenteil den Eindruck, dass bei der Fifa «eine Art Gesetz des Schweigens verhängt wurde».

Wie die «Rundschau» des Schweizer Fernsehens herausgefunden hat, soll sich die Spitze um Sepp Blatter Boni in Millionenhöhe ausbezahlt haben - und das trotz der anhaltenden Kritik an der Gehaltspolitik bei der Fifa, die als Verein gilt. 2011 sollen 29,5 Millionen US-Dollar an die leitenden Organe ausbezahlt worden sein. Davon würden rund 35 der höchsten Funktionäre profitieren.

Die Boni bezeichnet die Fifa selber als «kurzfristig fällige Leistungen». Diese knapp 30 Millionen Dollar sollen der Fifa-Spitze aber nicht reichen. Zusätzlich kassieren sie ausserordentliche Zahlungen an die Pensionskasse.

Wie viel davon direkt an Blatter geflossen ist, ist unklar. Offiziell ist das Fifa-Präsidium ein Ehrenamt. Blatter selbst beziffert seine «Spesenentschädigung» gern so: «Eine Million im Jahr, vielleicht ein bisschen mehr.»

«Die Schweiz hat zu lange zugeschaut»

In einem scharfen Kontrast zu diesen Boni- (oder Spesen-) Zahlungen stehen die 2011 bezahlten Steuern der Fifa. Dass die Fifa als Verein und damit als «nicht gewinnorientierte Organisationen» geführt wird, passt manchen Politikern ganz und gar nicht.

So fordert der ehemaligen Fifa-Marketing-Mitarbeiter und heutigen SVP-Nationalrat Roland Büchel in der «Rundschau» eine Abschaffung der daraus resultierenden Steuervorteile für die Fifa: «Die extremen Steuervorteile für die Fifa als Milliardenkonzern sind nicht mehr zeitgemäss. Die Schweiz hat hier zu lange zugeschaut und muss jetzt handeln.»

Wie die «Rundschau» weiss, weist die Fifa für das Jahr 2011 in ihrem Finanzbericht 4,8 Millionen «Steuern und Abgaben» aus. Würde sie als Unternehmen besteuert, müsste sie massiv mehr von ihrem Milliardenumsatz an den Staat bezahlen. Der Anti-Korruptions-Experte Mark Pieth berät die Fifa zur Zeit, wie sie Korruption und Vetternwirtschaft intern ausmerzen soll.