Blatter: Charmeoffensive bei der Politik und Besuch in Bern
20. November 2011
Erschienen in: Der Sonntag

Sepp Blatter hat in diesen Tagen eine einmalige "Charmeoffensive" gestartet. Und zwar sowohl in der Politik als auch in der Öffentlichkeit. Die Zeitung "Sonntag" berichtet über den Anlass des Fifa-Präsidenten mit National- und Ständeräten, der am 6. Dezember 2011 stattfinden wird.

Die Zeitung fasst die Vorstösse zum Thema "Internationale Sportverbände" zusammen. Leider ist der Journalist nicht überall auf dem neuesten Stand. Sonst hätte er nicht nur das geschrieben:

"Neben Steuern bringen die Vorstösse Bestechung, Korruption und Wettkampfmanipulation aufs Tapet. Eingereicht wurden sie von links wie rechts. SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel (SG) etwa verlangt in seiner Motion «Korruptionsvorwürfe und Wettkampfmanipulation im Sport» vom Bundesrat Massnahmen gegen Missstände im organisierten Sportbetrieb. Sie wurde von 60 Parlamentariern unterzeichnet und der Bundesrat beantragt, sie anzunehmen."

Er hätte dann auch gewusst, dass der Nationalrat die "Motion Büchel" einstimmig annahm und der Ständerat sie in einem fast unglaublichen Entscheid abgelehnt und am 27. September 2011 durch ein eigenes Postulat ersetzte.

Im Klartext: Der Ständerat will den Bericht über die Korruption und die Wettmanipulationen im Sport erst auf Ende 2012, also ein Jahr später als verlangt und notwendig, erstellt haben.

www.sonntagonline.ch/ressort/nachrichten/1978/

Schweizer Politik
Von Othmar von Matt
   

Der Druck aus der Politik auf die Fifa wächst. Das zeigen diverse hängige Vorstösse im Parlament. Fifa-Präsident Joseph S. Blatter reagiert – und hat nun eine Task-Force Politik eingesetzt.

Das Sport-Gipfeltreffen findet am 6. Dezember statt. Swisslos lädt im Rahmen der Wintersession ein – und alle kommen: Sportminister Ueli Maurer, Matthias Remund, Direktor des Bundesamts für Sport, und hundert Parlamentarier.

Auftreten wird auch Fifa-Präsident Joseph S. Blatter, wie er im Gespräch mit dem «Sonntag» bestätigt: «Ich bin eingeladen, wurde angefragt, ob ich vor hundert Parlamentariern sprechen könne». Das mache er gerne, sagt Blatter. «Ich möchte aber nicht nur sprechen, sondern stehe auch für Fragen und für den offenen Dialog zur Verfügung.»

Zweifellos wird Blatter Fragen zu den diversen Vorstössen beantworten müssen, die zurzeit im Parlament hängig sind. «Wir verfolgen diese Vorstösse sehr genau», sagt er. «Wir haben eine Task-Force Politik eingesetzt und besprechen uns mit Bundesrat Ueli Maurer und Amtschef Matthias Remund.»

Blatter koordiniert sein Vorgehen mit den internationalen Sportverbänden und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOK), da die Frage, ob diese Verbände doch Steuern zahlen müssen, zu einem wichtigen Thema auf der politischen Ebene werden könnte.

Neben Steuern bringen die Vorstösse Bestechung, Korruption und Wettkampfmanipulation aufs Tapet. Eingereicht wurden sie von links wie rechts. SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel (SG) etwa verlangt in seiner Motion «Korruptionsvorwürfe und Wettkampfmanipulation im Sport» vom Bundesrat Massnahmen gegen Missstände im organisierten Sportbetrieb. Sie wurde von 60 Parlamentariern unterzeichnet und der Bundesrat beantragt, sie anzunehmen.

Büchel hat sich auch in der Fragestunde des Nationalrats nach Massnahmen im Zusammenhang mit den Korruptionsvorwürfen an die Fifa erkundigt.

SP-Nationalrätin Anita Thanei (ZH) will via Parlamentarische Initiative die internationalen Sportdachverbände rechtlich den internationalen Organisationen gleichstellen. Und SP-Nationalrat Carlo Sommaruga (GE) will mit seiner Parlamentarischen Initiative «Fifa: Bestechung von Privatpersonen als Offizialdelikt» eine Änderung des Strafrechts.

Die Ereignisse im Umfeld von Fifa und Uefa, die im Herbst 2010 bekannt geworden seien, taxiere er als «beunruhigend», antwortete der Bundesrat auf Büchels Frage zu Massnahmen in Sachen Korruption bei der Fifa.

«Er geht davon aus, dass die betroffenen Sportverbände alles unternehmen werden, um diese Vorwürfe zu klären. Als Gaststaat von zahlreichen internationalen Sportverbänden hat die Schweiz ein besonderes Interesse, dass gegen illegale Machenschaften im Zusammenhang mit Sportveranstaltungen bzw. Sportverbänden auf allen Ebenen vorgegangen wird.» Und das Bundesamt für Sport arbeitet zurzeit an einem Bericht zu Korruption und illegalen chinesischen Sportwetten. Er soll bis Ende 2012 vorliegen.

Blatter will auch die Öffentlichkeit verstärkt darauf sensibilisieren, was die Sportverbände in der Schweiz bewirken. «Wir entwickeln eine Strategie, um Schweizern mit der Stimme aller Sportverbände zu erklären, was wir hier machen», betonte er in der «Aargauer Zeitung». «Wir schaffen Arbeitsplätze, fördern den Tourismus.» Und: Blatter verteidigt den Standort Schweiz. Dieser sei «ein Paradies, ein sicherer Standort».

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