Millionen des Fifa-Finanzchefs - Spuren führen zu Kantonalbank-Tochter; Büchel will vorwärtsmachen
19. November 2011
Erschienen in: St. Galler Tagblatt, Appenzeller Zeitung, Thurgauer Zeitung, Regionalzeitungen

Gemäss Anschuldigungen der Justiz seines Heimatlandes Argentinien versteckt Fifa-Vizepräsident und Finanzchef Julio Grondona 26 Millionen Franken auf der HypoSwiss Privatbank AG. Das ist eine Tochter der St. Galler Kantonalbank, die mehrheitlich der St. Galler Bevölkerung gehört. Diese Geschichte wirft Fragen auf, die in St. Gallen gestellt werden müssen.

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Die Nummer zwei des Weltfussballs, der Argentinier Julio Grondona, hat laut Justiz Dutzende Millionen Dollar auf Auslandkonten versteckt. Gelder sollen vor allem auf Schweizer Konten liegen, am meisten bei der Hyposwiss Privatbank.

THOMAS GRIESSER KYM

«Es geht um den Ruf unseres Landes.» Das sagt der St. Galler SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel. Er ist nicht nur Politiker, sondern auch Sportmanager und Vorreiter im Kampf gegen die Korruption beim Fussball-Weltverband.

Büchel spielt auf den Fall des Argentiniers Julio Grondona an. Der 80-Jährige ist hinter Sepp Blatter Erster Vizepräsident der Fifa und Chef von deren Finanzkommission. Die argentinische Justiz verdächtigt Grondona, im Ausland mutmassliche Schwarzgeldkonten im Umfang von mindestens 72 Mio. $ zu unterhalten. Staatsanwältin Viviana Beatriz Fein bereitet Rechtshilfegesuche vor, um Informationen zu erlangen über ein Dutzend dieser Konten – die meisten in der Schweiz. Beim Bundesamt für Justiz ist laut Sprecher Folco Galli noch kein Rechtshilfegesuch eingegangen.

Millionen und eine «Kuriosität»

Laut Journalist und Fifa-Experte Jens Weinreich liegt mutmassliches Schwarzgeld auf Konten bei Credit Suisse First Boston, UBS, Vontobel, der Vaduzer Centrum Bank und der Zürcher Hyposwiss Privatbank, Tochter der St. Galler Kantonalbank (SGKB). Einsehbare Kontoauszüge lauten unter anderem auf eine Firma Kellog Development Inc. Berechtigte sind Grondonas Sohn und Tochter.

Auf diesem Konto liegt laut den Angaben die grösste Summe. Mit Datum 9. Dezember 2010 ist ein Saldo von 14,4 Mio. Fr. ersichtlich. Dazu kommen 11,7 Mio. Fr. Treuhand-Festgeldanlagen. Das sind kurzfristige Gelder mit Laufzeiten von bis zu zwölf Monaten, welche die Hausbank in ihrem Namen, aber auf Rechnung und Risiko des Kunden bei Grossbanken plaziert.

Das venezolanische Internet-Magazin analitica.com berichtet dabei, gestützt auf einen früheren Kompagnon Grondonas, von einer «Kuriosität»: 2009 sei bei der UBS ein Kellog-Konto, lautend auf Grondonas Kinder, mit 1,4 Mio. Fr. saldiert und zur Hyposwiss transferiert worden. Erst danach seien weitere 13 Mio. Fr. plus das Festgeld dazugekommen.

Büchel äussert die Vermutung, der jüngste Geldstrom könnte zu tun haben mit mutmasslichen Bestechungsgeldern, deren Annahme Grondona im Zusammenhang mit den WM-Vergaben an Russland (2018) und Qatar (2022) verdächtigt wird.

Büchel will vorwärtsmachen

Die SGKB gibt keinen Kommentar ab: «Aufgrund des Bankkundengeheimnisses können wir weder zu potenziellen noch zu bestehenden Kundenbeziehungen Auskunft geben», sagt Sprecher Simon Netzle.

Büchel bereitet Sorgen, dass die Mutter der Hyposwiss eine Staatsbank ist: «Da werden vor allem im Kanton St. Gallen Vorstösse laufen müssen, damit definitiv abgeklärt wird, ob das sauber ist oder nicht. Ich werde dafür sorgen, dass das passiert.»

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