Roland Rino Büchel spricht zum 1. August
1. August 2011

Lesen Sie hier die Rede zum 1. August, die ich in Rheineck SG hielt. Die Ansprachen an einem kleineren Anlass in Oberriet und vor rund 200 Gästen beim Sonnensee-Camping in Kriessern waren leicht angepasst, inhaltlich jedoch sehr ähnlich: 

 

Liebe Gäste,

Wir feiern heute hier in Rheineck den Geburtstag der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Unser Land wird 720 Jahre alt.

Der 1. August steht hier unter dem Motto der vier Kennworte:

- Ansichten
- Einsichten
- Durchsichten
- Begegnung bewegt

Fangen wir mit dem letzten Stichwort an:

- Begegnung bewegt

Heute feiern die Schweizerinnen und Schweizer an hunderten, ja tausenden Orten, irgendwo in der Schweiz. Überall in unserem Land begegnen sich Menschen. Aber nicht nur hier, sondern auf der ganzen Welt.

 

Schweizer im Ausland

Fast 700‘000 Schweizerinnen und Schweizer leben im Ausland.

Schauen wir darum über die Grenze. Nicht nach Gaissau, sondern ein paar tausend Kilometer weiter. Zum Beispiel nach Winnipeg in Kanada. Dorthin wanderte Donat Büchel, der älteste Sohn vom „Schneider Büchel“ aus Oberriet vor 49 Jahren aus. Seine Mutter Lina Büchel wurde heute 98 Jahre alt. Donat und seine Frau Heather sind in diesen Tagen zu Besuch im Rheintal und heute Mittag natürlich auch am Geburtstagsfest der rüstigen „Oma Büchel“ gewesen.

Oder ein anderes Beispiel, aus dem Norden Argentiniens.

Ich habe den 1. August 1991 noch in bester Erinnerung. Damals arbeitete ich auf der schweizerischen Botschaft in Buenos Aires. Am 31. Juli fuhr ich während mehr als 23 Stunden mit einem alten, klapprigen Bus durch die fast endlose argentinische Pampa in die Provinz Santa Fe.

In Argentinien wohnen fast so viele Nachfahren von Schweizer Auswanderern wie das ganze Rheintal Einwohner hat.

In einem Dorf, es heisst Romang, kamen die Leute zur 700-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft zusammen. Die Schweizer leben dort zum Teil schon in der vierten oder fünften Generation. An einem riesigen Volksfest trafen sich mehr als 2‘000 Menschen.

Das ist ganz typisch. Je weiter weg die Schweizer leben, desto inniger sind sie mit ihrer Heimat verbunden.

Warum waren die Ururgrossväter und die Urgrossmütter der Argentinien-Schweizer aus dem Wallis, dem Berner Oberland, dem Tessin, der Innerschweiz, aber auch aus dem Rheintal und aus dem Vorarlberg ausgewandert?

Die allermeisten von ihnen litten Not, ihre Grossfamilien waren arm und hatten hier zu wenig zu essen.

Sie waren bei uns „armengenössig“ und manch einer bekam von der Heimatgemeinde ein Billet Schweiz – Argentinien einfach. Man wollte die fürsorgeabhängigen Familien los haben.

Die Nachfahren von den Familien Schegg und Gächter aus dem Rheintal haben heute Vornamen wie Pablo, Juan, José, Juanita und Marcela.

Die meisten von ihnen leben auch heute noch in ganz einfachen Verhältnissen. Trotzdem schmücken sie ihre Dörfer in der Provinz Santa Fe mit viel Liebe zum Detail und feiern jeweils am 1. August den Geburtstag ihrer Heimat, der Schweiz. Das ist nicht nur in Südamerika so. Die Schweizer kommen auf der ganzen Welt zusammen, um den 1. August zu feiern. Manchmal redet ein Politiker, manchmal jemand anders und manchmal niemand. Das spielt gar keine Rolle.

Jedes Fest wird anders organisiert. Manchmal spontan, manchmal hat es eine lange Tradition. Doch im Mittelpunkt steht immer

- die Begegnung, das Zusammenkommen und Zusammensein.

Ist das auch so, wenn die anderen rund 200 Staaten, die es auf dieser Erde gibt, ihren nationalen Feiertag begehen? – Bei weitem nicht. Die Leute sind dort vielfach Statisten für Staatschefs, die sich bejubeln und beklatschen lassen.

Nehmen wir einmal Frankreich. Der Nationalfeiertag der „Grande Nation“ liegt gut zwei Wochen zurück. Die Franzosen feiern jeweils am 14. Juli den Tag der französischen Revolution, den berühmten „Quatorze Juillet“.

Was gibt es dort? Wie sieht das aus? Wie läuft der „Quatorze Juillet“ ab?

Eine abgesperrte Prachtstrasse Champs Elysées in Paris, stundenlange Défilés von Militär und Marine, eine grosse Rede des Staatspräsidenten, Tribünen mit sieben verschiedenen Kategorien von Ehrengästen und, und, und…

Mit viel Prunk und noch mehr Geld wird staatliche Macht demonstriert.

Und die Bürger Frankreichs? Die dürfen stundenlang hinter den Abschrankungen stehen, den Reden zuhören, applaudieren und – wenn sie den Oberen genug gehuldigt haben, schön brav wieder nach Hause gehen.

Das ist nicht nur in Frankreich so. Sondern in den meisten Ländern, die zentral regiert werden.

Ich bin sehr froh, dass wir bei uns ein anderes Verständnis für unseren Nationalfeiertag entwickelt und unseren Staat anders organisiert haben - föderalistisch, von unten nach oben. Das passt zum nächsten Stichwort, nämlich

- Ansichten.

Gestern traf ich bei einem Brunch auf einem Wildhauser Bauernhof einen Franzosen. Er hat den „Quatorze Juillet“ und den 1. August miteinander verglichen. Und es so auf den Punkt gebracht:

„Wenn ich sehe“, hat er mir gesagt, „wie sich unser Staat entwickelt hat, dann frage ich mich manchmal, wozu die französische Revolution vom 18. Jahrhundert gut war. Die politische Elite verhält sich in Frankreich heute ähnlich abgehoben wie die Könige im Schloss Versailles vor dem 14. Juli 1789.

Dabei ging es bei der Revolution um die Freiheit und um die Gleichheit der Menschen“, hat er fast traurig angefügt.

Dann zeigte er zum nächsten Festbank und sagte: „Hier in der Schweiz sitzt ein Bundesrat (es war Ueli Maurer) mitten unter den normalen Leuten.“

„Weisst Du?“, fragte er mich, „wie viele Sicherheitskräfte aufgeboten wurden, als unser Präsident Sarkozy vor ein paar Tagen eine Tour-de-France-Etappe besuchen wollte? – 800 Polizisten nur für ihn, seine Frau und sein Gefolge! Am Schluss war er wegen der Euro-Krise nicht einmal dort.“

Schöner und deutlicher als Jean-Pierre kann man kaum zeigen, wo die Unterschiede zwischen den beiden Nationalfeiertagen liegen. Darum möchte ich weiter gehen und einen Blick auf die Geschichte der Eidgenossenschaft werfen. Das dritte Stichwort heisst nämlich

- Durchsichten.

Schauen wir uns dazu ein paar Daten an.

 

August 1291

Die Geburtsstunde der Eidgenossenschaft ist der 1. August 1291. Damals waren unsere drei Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden stark bedroht. Man wollte den einfachen Menschen die Freiheit nehmen.

Man wollte sie bevormunden, ihnen von aussen her vorschreiben, was sie zu tun (und zu lassen) hätten. Daraufhin sind die Leute zusammengestanden. Sie leisteten einen Schwur auf einen Freiheitsbrief. Darin heisst es:

Wir wollen unser Schicksal selber bestimmen. Wir dulden weder fremde Richter noch irgendwelche Herrscher, die sich über uns stellen.

Hat jemand von Ihnen den Bundesbrief in der Vitrine vom Bundesbriefmuseum in Schwyz? – Er ist ein bisschen grösser als eine A-4-Seite. In 17 Zeilen klärten unsere Vorfahren die wichtigsten Fragen.

Im Sommer 1291 konnten die Innerschweizer Bauern noch nicht wissen, was ihr kleines Stück Pergament auslösen würde.

Zum Beispiel die beiden grossen Unabhängigkeitskriege von

- Morgarten (1315)
- Sempach (1386) .

Dort gab es die bekannten Heldengeschichten, wie zum Beispiel die von Arnold Winkelried. Nach der Legende packte er sich ein Bündel Lanzen der Gegner und öffnete damit den Eidgenossen eine Bresche. „Sorget für mein Weib und Kind“ und „der Freiheit eine Bresche“, sollen die letzten Worte vom tapferen Winkelried gewesen sein.

Ein weiteres entscheidendes Datum für die Entstehung der heutigen Schweiz war die

- Schlacht von Marginano von 1515

Das war der letzte grosse Krieg, an dem die Eidgenossen beteiligt waren. Und alles andere als eine Heldengeschichte.

Die Gegner waren uns zahlenmässig überlegen. Und sie hatten die besseren Waffen. Vor allem aber nutzten sie die innere Uneinigkeit der Eidgenossen.

Als sie dann nicht mehr zusammenhielten, war es vorbei mit der „Unbesiegbarkeit“ der eidgenössischen Kämpfer. Es gab 12‘000 Tote in dieser Schlacht. Die meisten davon waren Eidgenossen.

Heute ist klar, dass die Niederlage von Marignano im Jahr 1515 der Anfang der schweizerischen Neutralitätspolitik war.

 

Der Westfälische Frieden

Für unsere Unabhängigkeit gibt es ein anderes entscheidendes Ereignis: Der Westfälische Friedenskongress von 1646 bis 1648. Dort rang der Basler Bürgermeister Johann Rudolf Wettstein dem Kaiser des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ die Anerkennung der staatlichen Souveränität der Schweiz ab.

Wie sah Europa damals aus? Fast alle Staaten waren vom furchtbaren 30jährigen Krieg betroffen. Alles lag am Boden.

Trotz all diesem Elend war der Kongress von Anfang an und während der ganzen Dauer von höfischem Prunk und Pomp geprägt.

Unter all den Herrschaften in Samt und Seide trat für die Eidgenossen der bescheidene Wettstein in die Arena. Er hatte nur ein Ziel: Die Freiheit für seine Heimat. Während fast zwei Jahren verhandelte er mit einer beispiellosen Zähigkeit mit Fürsten, mit Diplomaten der französischen Krone, mit den Abgesandten des Deutschen Kaisers.

Nach 23 Monaten lag das Resultat auf dem Tisch. Schriftlich und verbindlich. Die Eidgenossenschaft war ein freier, souveräner Staat, endlich herausgelöst aus dem „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“.

Was sagte der Gesandte des Kaisers als er dem Eidgenossen Wettstein die Unabhängigkeitsurkunde übergab?

Noch nie habe er einen derart unerschrockenen und unerbittlichen Verhandlungsgegner gehabt. Ein Gegner, dem es immer nur um die Sache ging. Und zwar um nichts anderes als die Freiheit der Menschen und die Unabhängigkeit der Eidgenossenschaft.

Wettsteins Zähigkeit, sein Mut und seine Bescheidenheit wurden zum Markenzeichen unserer Schweizerischen Eidgenossenschaft.

So haben wir während 720 Jahren zusammengehalten, so wurden wir solide und stark.

Eine Frage an Euch: Wie viele andere Staaten kennt Ihr, die eine so lange Geschichte haben und deren Bürger miteinander schwierigste Zeiten durchmachten und nach Niederlagen immer wieder aufstanden?

Gibt es ein Geheimnis für diese 720 Jahre? – Ich glaube schon.

Nämlich, dass die Schweiz von unten nach oben gewachsen ist. Wie eine Pflanze, eine Blume, ein Strauch oder ein Baum. Mit Wurzeln, die halten. Weil sie im Boden verankert sind. Wer so gefestigt ist, kann auch schlechte Zeiten durchmachen und schweren Stürmen widerstehen.

Das ist der grosse Gegensatz zu den staatlichen Gebilden, die „von oben bestimmt“ wurden! Die Schweizer sagten nie zu allem, was von aussen oder von oben kam, sofort „Ja und Amen“.

 

„Ich höre es!“

Dazu gibt es eine schöne Geschichte aus dem Rheintal. Sie ereignete sich um das Jahr 1800, also vor über 200 Jahren und mehr als 500 Jahre nach dem Rütlischwur.

Damals besetzten die Franzosen unser Land und hätten bei uns gerne das Sagen gehabt. Sie wollten einen zentralistisch regierten Staat einrichten.

So mussten auch die Rheintaler schwören, sich an die Regeln und Gesetze der „Helvetischen Republik“ von Napoleon Bonaparte zu halten. Auch die Oberrieter hätten einen solchen Eid ablegen müssen. Doch die rebellischen Oberrheintaler widersetzten sich Napoleons Verfassung.

Die Franzosen merkten es zuerst aber gar nicht. Warum? Als den Oberrietern der Text vorgelesen wurde, sagten sie:

- „Ich höre es!“

Und nicht „Ich schwöre es“, wie es die Franzosen verlangt hatten. Logischerweise fühlte sich keine Oberrieterin und kein Oberrieter verpflichtet, die Regeln Napoleons zu akzeptieren…

Erst als die Franzosen wieder weg waren, trat der heutige Kanton St. Gallen der Eidgenossenschaft bei. Das war 1803. Zwölf Jahre später, 1815, wurden die neuen Grenzen am Wiener Kongress definitiv festgelegt.

Die List der Oberrieter und der Beitritt des Kantons St. Gallen zur Eidgenossenschaft führen uns zum letzten Stichwort, nämlich den

- Einsichten.

Also, welche Lehren ziehen wir aus der Geschichte?

Wie können es noch viele weitere Geburtstage mit einer Schweiz in Freiheit, Unabhängigkeit und mit einer neutralen Grundhaltung sein? Die Lösung heisst:

Wir müssen wollen!

Es war und ist der Wille der Schweizerinnen und Schweizer, die Geschicke selber zu bestimmen. Wir wollen unabhängig sein. Wir wollen ein Land sein, in dem wir Menschen, die hier leben, sagen, wohin unsere Reise gehen soll.

Wir sind nicht gross. Wir wissen das. Eigentlich sind wir ein armes Land. Wir haben keine Bodenschätze. Von daher haben wir schlechte Voraussetzungen. – Wenn wir fleissig und geschickt sind, mit Vertrauen in die Zukunft, können wir unseren Weg erfolgreich weitergehen.

Die Schweiz wurde stark, weil es die Eigenverantwortung von uns Bürgerinnen und Bürgern in den Vordergrund gestellt hat.

Wir regeln die Dinge zuerst in der Familie, dann in der Gemeinde, dann im Kanton, und erst dann auf Bundesebene.

Wo es notwendig ist, verhandeln wir mit anderen Staaten und internationalen Organisationen. Aber – und das ist ganz wichtig – verhandeln heisst nicht beitreten!

Die grossen internationalen staatlichen Maschinerien sind träge. Aber nicht nur das. Sie machen träge und unterdrücken in vielen Fällen die direkte Demokratie. Das entspricht uns Schweizern nicht. Wir sind mit der direkten Demokratie aufgewachsen und haben diese geradezu im Blut.

Wir sind es nicht gewohnt, dass der Staat zu viel Macht und Einfluss hat. Es widerspricht unserem Denken und unserer Geschichte.

Wenn ich mit Leuten aus dem Ausland rede, können diese meistens gar nicht glauben und verstehen, dass man in diesem „Sonderfall Schweiz“ mit der direkten Demokratie die Politiker immer wieder auf den richtigen Weg bringen oder auf den Boden zurückholen kann, wenn sie einmal abgehoben haben.

Wie? – Zum Beispiel mit einem Referendum: Mit 50‘000 Unterschriften können die Bürgerinnen und Bürger in unserem Land die Gesetze der Politiker zur Volksabstimmung bringen.

Eine Zahl dazu: Ein Schweizer kann in einem Jahr gleichviel Mal abstimmen wie ein Engländer in seinem ganzen Leben.

In anderen Ländern können die Bürger nicht einmal das: Für sie heisst „Demokratie“, dass sie alle paar Jahre das Parlament wählen dürfen. Und vielleicht den Präsidenten. Mehr nicht.

Das kann durchaus angenehm sein. Die Bürger können sich zurücklehnen und für alles die Schuld den Politikern in die Schuhe schieben. Und sagen, dass jene „dort oben sowieso machen, was sie wollen“.

Doch wir Schweizer wollen diese Bequemlichkeit nicht!

Unsere direkte Demokratie ist zwar weniger einfach, dafür wirkungsvoller und beständiger als die so genannt „repräsentativer Demokratien“ in anderen Ländern. Ganz einfach, weil jede und jeder Verantwortung tragen muss. Was bildet die Grundlage dafür?

 

Die drei Säulen:

Neben der Direkten Demokratie sind das die

- Souveränität und die
- Neutralität.

Die Vorgaben für das Zusammenleben auf internationaler Ebene stehen im Artikel 2 der Bundesverfassung:

«Die Schweizerische Eidgenossenschaft schützt die Freiheit und die Rechte des Volkes und wahrt die Unabhängigkeit und Sicherheit des Landes.»

Die Verfassung verpflichtet den Bundesrat, die Interessen der Schweiz zu wahren. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Hat er das in den letzten Jahren immer mit letzter Konsequenz getan?

Ich bin nicht der einzige, welcher das bezweifelt.

 

Freiwilligenarbeit kittet

Jetzt haben wir gesehen, was der Staat und unsere höchsten Politiker tun – oder eben nicht tun. Was kann jede und jeder Einzelne von uns machen, damit unser Land zusammenhält? Was ist der Kitt, den viele von uns tagtäglich beitragen, um das „Gebilde Schweiz“ zusammenzuhalten?

Es ist etwas, das die meisten von Euch tun, ohne sich gross Gedanken dazu zu machen. Nämlich die

- Freiwilligenarbeit.

Heuer feiern wir nicht nur den 720. Geburtstag der Eidgenossenschaft – 2011 ist auch das Jahr der Freiwilligenarbeit.

Rund 3 Millionen Menschen sind bei uns freiwillig engagiert. Im Sport, in der Kultur, in sozialen und kirchlichen Organisationen, im öffentlichen Dienst, in politischen Ämtern, usw.

Insgesamt werden in der Schweiz 700 Millionen Stunden pro Jahr in Freiwilligenarbeit investiert.

Gibt es einen wesentlichen Unterschied zu anderen Ländern? – Oh ja. Bei uns wird zwischen zwei und zehn Mal mehr freiwillige Arbeit geleistet als in den Ländern der EU.

Wenn diese Arbeit nicht mehr erbracht würde, wären ganze Wirtschaftsbereiche nicht mehr in der Lage, ihre Leistungen anzubieten.

Was hat das freiwillige Engagement für eine zusätzliche Wirkung?

Die Freiwilligenarbeit, vor allem die in den Vereinen, ist wichtig für die soziale und kulturelle Integration vieler Menschen. Sie schafft einen Ausgleich in den Beziehungen zwischen den Generationen und den verschiedenen sozialen Schichten.

Ich würde sogar behaupten: Freiwilliges Engagement ist die bestmögliche „Schule in Demokratie“. Es ist eine praktische Schule, übrigens. Sie braucht keine Schulmeister – jeder kann sein eigener Lehrer sein.

 

Schluss

Der 1. August, unser Nationalfeiertag, hat uns die Gelegenheit gegeben, wieder an die Grundsäulen der Schweizerischen Eidgenossenschaft zu denken.

Diese sind unsere Unabhängigkeit und der Freiheitsbrief. Dort wurde die Neutralität und die Eigenverantwortung aufgeschrieben.

Ganz wichtige Stützen für unseren Staat und unser Zusammenleben sind aber auch das Milizsystem und die Freiwilligenarbeit, die sich auf dieser soliden Basis entwickelt haben und in dieser Art auf der ganzen Welt einmalig sind.

An der Spitze dabei sein, das heisst für unser Rheintal in konkreten Zahlen: Unsere Firmen und ihre Arbeiter und Angestellten erzielten im letzten Jahr einen Exportüberschuss von Fr. 26‘000.— pro Person, die im St.Galler Rheintal lebt.

Unsere Grosseltern mussten zum Teil weit fortziehen, um überhaupt eine Lebensgrundlage zu haben. Wir haben es in der Hand, dass unsere Kinder und Grosskinder ihr Glück hier bei uns finden können.

Wenn wir uns auf unsere Stärken konzentrieren und zu diesen Errungenschaften Sorge tragen, dann – und davon bin ich überzeugt – werden wir auch künftig an der Spitze mit dabei sein.

In diesem Sinn wünsche ich Euch, liebe Gäste, einen frohen 1. August, weiterhin ein fröhliches Fest und eine gute, erfolgreiche Zukunft.


Oberriet, 1. August 2011 – Roland Rino Büchel

Nach Oben

 © Roland Rino Büchel Realisiert durch RightSight.ch