FIFA - das Korruptionsproblem kann gelöst werden
29. Juni 2011
Erschienen in: St. Galler Tagblatt (Haupt- und Regionalausgaben) / Podium auf Seite 2

Als ich anfangs Juni für ein paar Tage keine Fragen beantworten konnte, witterten manche Journalisten eine „Story“. Zur Beruhigung: Der Grund für meinen Rückzug war eine notfallmässige Augenoperation. Nationalrat Büchel wurde also nicht – wie offenbar in Lateinamerika spekuliert – von Mafia-Schergen „entsorgt“. Im Fussball gibt es zwar massenhaft Mischler und Mauschler. Mörder sind die geldgierigen Gauner jedoch kaum. 

Was mich freut: Dank der hervorragenden Arbeit von Prof. Dr. Valmaggia, Dr. Reinhard Rüesch und ihren Teams von der Augenklinik am Kantonsspital St. Gallen bin ich bald wieder voll einsatzfähig. 

- Lesen Sie hier den "Podium"-Artikel aus dem St. Galler Tagblatt. Der Originaltext wurde dabei leicht gekürzt:

St. Galler Tagblatt: Die FIFA muss das Korruptionsproblem lösen

Seit der Amtsübernahme von Sepp Blatters Vorgänger João Havelange im Jahr 1974 sind Bestechungen und Intrigen in der FIFA an der Tagesordnung. Die korrupten Machenschaften bilden einen Teil des Systems. 

Ruf der FIFA ruiniert 

Dass Ehrenpräsident Havelange und Präsident Blatter all das überlebt haben, ist nur möglich, weil dieses Tun von den 208 Landesverbänden geduldet wird. Führende Fussballnationen wie Deutschland, Grossbritannien, Spanien, Brasilien und Argentinien sind im FIFA-Exekutivkomitee mit eigenen Leuten vertreten. Die UEFA ist in diesem 24-köpfigen „Verwaltungsrat“ mit Präsident Michel Platini dabei. Das macht mindestens sechs Verbände, die längst hätten handeln müssen.

Von anderen FIFA-Top-Funktionären, wie den beiden gerichtsfest bewiesen korrupten Gesandten aus Kamerun und Paraguay, erhoffe ich nicht viel Gutes für den Sport. Auch von ihren Kollegen aus Thailand, Sri Lanka, Guatemala, Zypern, Papua-Neuguinea oder dem jungen Prinzen aus Jordanien sind keine Impulse gegen die Korruption zu erwarten.

Der eine ist damit zufrieden, dass er dank seinem Amt so etwas wie „Ansehen“ geniesst. Der andere freut sich, dass er Boni einsackt wie ein Banker. Einige schätzen es, überall auf der Welt wie Staatschefs empfangen und mit Geschenken überhäuft zu werden. Dazu macht mancher vielerorts die hohle Hand.

Die vorher wegen Korruptionsvorwürfen suspendierte Nummer 2 der FIFA, der laute Vize-Premierminister aus Trinidad & Tobago in der Karibik, ist vor ein paar Tagen von allen Ämtern im internationalen Fussball zurückgetreten. Immerhin. Doch zu welchen Bedingungen? Alle Ermittlungen gegen ihn werden per sofort eingestellt. Jack Warner gilt nun für ewig als „vermutet unschuldig“. Als Gegenleistung löst er den angekündigten „FIFA-Korruptions-Tsunami“ nicht aus. Der Kuhhandel ist perfekt.

Das IOC beweist: Es geht auch anders

1998 wurde bekannt, dass der damalige IOC-Präsident Juan-Antonio Samaranch ein Jagdgewehr als Geschenk angenommen hatte. Zudem erhielten einige IOC-Mitglieder kleinere Sonderleistungen. Im Vergleich zu den Vorkommnissen in der FIFA waren diese Vorfälle unbedeutend. Trotzdem: Das IOC propagiert seither Null-Toleranz und hält sich halbwegs daran. 

Eine solche Kultur hat sich innerhalb der FIFA noch nicht entwickelt. Kein Wunder, behauptete doch Präsident Sepp Blatter bis vor wenigen Wochen: „In der FIFA gibt es keine Korruption.“ Das gilt heute nicht mehr, und Blatter soll nach eigenen Worten von „Teufeln“ umgeben sein. 

Gegen diese Teufel kann man vorgehen. Wenn man will. Mehr als genügend Druck entsteht, wenn sowohl die grossen Sponsoren als auch die nationalen Verbände und das Internationale Olympische Komitee IOC eine Änderung wollen. Hie und da ein Aufschrei genügt nicht für eine Lösung. 

Sepp Blatter hat die Lösung in der Hand 

Wer wird am meisten tun müssen? Ganz klar, Präsident Sepp Blatter selbst. Der Mann hat ein deklariertes Lebensziel – den Friedensnobelpreis. Er will ihn für sich oder für die FIFA – noch gibt es andere Favoriten... 

Die eidgenössische Politik gibt der FIFA bis Dezember Zeit, Ordnung zu schaffen. Zur Erinnerung: Die „Motion Büchel“ wurde im Nationalrat ohne eine einzige Gegenstimme durchgewinkt. 200 zu 0 ist ein glasklares Resultat. Sepp Blatter hat das sehr wohl registriert. Anders als viele andere Kritiker traue ich ihm in seiner letzen Amtsperiode einiges zu. Falls seine FIFA bis Ende Jahr im Kampf gegen die Korruption trotzdem ungenügende Resultate präsentiert? Dann zieht die Politik andere Saiten auf. Nur dann. Dafür massiv. 

Roland Rino Büchel ist SVP-Nationalrat. Vor Jahren leitete er das Marketing von FIFA-Juniorenweltmeisterschaften und anderen Grossanlässen in Mittel- und Südamerika, Asien und Afrika.

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