Büchel auf BBC World News - Ja, die FIFA hat grundsätzlich den gleichen Status als Verein wie ein Jodlerchörli
21. Juni 2011
Erschienen in: BBC World News

Nachfolgend ein Beitrag, welcher heute auf den weltweiten Kanälen der BBC ein Millionenpublikum fand. Es ist das vierte Mal innert weniger Wochen, dass ich die Möglichkeit hatte, vielen Millionen BBC-Zuschauern und -Zuhörern zu zeigen, dass die Schweiz das Korruptionsproblem im internationalen Sport auf pragmatische Art und Weise anpackt.

Zudem habe ich es natürlich nie unterlassen, einen kleinen Werbespot für mein St. Galler Rheintal zu platzieren...

Das folgende Interview, zum Beispiel, wurde so angekündigt: "Später in der Sendung das Gespräch mit dem Schweizer Nationalrat Roland Rino Büchel. Er vertritt das High Tech Valley Rheintal. Das ist eine boomende Region ganz im Osten der Schweiz, deren Unternehmen im letzten Jahr einen Expotüberschuss von fast 30'000 amerikanischen Dollars pro Einwohner erzielt haben."

Zuerst die leicht gekürzte Übersetzung auf Deutsch. Am Schluss folgt (zum Anklicken) das Orginal-Interview auf Englisch:

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Schweizer Nationalrat Büchel vergleicht die FIFA mit einem Jodelverein

Gespräch zwischen BBC Newsman Lawrence Pollard und Nationalrat Roland Rino Büchel:

"Die Nummer 2 der FIFA, der suspendierte Vizepräsident Jack Warner, ist von allen internationalen Fussballämtern zurückgetreten. Trotz allem gilt für ihn die Unschuldsvermutung. Der Mann steht im Zentrum der unglaublichen Korruptionsvorwürfe in der FIFA.

Sie erinnern sich vielleicht, dass er suspendiert war, während es Untersuchungen wegen Korruption gegen ihn gab. Aber jetzt ist die Untersuchung vorbei. Weil er zurückgetreten ist.

Jetzt wird nicht mehr weiter hingeschaut. Und Warner gilt als unschuldig. So wird der nun als „unschuldig Vermutete“ der Fifa wohl keine Sorgen mehr machen. Doch die Organisation steht weiter unter Druck. Und zwar von Roland Büchel, einem Parlamentarier.

Er setzt sich für mehr Transparenz im Sport und in der FIFA ein. Ich habe gerade vorhin mit ihm gesprochen und fragte ihn zuerst über Jack Warner.

Roland Rino Büchel: Ich bin nicht überrascht, dass er zurückgetreten ist. Doch ich bin erstaunt, dass man glaubt, dass er unschuldig sein soll.

Lawrence Pollard: Das ist natürlich das Recht für Jack Warner. Darum bezeichnet ihn die FIFA als „presumably innocent“. Es gilt also die Unschuldsvermutung. Kann ich Sie fragen, wie es im Schweizer Parlament jetzt weitergeht? Ihre Vorstösse zielen dahin, dass die FIFA intern aufräumen muss. Ist das jetzt vorbei, oder wird das Schweizer Parlament jetzt weitermachen?

RRB: Ich werde weitermachen. Der Sportminister ist schon an der Arbeit. Sein Ministerium wird bis Ende Jahr einen Bericht erstellen. Dieser geht dann an das Parlament. Dort werden wir dann darüber debattieren und befinden, ob wir mit den getroffenen Massnahmen bei der FIFA zufrieden sind oder nicht. In der Folge wird sich entscheiden, ob wir neue Gesetze brauchen oder nicht.

LP: Was sind die Probleme, die Sie vor allem anschauen, Mr. Büchel. Ist es die Transparenz, und ist es der privilegierte steuerliche Status? 

RRB: Die FIFA ist bei uns steuerprivilegiert zudem profitiert sie von einem vorteilhaften rechtlichen Status. Sie hat den selben Vereinsstatus wie ein Jodlerchörli in einem Bergdorf.

LP: Noch einmal: obwohl die FIFA einer der bedeutendsten Verbände der Welt ist, ist sie grundsätzlich organisert wie ein Jodelclub?

RRB: Ja, genau so ist es. Manchmal jodeln zwar auch sie ein wenig, wenn sie Informationen herausgeben. Im Ernst: Letztes Jahr, zum Beispiel, zahlten sich die Top-FIFA-Funktionäre 32.6 Millionen Dollar Bonus aus.  Dieses Geld ging zum grössten Teil an die eigentlich ehrenamtlichen Mitglieder des Exekutiv-Komitees.

LP: Aber hören Sie: Mit dem Rückzug des als „unschuldig Vermuteten“ Jack Warner will die FIFA doch einen Strich unter die Affären ziehen. Jetzt hofft die FIFA, dass die Sache überstanden ist. Wird man Sie, Herr Büchel, nicht beschuldigen, alles noch einmal aufzuwühlen?

RRB: Sollen sie. Ich denke, dass unser Handeln notwendig ist. Und vergessen Sie nicht, dass alle 200 Nationalräte mit meiner Vorstoss einverstanden waren. Der Sportminister und der Bundesrat stimmten meiner Motion zu. Darum müssen wir weitermachen.

LP: Ich bin ziemlich erstaunt, dass Sie einen derart grossen politischen Support haben. Die Schweiz hat doch viele Vorteile, indem sie die grossen multinationalen Konzerne der Sportindustrie - wie die FIFA - bei sich beheimatet. Gibt es nicht einen Punkt, wo die Leute ihnen sagen: Weisst Du, Roland, das könnte schlecht sein für die Schweiz. Hör doch auf, lass Deine Kampagne sein!

RRB: Vielleicht gibt es diese Leute. Aber ich werde nicht aufhören. Wo liegen die Vorteile für die Schweiz? Soll es gut für unseren Ruf sein? Was ist, wenn Sie heute mit Engländern oder Menschen auf der ganzen Welt reden? Diese sehen die FIFA eher als ein Risiko für die Reputation der Schweiz. Aber nicht als Gewinn für unser Land. Und die Steuererträge können es auch nicht sein. Die FIFA  zahlt in etwa den gleichen Betrag an Steuern wie sie im Schnitt einem Vorstandsmitglied als Bonus auszahlt.

Das war der Schweizer Nationalrat Roland Rino Büchel, eine der wenigen Personen, die ich kenne, welche die FIFA mit einem Jodlerchörli vergleicht."

 

 

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