Toni macht es vor - eine Erfolgsgeschichte aus dem Rheintal
7. Mai 2011
Erschienen in: Rheintaler, Rheintalische Volkszeitung

"Toni macht es vor" von Roland Rino Büchel

Im April kam der Botschafter Taiwans zu Besuch ins Rheintal. Dass die Visite zu einem Erfolg wurde, ist vor allem das Verdienst von Toni. Toni? Zu ihm kommen wir später. Zuerst ein paar Zahlen:

Schweizerische und taiwanesische Unternehmen führen intensive geschäftliche Beziehungen. Allein im letzten Jahr exportierten wir Waren im Wert von eineinhalb Milliarden Franken in den aufstrebenden Staat mit seinen 23 Millionen Einwohnern. Das ist eine Steigerung von 29 % gegenüber dem Vorjahr.

Noch beachtlicher ist die Entwicklung im „High Tech Valley“ Rheintal. Die Verkäufe nach Taiwan nahmen im Jahr 2009 um 19 % und im 2010 gar um 73 % zu. Wichtig dazu: Wir leben von der Warenausfuhr und erzielen pro Kopf einen jährlichen Exportüberschuss von 26’000 Franken. Das ist Weltspitze.

Genau wie unser Rheintal hat Taiwan in Sachen Wettbewerbsfähigkeit einiges zu bieten. Der asiatische Staat belegt in den wichtigsten Rankings die Plätze vier und acht aller Staaten dieser Welt. Die Wirtschaft wuchs im letzten Jahr um 10.8 %. In Sachen Kaufkraft sind die Taiwanesen bereits auf Augenhöhe mit Deutschland.

Ich könnte Ihnen weitere Wirtschaftszahlen bieten, welche die sagenhafte Dynamik der fleissigen Taiwanesen belegen. Dafür reicht der Platz nicht. Sie wollen ja noch wissen, weshalb ein „Toni“ mehr Wert hat als tausend Statistiken.

Das Modell „Toni“

Warum? Weil Toni das verkörpert, was das Rheintal erfolgreich macht: Er und sein Bruder Franz sind die Inhaber des weltweit führenden Herstellers von Schifflistickmaschinen, der hochinnovativen Lässer AG in Diepoldsau. Wie und wo traf die diplomatische Delegation Toni an? Im „Übergwändli“, in der Werkstatt. Ein Vorbild nicht nur für seine mehr als 200 Mitarbeiter, beeindruckend auch für Botschafter Hsieh. 

Wenn ich mit ihm über gemeinsame Entwicklungsmöglichkeiten spreche, kommt klar heraus: Wir Rheintaler müssen uns nicht verstellen, nicht geschniegelt und gestriegelt daherkommen, nicht gescheit daherreden. Wenn wir alle den „Toni“ in uns pflegen, kommen wir voran. So sagte mir Botschafter Hsieh: „Ich bin überzeugt, dass der Kanton St. Gallen für den Europasitz von taiwanesischen Firmen eine sehr gute Wahl sein kann.“ 

Am Donnerstag traf ich in Bern den Generaldirektor des taiwanesischen Aussenministeriums: Dr. Lee wollte auf seiner offiziellen Europareise den „Rheintaler Nationalrat“ treffen. Der Besuch im Rheintal und bei der Firma Lässer hat bei Taiwans Entscheidungsträgern einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Denken wir darum selbstbewusst an Toni. Besonders dann, wenn man uns in den Medien wieder einmal als „Hinterwäldler“ hinzustellen versucht. 

Zum Schluss etwas anderes Erfreuliches: Botschafter Hsieh will im Sommer nicht nur über die Meglisalp auf den Säntis wandern. Er überlegt sich, einen Teil des Wegs von Bern her zu pedalen. Weil es schöner und gesünder ist als das Reisen mit Limousine und Chauffeur. Da soll mir noch einer sagen, man müsse mit hohen Herren heikel tun. Das Gegenteil ist der Fall: Zum Erfolg führt die unkomplizierte Rheintaler Art, das „Modell Toni".

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