Büchel-Kolumne im LEADER: Amerikanische Pannen
20. April 2010
Erschienen in: Unternehmermagazin LEADER, Ausgabe April 2010

Büchel-Kolumne im Leader: Amerikanische Pannen 

Ein Land mit zu vielen Anwälten und zu wenigen Ingenieuren hat das Potential von Pannen entdeckt. Wenn die US-Regierung gegen einen japanischen Autohersteller massiv Gas gibt, geht es folglich nicht um klemmende Pedale. Sondern um den Heimatschutz für eine rückständige amerikanische Industrie.

Der Chef-Protektionist in Präsident Obamas Gnaden ist Verkehrsminister und heisst Ray LaHood. Er war einmal Lehrer und Politfunktionär. In der Privatwirtschaft war der Mann keine Minute lang zu gebrauchen.

Das hindert den Apparatschik nicht daran, skrupellos zu behaupten, dass Toyota Menschen quasi umgebracht hätte. Und: „Die Japaner haben nichts unternommen, um Millionen Fahrer und ihre Familien zu schützen.“ Darum soll Toyota bluten. Und zwar mit der Höchststrafe, die in den USA möglich ist. Interessant, dass die Autos offenbar nur dort voller Mängel sind, während die exakt gleichen Modelle auf der ganzen übrigen Welt problemlos fahren.

Nichts ist neu
Erinnerungen an einen Fall aus den 80er-Jahren werden wach. Damals hatte ein Fernsehsender von einem selbstbeschleunigenden Audi-Modell berichtet. Später stellte sich heraus, dass die Schuld meist bei den amerikanischen Fahrern gelegen hatte. Sie waren mit den europäischen Autos ganz einfach zu wenig vertraut. Trotzdem: Es brauchte bis ins neue Jahrtausend hinein, bis sich die VW-Tochter von den Negativschlagzeilen erholte.

Die Deutschen hatten vor 25 Jahren das gleiche „Problem“ wie Toyota heute: Sie waren den amerikanischen Fahrzeugen technologisch um Längen voraus. Weil Präsident Obama Milliarden Steuergelder in die maroden amerikanischen Konzerne gesteckt hat, müssen diese der Konkurrenz „angenähert“ werden.

Wie geht das? Man bindet die Besseren zurück. Zu diesem Zweck haben sich drei amerikanische Kongressausschüsse mit klemmenden Gaspedalen, rutschenden Fussmatten und aussetzenden Bremsen beschäftigt. (Diese sollen zu Unfällen geführt haben.) Immer mehr dieser „Unfälle“ stellen sich als klassische Fahrfehler heraus. So bei einer Frau in New York, die ihren Prius Hybrid in eine Mauer setzte; die Lady hatte Gas und Bremse verwechselt...

Üble Gaunereien
Andere versuchen, Kapital aus der Toyota-Hatz zu schlagen. Wie bei einem rasenden Prius in der Nähe von San Diego. Der arbeitslose Fahrer konnte seine Raten nicht bezahlen. Also inszenierte er eine Show mit Polizei und You-Tube-Video. Später wurde das Auto geprüft. Und es stellte sich heraus, dass er nie versucht hatte zu bremsen – jedoch sehr wohl, unablässig Gas zu geben...

Mit Klagen lässt sich in den USA gut Geld machen. Toyota sieht sich mittlerweile mehr als 100 Forderungen gegenüber. Und täglich werden es mehr. Das Fazit für uns? Beim Geschäften mit den Amis müssen wir eines einkalkulieren: Wir haben es mit dem Land der unbegrenzten (Klage-)Möglichkeiten zu tun!

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