Büchel-Kolumne im LEADER: Der Mainstream und die Krise
16. Februar 2009
Erschienen in: LEADER, ostnews.ch

Büchel: Der Mainstream und die Krise




Die vollständige Kolumne:

Entwicklung der Wirtschaft – von Prognostikern prognostiziert, immer wieder revidiert und unablässig kommentiert. Ausser den Praktikern Dr. Konrad Hummler und Dr. Christoph Blocher lag jeder daneben, am weitesten der mediale Mainstream. Weshalb jedoch sollten die Pseudogurus der grossen Medienhäuser die Realität verstehen? Diejenigen, welche dank zweistelliger öffentlicher Millionenzuschüsse quasi aus geschützten Werkstätten kommentieren dürfen.

„Da steh ich nun, ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor“, lässt Goethe seinen Faust sinnieren. Was haben wir nicht alles gelesen. Hypothekenkrise dort, Finanzkrise hier, Wirtschaftskrise endgültig da. Die Prognosen interessieren heute keinen mehr. Die Realität ist radikal anders als alle Vermutungen der Kaffeesatzleser in den Medien.

Zyklen sind natürlich. Rezessionen kommen, Rezessionen gehen. Die aktuelle ist sehr rasch gekommen. Damit müssen wir leben. Eigentlich wissen wir es seit jeher: Die spekulativen Kommentare der Theoretiker gehören als Beschäftigungsprogramm für die Selbigen ins Altpapier. Trotzdem wird auf Grund der Voraussagen immer wieder falsch entschieden.

Am gefährlichsten sind die Fehlentscheide der Politiker. Im Gegensatz zu Managern können diese über staatlichen Aktionismus mehr als nur eine Firma zu Tode reiten. So genannt bürgerliche Volksvertreter bewegen sich im Gleichschritt mit den Gewerkschaftern. Man meint es gut. Und merkt nicht, wie schlecht es tut.

Was geht auf dem Globus ab?

Regenten sind daran, ihre Staaten endgültig in den Bankrott zu treiben. Allein die diesjährige amerikanische Neuverschuldung entspricht dem Gesamtbudget der Eidgenossenschaft für eine ganze Menschengeneration. Vernunft und der Sinn für die Relationen sind weg. Wer kann noch zwischen Millionen, Milliarden und Billionen unterscheiden?

Welche Sünden werden bei uns begangen? Wir vergolden unsere Beamten.

Aktuelles Beispiel: die Lohnerhöhung von 4.4 Prozent für die 10'017 kantonalen Angestellten in diesem Krisenjahr. All das bei einer minimalen Jahresteuerung von 0.7 Prozent per Ende Dezember 2008 und noch 0.1 Prozent per Ende Januar 2009. Das macht schon für den ersten Monat des Jahres eine Reallohnerhöhung von mehr als vier Prozent.

Der Kantonsrat war noch im letzten November verschwenderisch.

Damit hat er den St. Galler Beamtenapparat um Dutzende Millionen Franken verteuert. Was könnte man für dessen Jahresbesoldung kaufen? Zum Beispiel die gesamte AFG-Gruppe von Edgar Oehler mit all seinen 6'000 Leuten. Und noch ein halbes Dutzend gleich grosse Unternehmungen dazu. Was für ein Proportionsblödsinn zwischen Staat und privat!

Etwa gleich daneben ist das Missverhältnis innerhalb der kantonalen Staatshaushalte. Weshalb sage ich dies? Der Kanton St. Gallen gibt jährlich für Umverteilungsübungen, Löhne und sonstige Aufwendungen vier Milliarden Franken aus. Das ist mehr Geld als alle sieben Ostschweizer Kantone zusammen in sieben Jahren für langfristige Investitionen aufwenden.

Trotzdem: Auch hiesige Mainstream-Politiker und staatsnahe „Unternehmer“ behaupten, dass planwirtschaftliches Geldausgeben mit öffentlicher Verschuldung mehr bringe als die direkten Investitionen der Unternehmen oder der Konsum der Menschen selbst. Für einen derartigen Unsinn werden die Staatsgläubigen von den Mainstream-Medien in den Himmel gelobt.

In schwierigen Zeiten ist es doppelt wichtig, dass sich Politiker nicht beklatschen lassen wollen.

Wer heute wirklich Verantwortung übernimmt und das Geld den Privaten nicht aus der Tasche zieht, um damit den Staat zu stopfen, muss auf medialen Applaus verzichten.
   

Kästchen: Der 44-jährige Rheintaler Roland Rino Büchel ist seit fünf Jahren Kantonsrat für die SVP. Das Mitglied der Staatswirtschaftlichen Kommission gilt als unerschrocken und konsequent. Der Sportmanager ist erster Ersatz für den Nationalrat.

Nach Oben

 © Roland Rino Büchel Realisiert durch RightSight.ch