2. Wahlgang Ständerat - Büchel für Brunner im Nationalrat?
15. November 2007
Erschienen in: St. Galler Nachrichten, Rheintaler Bote, Wiler Nachrichten, weitere Zeitungen

Ständerat 2. Wahlgang. Brunner und Büchel anstatt David und Forster.


Ständeratswahlen - Ein spannender zweiter Wahlgang


Kaum je eine so interessante Ausgangslage wie im Kanton St. Gallen - die Politexperten schweigen plötzlich

Viele zweite Wahlgänge entbehren der Spannung, weil das Ergebnis ziemlich klar ist. Nicht so der zweite Wahlgang für den Ständerat im Kanton St.Gallen.


we- Die Spannung ist vor allem des­halb so gross, weil erstens beideSitze zu besetzen sind und zweitens kaum gesagt werden kann, wer das Ren­nen macht. Alle drei, Toni Brunner (SVP), EugenDavid (CVP) und Erika Forster (FDP), um die Namen in der Reihenfolge der erzielten Stimmen im ersten Wahlgang anzugeben, ha­ben Chancen, gewählt zu werden. Denn die erzielten Stimmenzahlen im ersten Wahlgang lagen sehr nahe beieinander. Zur Erinnerung: Toni Brunner erzielte 61’648 Stimmen, Eugen David 59’488 und Erika Fors­ter 55’462. Nicht mehr kandidiert Kathrin Hilber (SP), die 43’278 Stimmen erzielt, und Yvonne Gilli (Grüne), die es auf 22’824 Stimmen gebracht hat.

Natürlich stellt sich nun die Gretchenfrage, auf welche Kandidaten jetzt diese Stimmen ge­hen werden. Doch zunächst ist zu beleuchten, ob die Linke angesichts der bürgerlichen Kandidaten über­haupt in grösserem Stil zu moblisie­ren ist. Dabei ist davon auszugehen, dass ein Teil der Linken sicher wie­derum an die Urne gehen wird. Zu berücksichtigen ist überdies, dass auch treue Parteigänger nicht im­mer und jederzeit in Parteischablo­nen denken, sondern sich das Recht herausnehmen, ihre Stimme nach dem eigenen Gusto abzugeben. Oft steht die Parteipolitik nicht einmal im Vordergrund, sondern die Frage, ob eine Persönlichkeit auf Grund ihrer Überzeugungskraft und Aus­strahlung zu gewinnen versteht.


Alle schnitten auf den Podien gut ab

Es ist bei einer Prognose zu berück­sichtigen, dass sich im Wahlkampf keine Ereignisse ergaben, die die Chancen verschieben würden. In den Gesprächsrunden schnitten alle drei hervorragend ab. Sie konn­ten auf eine reiche Erfahrung zu­rückblicken und brillierten durch erstklassige Dossierkenntnisse. Auch in rhetorischer Hinsicht wuss­ten alle drei zu überzeugen, wobei die härtesten Urteile von Eugen David gefällt wurden, insbesonde­re was die SVP-Politik betrifft.

Toni Brunner überraschte immer wieder durch grosse Ernsthaftigkeit. Jetzt, wo es um einen Sitz im «Stöckli» geht, scheint Brunner seine jugend­frohe Art etwas ablegen zu wollen. Es geht natürlich auch um viel und sein Ehrgeiz ist zweifellos gross, ein Ständeratsmandat für die SVP zu er­ringen, nachdem diese im National­rat erneut einen Zuwachs erreichte und nun fünf von zwölf Mandaten ihr eigen nennen darf.

Wenn es Toni Brunner gelingt, in den Ständerat einzuziehen, wird für ihn im Na­tionalrat Roland Rino Büchel, ein wirklich unerschrockener Politiker, nachrücken. Die St.Galler SVP-De­legation könnte also enorm gestärkt werden. Doch die Würfel sind noch nicht gefallen und Toni Brunner hat einen schweren Gang vor sich.

Ob­wohl er beim ersten Durchgang am meisten Stimmen auf sich vereinig­te und seine erzielten Stimmen im Nationalrat aufzeigten, dass noch mehr Zuspruch für ihn durchaus drin liegt, ist auch für ihn der zwei­te Wahlgang alles andere als ein Spaziergang. Denn es ist ganz klar, dass die beiden bisherigen Stände­räte auf mehr linke Stimmen hof­fen können als Toni Brunner. Aber Brunner hat einige Trümpfe, die über die Parteigrenzen bis in die lin­ken Kreise hinein wirken, nämlich seine Umgänglichkeit und Unkom­pliziertheit, seine Jugendfrische, seine hervorragende Rhetorik und seine Beziehung zur Landbevöl­kerung. Man darf nicht vergessen, dass der Kanton St.Gallen nach wie vor ein Landkanton ist, wenngleich die städtischen Gebiete sich immer stärker ausdehnen.


Ein Lotteriespiel


So wird für die drei Kandidaten fürs «Stöckli» aus dem Kanton St.Gallen der Wahlgang vom 25. November zum unangenehmen Lotteriespiel. Denn sie dürften - wie gesagt - alle eine ähnliche Stimmenzahl errei­chen. Es ist zwar ein schwieriges Unterfangen, zu beurteilen, wie stark sich die verschiedenen Wäh­­lerkreise, insbesondere die Linke, namentlich die SP und die Grünen, noch einmal mobilisieren lassen. Doch im Endeffekt dürften die Re­sultate ähnlich ausfallen wie beim ersten Wahlgang, sodass wiederum ein Kopf-an-Kopf-Rennen erfolgen wird.

Toni Brunner wird neben der SVP vor allem jene Stimmen aus FDP- und CVP-Kreisen auf sich vereinigen können, für die Erika Forster und Eugen David zu wenig konsequent rechts stehen. Nicht zu unterschätzen ist die auch bei den Nationalratswahlen deutlich festzu­stellende Solidarität der Bauern und der ihnen nahe stehenden Kreise. Auch das von der SVP immer wie­der vorgetragene Argument, dass auch ein Landvertreter ins Stöckli gesandt werden sollte, wird sicher verfangen.


Die linken Stimmen


Bei Erika Forster und Eugen David steht die Frage im Vordergrund, wie stark sie - wiederum als CVP/­FDP- Gespann - linke Kreise mobi­lisieren können. Wirklich engagier­te Grüne werden ihnen gerne die Stimme geben, denn Erika Forster ist Präsidentin der Stiftung Land­schaftsschutz Schweiz und Eugen David Ehrenpräsident des Fonds Landschaft Schweiz. Im Land­schaftsschutz wirken also beide an vorderster Front mit und haben manchen Kampf ausgetragen.


Der Bisherigenbonus


Offen ist wiederum die Frage, wie hoch der Bisherigen-Bonus beim zweiten Wahlgang zu bewerten ist. Jedenfalls kann er keine Wahl­garantie bedeuten, denn im ersten Wahlgang hat Toni Brunner am meisten Stimmen erreicht Das lässt erkennen, dass bisherige Man­datsträger heute leichter aus dem Sattel geworfen werden können als noch vor wenigen Jahren. Die Treue zu Persönlichkeiten, die der Allge­meinheit - wie Eugen David und Erika Forster - wirklich viel gege­ben haben, ist nicht mehr so gross. Dankbarkeit ist in der heutigen Zeit Mangelware und kann auch von der Wählerschaft immer weniger erwar­tet werden.

Vielleicht aber zieht diesmal der «Frauenbonus» von Eri­ka Forster mehr als im ersten Wahl­gang, weil sie die einzige kandidie­rende Frau ist. Nicht wenige Sozi­aldemokraten werden dem Ruf der nicht mehr antretenden SP-Kandi­datin Kathrin Hilber folgen und mit ihrer Stimme für Forster und David die SVP-Sitzeroberung im «Stöckli» zu verhindern versuchen. Doch die Nationalratswahlen haben gezeigt, dass die Anti-Blocher-Kampagne der SP wenig gebracht hat.

Einfach gegen jemanden sein, einfach die SVP verhindern wollen, ist keine Politik mit wirklicher Erfolgschan­ce. Also meine Prognose: Es wird das Zufallsmehr entscheiden. Das hat einen negativen und einen po­sitiven Aspekt. Negativ ist, dass es keine «Überflieger» geben wird, die man feiern kann, positiv dagegen ist, dass das «Unglück» für die Ver­liererin oder den Verlierer leichter zu verschmerzen ist als ein richtiges «Abtauchen».

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