Erschienen in: St. Galler Nachrichten
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«Ich fühle mich schutzlos» Ayman Shawkat zur laufenden Diskussion
In den letzten Wochen war Ayman Shawkat gross in den Schlagzeilen. Trotz Arbeitslosigkeit leistet er sich teure Flugstunden.
Über acht Jahre wohnt nun der aus Ägypten stammende Ayman Shawkat in St.Gallen. Der 37-jährige lernte in der Schweiz seine Frau (Schweizerin) kennen und hat mit ihr zwei Kinder im Alter von vier Jahren und 15 Monaten. Der arbeitslose Shawkat absolviert bei der Fliegerschule Altenrhein seit Juni Flugstunden. Eine Interpellation von SVP-Kantonsrat Roland Rino Büchel aus Oberriet an den Regierungsrat, in welcher er Annahmen und seine Bedenken in einem möglichen Zusammenhang mit Terroranschlägen festhält, liessen verschiedene Medien aufhorchen.
Herr Shawkat , was haben Sie für eine Ausbildung? Und in welchem Land haben Sie diese erworben?
«In Ägypten habe ich mich für die Berufe Hotelfachmann und Techniker ausbilden lassen. Bis vor etwa drei Monaten war ich in einem Unternehmen als Techniker tätig. Ich arbeitete dort zweieinhalb Jahre, wurde aber schliesslich wegen interner Umstrukturierungen entlassen. Auf jeden Fall waren sie mit mir und meiner Arbeit immer zufrieden. Mit meinem Chef bin ich heute noch in Kontakt. Er bot mir an, mich sofort wieder einzustellen, sobald es dem Geschäft wieder besser geht.»
Wieso nehmen Sie genau jetzt Flugstunden, obwohl Sie arbeitslos sind?
«Bereits im Mai, als ich noch nicht arbeitslos war, habe ich mich über die Fliegerschule und die Kosten informiert. Im Juni habe ich dann mit der ersten Flugstunde angefangen, bis jetzt habe ich vier absolviert. Um mir meinen grossen Traum, das Fliegen, zu erfüllen, habe ich etwa vor vier Monaten einen Privatkredit von 16’000 Franken aufgenommen. Auch habe ich mit dem Rauchen aufgehört. Bis vor kurzem hatte ich täglich anderhalb bis zwei Zigarettenpäckli geraucht. Zudem gehe ich nur noch selten in den Ausgang und spare somit Geld.»
Nur mit dem Rauchen aufzuhören und nicht mehr in den Ausgang gehen, das macht den Braten auch nicht feiss.
«Doch, diese Verzichte machen einiges aus. Rund 300 Franken spare ich so und kann dieses Geld anders einsetzen.»
Sie sind arbeitslos, kommen ursprünglich aus Ägypten, nahmen extra für Flugstunden einen Kredit auf und haben sich nun zum Ziel gemacht, Pilot zu werden. Sind Sie nicht der Ansicht, dass solche Bedingungen mögliche Bedenken oder Ängste auslösen?
«Nur wegen meiner Nationalität kann man mich doch nicht belangen, das finde ich rassistisch. Ägypten hat knapp 80 Millionen Einwohner. So müssten ja alle Ägypter Terroristen sein. Ich habe doch auch Ziele und Träume, die ich verwirklichen möchte. Schon als kleiner Junge faszinierten mich die Flieger. Meine Schulkameraden hatten jeweils Modellautos zu Hause, ich war von Flugzeugmodellen begeistert. Ich sammle solche Modelle noch heute. Zudem besitze ich etwa 13 verschiedene Computerprogramme und rund 20 Filme und DVD’s rund ums Fliegen.»
Welche Auswirkungen hatte die Interpellation auf Sie persönlich?
«Seither kann ich nachts kein Auge mehr zu tun. Es macht mich richtig traurig, dass man über mich solche schwerwiegenden Bedenken äussert. Mein Traum vom Fliegen ist nun geplatzt. Obwohl ich seitens der Fliegerschule Altenrhein mein Kurs fortführen darf, habe ich vorübergehend keine Lust mehr. Zudem fehlt mir nun jegliches Selbstvertrauen. Trotz allem haben mir schon so viele Schweizer, Bekannte wie auch fremde Leute, gesagt, dass sie mit mir fühlen, sie diese Anschuldigungen für ungerecht halten und auf meiner Seite stehen. Auch bin ich der Ansicht, dass diese Interpellation meine Familie kaputt gemacht hat. Meine vierjährige Tochter fragte mich vor einigen Tagen, wieso ich denn im Fernsehen wie auch in verschiedenen Zeitungen erscheine. Was soll ich ihr da antworten? Dass man mich als Terrorist verdächtigt?»
Was haben Sie für Bedenken?
«Vor acht Jahren entschied ich mich, mit meiner Frau hier in der Schweiz zu bleiben und bis anhin war ich mit dieser Entscheidung vollkommen zufrieden. Die Leute sind immer sehr nett zu mir gewesen und vor allem alte Menschen zeigten Freude an mir. Die Schweiz wurde für mich inzwischen zur zweiten Heimat. Doch nun sehe ich hier wie keine Zukunft mehr. Ich habe vor allem auch Angst, was die Zukunft meiner Kinder anbelangt. Zudem befürchte ich, dass die Situation für mich noch schwieriger wird.»
Was haben Sie nun vor?
«Meine momentane Situation zeigt mir, dass ich richtig schutzlos bin. Im Gegensatz zu Roland Rino Büchel bin ich machtlos, denn er ist in einer hohen Position. Was ich brauche, ist jemand, der mir helfen kann. Ich bin der Meinung, dass Kantonsrat Büchel eine Strafe bekommen soll, auf jeden Fall muss er gestoppt werden. Eigentlich habe ich vor, ihn zu verklagen. Jedoch fehlt mir dazu das nötige Geld. Im Grunde genommen sollte ich es aber sowieso nicht damit verschwenden.»
Interview: Angelina Donati
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