Cédric Wermuths Forderung tönt eigentlich recht harmlos. Im Juni reichte der Aargauer SP-Nationalrat ein Postulat ein und wollte vom Bundesrat wissen, wie sich eine Veränderung der Rechtsform internationaler Sportverbände auf deren Verpflichtung zur Transparenz auswirken könnte. Im Fokus von Wermuths Fragen steht die Fifa, die noch immer als Verein organisiert und damit von der direkten Bundessteuer befreit ist. Solange das so bleibe, schreibt Wermuth, sei die Fifa kaum reformfähig. Die Politik dürfe sich nicht aus der Diskussion raushalten. Der Bundesrat ist für Annahme des Vorstosses.

Über Wermuths Postulat hätte gestern im Nationalrat abgestimmt werden sollen. Doch so weit kam es nicht, weil die Nationalräte Felix Müri (SVP/LU) und Philippe Bauer (FDP/NE) das Postulat bekämpfen und damit die Debatte auf eine kommende Session verschoben wurde. Ein Versuch also, die Diskussion über die Fifa und ihr Transparenzverständnis zu verhindern? «Nein», sagt Müri. «Die Fifa ist auf einem guten Weg. Wir müssen jetzt auf den Dialog setzen und nicht via Postulat unnötig Staub aufwirbeln», so der SVP-Nationalrat.

Infantino und die sieben Räte

Für Wirbel gesorgt hat in den vergangenen Tagen allerdings nicht nur das Postulat, sondern auch Fifa-Präsident Giovanni Infantino selber. Der Walliser hat sich vergangene Woche mitten in der Herbstsession mit sieben Parlamentariern der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK) in Bern zum informellen Gespräch getroffen. An dem Treffen mit dabei war auch WBK-Präsident Müri. Hat Infantino ihm nahegelegt, Wermuths Postulat zu bekämpfen? «Nein», betont Müri. «Das Postulat war bei unserem Treffen kein Thema.» Infantino habe den sieben eingeladenen Parlamentariern aber zugesichert, dass die Fifa transparenter werden wolle. «Das ist jetzt mal das Wort. Wie es umgesetzt wird, das wird sich zeigen.»

Nicht zum Siebner-Gespräch eingeladen wurde der St. Galler SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel, der von 1999 bis 2002 selbst als Marketing-Leiter für die Fifa tätig war und Wermuths Postulat mitunterzeichnet hat. Er kritisiert Infantinos Bern-Besuch stark. «Ich hatte das Gefühl, dass die Fifa bereit ist, offen über Themen wie Transparenz zu diskutieren. Dass jetzt Herr Infantino mit einem Lobbyisten in Bern auftaucht und Parlamentarier in inoffiziellem Rahmen zu bezirzen versucht, bringt niemandem etwas.» Statt halbgeheimen Treffen mit ausgewählten Parlamentariern hätte Infantino viel besser einen offenen Infoanlass für alle Nationalräte veranstalten sollen. «Komisch, dass er sich von seiner Lobby-Agentur vom anderen Weg überzeugen lassen hat. Er hat ja eine positive Message. Aber so kann er sie nicht vermitteln.»

Cédric Wermuth selber zeigte sich gestern ebenfalls erstaunt über Infantinos Kommunikationsstrategie. «Eigentlich müsste es ja in seinem Interesse sein, wenn die Politik die Fifa bei ihren Transparenz-Bestrebungen unterstützt.» So aber bleibe der Eindruck, dass die Fifa auch unter dem neuen Präsidenten als «Geheimrat» weiterwirken wolle. Die Fifa wollte das Postulat auf Anfrage der «Nordwestschweiz» nicht kommentieren, bestätigte aber Infantinos Besuch in Bern.

Zweifel am Reformwillen der Fifa bleiben. Kurz vor der Wahl zum Präsidenten sagte Infantino im Schweizer Fernsehen SRF: «Ich bin transparent. Ob das reicht, um Präsident zu werden, sehen wir dann.» Präsident geworden ist er. Ob das reicht, um die Fifa transparenter zu machen? Um Nationalrat Müri zu zitieren: «Das ist jetzt mal das Wort.»