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| Monika - 01.04.2009 07.51 |
Hoi Roland
Gut ein Jahr vor der Eröffnung der Tschutti-WM von Südafrika gab es im Fussball-Stadion von Abidjan in der Côte d'Ivoire mehr als 20 Tote, die im überfüllten Stadion starben, weil eine Mauer zusammengebrochen war.
Wie du vielleicht weisst - Ich selbst hatte während Jahren in Abidjan gearbeitet und gesehen, wie das Stadion immer wieder komplett überfüllt war. Die Polizisten und privaten "Securitas" liessen immer ihre zahlreichen "Freunde" gratis und alle anderen gegen wenig Schmiergeld ins Stadion.
Ich bin sicher, dass es in Afrika bald wieder zu einer tragischen Katastrophe kommt, allerspätestens bei der WM in Südafrika. |
| Antwort - 01.04.2009 12.18 |
Geschätzte Monika
Etwas ist leider so sicher wie das Amen in der Kirche: Es wird in Afrika zu weiteren Tragödien in den Fussballstadien kommen. Ich denke jedoch nicht, dass das bei den Fussball-Weltmeisterschaften 2010 in Südafrika der Fall sein wird.
Ich war im Jahr 2002 für das Marketing des "African Cup of Nations" in Mali zuständig. Das ist für die Afrikaner in etwa das Gleiche wie die EURO 2008, welche letztes Jahr in Österreich und der Schweiz stattfand. Mali grenzt im Süden an die Elfenbeinküste, wo das Unglück am letzten Wochenende passierte.
Die von Dir erwähnte Tragödie spielte sich unmittelbar vor dem WM-Ausscheidungsspiel gegen Malawi ab. Die Partie wurde trotzdem pünktlich angepfiffen. Die Elfenbeinküste siegte 5 : 0, Chelsea-Superstar Didier Drogba war umjubelter Doppeltorschütze. Die Fans im total überfüllten Houphouet-Boigny-Stadion gerieten in Ekstase. Von den Toten wussten sie nichts, oder sie hatten sie in der Euphorie bereits vergessen. Ich verstehe, dass die "normalen" Europäer das nicht verstehen können. Doch es ist so. Das weisst Du mit Deiner jahrelangen Afrika-Erfahrung noch besser als ich.
Man kann die Anzahl der Katastrophen in den Stadien jedoch massiv einschränken. Auch in Afrika. Ein Beispiel: Im Jahr 2002 gab es in Mali in 32 Spielen keinen einzigen nennenswerten Zwischenfall. Wenn ich da und dort ein paar besoffene Idioten ausnehme, welche sich gegenseitig verprügelten. Doch das kommt auf der ganzen Welt vor.
Warum gelang es, während des ganzen Turniers Ordnung zu halten? Ganz einfach. Weil wir wussten, wo wir den Hebel ansetzen mussten. Nämlich beim Ticketing. Die Plätze sind in den Stadien Afrikas meistens nicht nummeriert. Das ergibt zahlreiche Möglichkeiten für kleine und grosse Gauner.
Die Strategie dagegen? Die Tickets wurden erst wenige Tage vor den jeweiligen Partien hergestellt. Zudem musste die Druckerei durch Vertrauensleute überwacht und kontrolliert werden. Dies unabhängig davon, ob das den Sponsoren und den Ticket-Dealern passte oder nicht. Menschenleben sind wichtiger als der kurzfristige Profit der Gierigen. (Dass jene dadurch nicht zu Deinen Freunden werden; damit musst Du leben.)
Warum waren wir im Jahr 2002 dermassen kompromisslos? Auch weil im Jahr zuvor bei einem WM-Quali-Spiel in Liberia neun, bei einem Spiel im Kongo 13 und einer Massenpanik in Accra/Ghana mehr als 130 Menschen ums Leben gekommen waren. All dies in den Stadien.
Zudem wurden am 11. April 2001 im "Ellis Park" von Johannesburg/Südafrika 43 Menschen zu Tode getrampelt oder hinter Gittern zerquetscht. An der WM 2010 werden dort sieben Spiele ausgetragen. Das Stadion heisst seit letztem Jahr und noch drei Jahre und neun Monate lang "Coca Cola Park". Die Amis bezahlen für das "Naming Right" und ein paar weitere Leistungen 58 Millionen US Dollars.
Wenn der Korruption und der Günstlingswirtschaft innerhalb der WM-Organisation rigoros der Riegel geschoben wird, kommt es nächstes Jahr in den Stadien zu keiner einzigen Tragödie. Im Gegensatz zu Dir bin ich davon überzeugt. Ich hoffe, dass dies auch ausserhalb der Spielstätten so sein wird. Dort liegt die grosse Herausforderung für die Veranstalter.
Mit einem besten Gruss,
Roland Rino Büchel |
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| Gewerkschafter - 26.03.2009 15.12 |
Herr Büchel
Haben sie die RUNDSCHAU von gestern gesehen? Da legt das Schweizer TV mit dem Besuch vom Schweizer Spitzengewerkschafter Vasco Pedrina klar dar, dass die Bauarbeiter auf den Stadionbaustellen für die FussballWM in Südafrika höchstens zwei Fr. in der Stunde verdienen. Das ist etwa 290 Fr. im Monat und 2/3 der dort Arbeitenden erhalten nicht einmal so viel für ihre befristeten Arbeitsverträge.
Die Gewerkschaften haben sehr anschaulich dargelegt, dass niemand mit 2500 südafrikanischen Rand im Monat leben kann. Es ist ja lächhaft, wenn Fifa-Funktionär Josef Blatter im Film so tut, wie wenn er sich um die afrikanischen Arbeiter kümmern würde. Er hat mit seiner mächtigen Organisation Herrn Pedrina und seinen KollegInnen sogar den Besuch auf gewissen Baustellen für die WM 2010 verunmöglicht. |
| Antwort - 26.03.2009 19.07 |
Geschätzter Gewerkschafter
Nein, ich habe die Sendung nicht gesehen. Und ich weiss auch nicht, wie viel die Arbeiter auf den Baustellen in Südafrika üblicherweise verdienen.
Interessant - aber nicht erstaunlich - ist, dass sich hiesige Gewerkschafter und Journalisten auf ein "Reisli" in den Süden Afrikas begeben haben. Ihnen hat das vielleicht etwas gebracht. Und den Fluggesellschaften, aber auch den Hotels, wo sie übernachtet, den Restaurants, wo sie diniert und den Bars, wo sie ihre Drinks genossen haben, ...
Sie sehen; ich bin kein Freund von Schweizer Besserwissern, die mit ein paar Journalisten und TV-Kameras im Gepäck schnell irgendwohin reisen und grosse Sprüche reissen.
Mit einem besten Gruss,
Roland Rino Büchel |
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| Ursula Rudolf - 11.03.2009 16.35 |
Sehr geehrter Herr Büchel
Mit grösster Befriedigung habe ich in einem der beliebtesten Blogs Deutschlands (www.jensweinreich.de - Blogbeitrag vom 10.03.09 über Steuerbefreiungen der internationalen Sportverbände) zur Kenntnis genommen, dass in der Schweiz Leute wie Ständerat Kuprecht und sie für eine saubere Unternehmungsführung kämpfen.
In Deutschland schwatzen die Politiker zwar viel, tun aber nichts.
Daneben bin ich fasziniert, wie sie in diesem Gästebuch auch allen Gegnern eine Antwort geben. Ihre Ruhe möchte ich haben.
Herzlichst grüsst
Ursula Katharina Rudolf |
| Antwort - 12.03.2009 12.19 |
Sehr geehrte Frau Rudolf
Vielen Dank für Ihr Mail, welches Sie an mich privat geschickt haben. Und merci für die Erlaubnis, dass ich Ihnen öffentlich antworten darf.
Ich werde Ihr Kompliment gerne an Ständerat Alex Kuprecht weiterleiten. Mein Parteikollege hat sich mit der Frage befasst und dem Bundesrat (unserer Landesregierung) die Frage gestellt, weshalb Organisationen wie das IOC, die FIFA und die UEFA in der Schweiz von den Steuern befreit werden. Die Antwort unseres Finanzministers war unklar und verwirrend.
Mich beschäftigt, dass selbst dubiose Firmen wie die konkursite Ex-Marketingagentur der drei weltgrössten Sportverbände (die ISL/ISMM-Gruppe) von den gesetzlich vorgeschriebenen Revisionsgesellschaften offenbar nie sauber geprüft wurden und werden. Sogar nach Milliardenpleiten dürfen in unserem Land hilflose Amateure als Konkursverwalter an den Scherbenhaufen herumkleistern. Weil sie zudem sehr hohe Honorare verrechnen, schmilzt ein Teil vom übrig gebliebenen Geld weg wie der Schnee an der Frühlingssonne.
Das muss ein Ende haben. Das habe ich auch im Interview vom 23. Februar auf "ostnews.ch" gesagt.
Ein letzter Satz zu uns Politkern: Weil wir in der Schweiz eine direkte Demokratie haben, müssen wir viel mehr Bodenhaftung beweisen als die Kollegen bei Ihnen. Das freut nicht alle, ist aber sehr gut so.
Mit einem besten Gruss nach Deutschland,
Roland Rino Büchel |
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| Gerechtigkeit - 10.03.2009 11.41 |
Werter Herr Büchel - Ihr Interview auf der Ostschweizer Online-Zeitung über die Korruption im Sport ist interessant. Ihre heutige Antwort auf die Frage von Corups Corupti auch. Aber, spielt es wirklich eine Rolle, ob sich Fussball-Funktionäre schmieren lassen oder nicht?
Übrigens wissen nicht nur die Revisoren der ISL, der Konkursverwalter und der ehemalige Chef, wer das Geld genommen hat. Auch der ehemalige Buchhalter Hans Peter Weber und der Finanzchef Hans J. Schmid wissen alles.
Viel wichtiger und noch schlimmer als die Sportfunktionäre sind die Steuerbeamten. Mit wie viel Geld haben die sich kaufen lassen? Oder glauben sie ernsthaft, dass das Internationale Olympische Komitee und die UEFA "gratis und ohne nette Gesten" steuerfrei am Genfersee hocken oder die FIFA auf dem Zürichberg? |
| Antwort - 10.03.2009 18.21 |
Sehr geehrte "Gerechtigkeit"
Schade, dass Sie anonym bleiben. Sie haben wahrscheinlich recht; es gab innerhalb der ISL/ISMM weitere Leute, die vieles über die Schmiergelder wussten.
Die beiden verurteilten Angeklagten, Chefbuchhalter Hans-Jürg Schmid und Finanzchef Hans-Peter Weber wurden jedoch von den Richtern betreffend der Liste zu den mit 138 Millionen Franken geschmierten Funktionären nicht öffentlich befragt. So zumindest habe ich es als Prozessbeobachter mitbekommen.
Die Geschichte hat auch international hohe Wellen geschlagen. Wie zum Beispiel in Deutschland: Dr. Peter Danckert ist der Vorsitzende des Bundestagssportausschusses. Er sprach in diesem Zusammenhang von einem mafiösen Geflecht und forderte die europäischen Sportverbände auf, die Empfänger des Geldes zu ermitteln. Andernfalls werde er über die Konferenz der europäischen Sportminister Druck machen.
Das war im letzten Juli. Bis jetzt habe ich noch keine Resultate gesehen. Es hat sich offenbar um ein nutzloses Politikergeschwätz gehandelt. So, wie es in den EU-Staaten üblich ist.
Mit einem freundlichen Gruss,
Roland Rino Büchel |
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| Corpus Corrupti - 09.03.2009 20.37 |
Ihr Interview für ostnews.ch vom 23.2.09 sagt, dass Sportfunktionäre von der Fifa mit 138 Millionen geschmiert wurden. Sogar die Gerichtsakten bestätigen alles das. Alle Fifa`s Bosse sind korrupt. Da gehören sie ganz sicher dazu. Sonst wären sie nicht Politiker. |
| Antwort - 10.03.2009 06.53 |
Geschätzter "Corpus Corrupti"
Ihr Pseudonym ist originell. Aber Ihre Aussagen sind nicht präzise. Ich habe das Interview unter "News" aufgeschaltet. Dort können Sie nachlesen, was ich wirklich gesagt habe.
Es ist richtig, dass die Vermarktungsfirma ISL/ISMM zwischen 1989 und 2001 Sportfunktionäre mit mindestens 138 Millionen Franken geschmiert hat. Ich habe jedoch weder in diesem noch in einem anderen Interview gesagt, dass es sich ausschliesslich um Funktionäre des Internationalen Fussballverbandes FIFA handelt. Von wenigen öffentlich bekannten Ausnahmen abgesehen, weiss auch ich nicht, wer alles "gekauft" worden war.
All diese Millionen liefen bei der ISL/ISMM durch die Hände eines Mannes: Jean-Marie Weber. Er hat die Liste (noch) nicht preisgegeben und sogar vor Gericht die Aussagen dazu verweigert. Bis jetzt haben auch andere Personen und Behörden geschwiegen, die exakt wissen müssen, wer die Millionen eingesteckt hat.
Falls es Sie interessiert: Fragen Sie bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung nach, fragen Sie die Revisionsgesellschaft KPMG, fragen Sie den abgehalfterten Konkursverwalter Thomas Bauer (Ernst & Young) oder seinen Nachfolger Karl Wüthrich (Wenger Plattner Rechtsanwälte, Küsnacht). Wüthrich administriert auch den Swissair-Konkurs.
Die beiden ausseramtlichen Konkursverwalter sind dafür verantwortlich, dass das Verfahren der ISL/ISMM-Gruppe auch nach bald acht Jahren noch nicht abgeschlossen ist. Die Gläubiger haben ihr Geld bis heute nicht gesehen. Meine Verbindung zur Pleitefirma? Wie mehr als 400 weiteren Gläubigern steht auch mir noch viel Geld zu.
Zu Ihren Anschuldigungen: Ich kann verstehen, dass für Sie "alle" Sportfunktionäre korrupt sind, wenn niemand darlegt, wer wirklich die hohle Hand gemacht und die Millionen eingesackt hat. Wenn diese Namen nicht bald auf den Tisch kommen, werden immer neue Unschuldige verdächtigt.
Ganz Originelle wie Sie setzen nun sogar meinen Namen auf die Liste. Wer mich kennt, der weiss, dass ich ein geduldiger Mensch bin. Doch langsam habe sogar ich genug.
Mit einem Gruss,
Roland Rino Büchel |
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